1127 Kilo Äpfel für Flüchtlingsspielzeug gesammelt / Bürgermeister verliert fast fair die große Wette

„Uelzens Kinder sind großartig!“

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Friede, Freude, Apfelsaft – als die Entscheidung klar ist, lässt sich auch Stadtwetten-Verlierer Jürgen Markwardt von den Emotionen der Gewinner anstecken.

Uelzen. Strahlender Sonnenschein, eine zum Spieleparadies umgestaltete Veerßer Straße und eine gewonnene Stadtwette – Uelzens Kinder hatten gestern reichlich Grund zum Strahlen.

Die Mitarbeiter der Stadtjugendpflege hatten alle Hände voll zu tun. Vor dem Wiegen mussten die Äpfel in Säcke gefüllt werden.

Ein bisschen zäh ging der Nachmittag der Stadtwette – Bürgermeister Jürgen Markwardt hatte es zuvor nicht für möglich gehalten, dass die Kinder der Stadt 800 Kilo Äpfel sammeln würden – los. Aber dann gab es irgendwann kein Halten mehr. Die abgesperrte Fläche zwischen altem und neuem Rathaus füllte sich mit Kindern und ihren Eltern, Großeltern oder Erzieherinnen.Hunderte waren da. Und ob in Plastikschubkarren, Leinenbeuteln, Kartons, im Bollerwagen oder im Fahrradanhänger – Äpfel brachten sie massenweise. An der Wiegestation polterten die Früchte auf den Tisch, der süß-saure Apfelgeruch lag über der Mitte der Straße und Mario Steiner, kraftvoller Mitarbeiter der Stadtjugendpflege und für das Wiegen der Äpfel zuständig, scherzte: „Meine Arme sind noch nicht müde, aber ich freue mich jetzt schon auf die Dusche!“

Fast zwei Stunden lang landete immer wieder frische Ware auf seinem Tisch, wurde in 25-Kilo-Säcke gepackt und auf einen bereitgestellten Anhänger verfrachtet. Je voller der Anhänger, desto frecher die Kinder: „Du wirst langsam nervös!“ oder „Du verlierst!“ musste sich der Bürgermeister im Laufe des Nachmittags mehrfach anhören.

Eines von vielen, tollen Spielen auf der gesperrten Veerßer Straße war das Apfelschnappen.

Grund, stolz auf sich zu sein, hatten viele der Kinder zweifelsohne. Kaum eines von ihnen hatte weniger als acht Kilo gesammelt, egal ob alleine oder mit Unterstützung. Melvin brachte 16 Kilo von einer Wiese am LeG, Hanna brachte es mit Freundin Leni und Schwester Luisa auf insgesamt 25 Kilo, die Gruppe vom CJD schleppte 97 Kilo heran und einen Sonderapplaus für die gewaltigste Einzelmenge sicherte sich eine Gruppe des DRK-Kindergartens Niendorfer Straße: Weit über 100 Kilo Äpfel steuerten diese ganz Kleinen bei. Grund genug für Mario Steiner, die Kinder auch über das Mikrofon zu loben: „Was der Kindergarten geleistet hat, ist Wahnsinn!“ Im Anschluss versuchte es der Bürgermeister, ebenfalls über das Mikrofon, zunächst auf die krumme Tour: „Der Kindergarten ist disqualifiziert!“ Mangels Entscheidungsbefugnis in dieser Sache blieb eine Konsequenz allerdings aus.

Am Ende war das Ergebnis eindeutig: Statt der nötigen 800 Kilo trugen Uelzens Kinder stolze 1127 Kilo Äpfel aus den Gärten und von den Wiesen der Stadt zusammen, der Bürgermeister war beeindruckt und zeigte sich am Ende als fairer Verlierer ohne Tricks: „Über eine Tonne Äpfel gesammelt – Uelzens Kinder sind großartig!“

In Hinblick auf seinen Wetteinsatz sagte Markwardt: „Ich habe für das Mosten bisher nur den Dienstagnachmittag eingeplant. Jetzt denke ich, dass die Hersbstferien kaum reichen.“

Der Saft aus den Äpfeln wird am 6. und 10. Oktober auf dem Vitalmarkt verkauft, von dem Erlös Spielzeug für Flüchtlingskinder gekauft. „Die brauchen das wirklich“, sagte Markwardt in Hinblick auf die schlimmen Erfahrungen von Flüchtlingskindern.

Völlig sorgenfrei hingegen konnte im Anschluss auf der Veerßer Straße wieder gespielt werden: Stelzenlaufen, Schatzsuche, Dosenwerfen und Apfelschnappen – rund 50 Schülerinnen der Fachsschule für Sozialpädagogik an der BBS II hatten ein buntes Spiele- und Bastelprogramm zusammengestellt.

Übrigens: Der NDR berichtet in „Hallo Niedersachsen“ von der Kinderstadtwette. Allerdings nicht, wie ursprünglich geplant am Sonntag, sondern bereits heute.

Von Steffen Kahl

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