1. az-online.de
  2. Uelzen
  3. Stadt Uelzen

Uelzens Corona-Tester: Marvin Großkrüger unterhält 14 Teststationen

Erstellt:

Von: Norman Reuter

Kommentare

Mit Wattestäbchen und Testkassette: Marvin Großkrüger unterhält 14 Corona-Testzentren in der Region.
Mit Wattestäbchen und Testkassette: Marvin Großkrüger unterhält 14 Corona-Testzentren in der Region. © Privat

Marvin Großkrüger war der Erste, der im Landkreis Uelzen ein Corona-Testzentrum aufbaute. Inzwischen unterhält er 14 solcher Zentren, darunter nun auch welche in Nachbarkreisen. Dazu gekommen ist er aus der Not
heraus. Er hat eigentlich noch ganz andere Pläne.

Es sind Wochen, an die Marvin Großkrüger nicht gerne zurückdenkt. Als selbstständiger Jungunternehmer, der gerade mit seinen Beschäftigten eine große Praxis für Physiotherapie an der Ebstorfer Straße bezogen hat, vermag er noch, sich durch den ersten Corona-Lockdown im Frühjahr 2020 zu kämpfen. Als im Herbst des gleichen Jahres erneut die Schotten herunterzulassen sind, wird es eng für ihn: „Wir haben hart geblutet“, blickt Marvin Großkrüger zurück.

In der Pandemie, die ihm wirtschaftlich so zusetzt, entdeckt er für sich und seine Mitarbeiter eine Chance. Er baut als Erster im Landkreis Uelzen zu Beginn des Jahres 2021 ein Corona-Testzentrum auf.

Großkrüger kommt dazu, weil er selbst zu dieser Zeit ein Verdachtsfall ist, er damals getestet werden muss. Dafür hat er noch nach Lüneburg zu fahren, weil im Landkreis Uelzen noch kein solches Zentrum zu finden ist. Großkrüger ändert das. „Das ist so: Wenn ich eine Idee habe, die sich gut anfühlt, dann mache ich das“, sagt Großkrüger über sich.

Anfangs werden ungenutzte Räume an der Celler Straße der ehemaligen Physiotherapie Schülke, die er übernommen hat, genutzt. Das Testen steckt damals noch in den Kinderschuhen. Wenige Monate später wird es zu einem zentralen Baustein, um die Pandemie einzudämmen. „Als die Bürgertests im März kamen, explodierte das“, sagt Marvin Großkrüger. Er stampft Teststation für Teststation aus dem Boden. Inzwischen unterhält er 14 an der Zahl – in den Kreisen Uelzen, Lüneburg und Celle.

Allein in der vergangenen Woche sind im Landkreis Uelzen über seine Zentren gut 12 000 Menschen abgestrichen worden. Neid schlägt ihm mitunter entgegen, berichtet Großkrüger, als er danach gefragt wird. „Was die Leute nicht sehen: Das Geld für die Tests bekomme ich erst zwei Monate später. Ich investiere, gehe Risiken ein.“

Großkrüger wirkt im Gespräch nicht so, als ob er Risiken scheuen würde. In Wieren aufgewachsen, lässt er sich in Bad Bevensen zum Physiotherapeut ausbilden. Für ihn ist schnell klar: „Ich will immer selbstständig sein.“

Zwei Jahre ist er in Kiel als Freiberufler tätig, danach baut er eine Privatpraxis an der Gudesstraße in Uelzen auf, bevor er 2019 die Praxis Schülke an der Celler Straße übernimmt und mit ihr in einen Neubau an der Ecke Lüneburger Straße/Ebstorfer Straße zieht. Wenige Monate später hält Corona Einzug.

Dank der Test-Stationen habe er sein Personal aus der Kurzarbeit holen können, sagt Großkrüger. Er weiß, dass sie nicht ewig bestehen werden. Zuletzt hieß es, bis Ende Mai sollen kostenfreie Bürgertests angeboten werden, wobei Karl Lauterbach bereits erklärte, bei Bedarf könne dies auch noch verlängert werden. „Da ist schon Unsicherheit“, sagt Großkrüger. Deshalb arbeitet der 34-Jährige daran, sein Kerngeschäft als Physiotherapeut auszubauen. Im April übernimmt er eine weitere Praxis in Suderburg. „Ich will ,Fit im Norden‘ großmachen“, so der zweifache Familienvater. Es ist die Marke, die er sich überlegt hat. Zu expandieren, gehe nur „mit dem richtigen Team“, meint Großkrüger. Das habe er.

Auch interessant

Kommentare