Verbandsvorsitzender Thorsten Riggert: „Lage hat sich dramatisch verschärft“

Uelzens Bauern stellen Existenzfrage

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Die Erzeugerpreise für Fleisch und Milch fallen immer weiter. Bauernverbandsvorsitzender Thorsten Riggert sieht seinen Berufsstand mittlerweile grundsätzlich in der Existenz bedroht.

Uelzen. Die Preise für Milch, Fleisch und Getreide seien im Keller. Der Handel setze auf Sonderangebote und verramsche die Lebensmittel zum Teil. „Die Verunsicherung unter den Landwirten ist groß.“

Das sagte Thorsten Riggert, Vorsitzender des Bauernverbandes Nordostniedersachsen, bei der Kreisversammlung Anfang Februar. Gerade mal zwei Monate später habe sich laut Riggert die Lage noch einmal dramatisch verschärft.

Die Landwirte fordern jetzt unmittelbare staatliche Hilfen und Bürgschaftsprogramme. Riggert geht noch einen Schritt weiter: „Wir müssen die Politik langsam mal fragen, ob sie unseren Berufsstand in dieser Form überhaupt noch will.“

Der Bauer kämpfe an zwei Fronten gleichzeitig. Einerseits werde das Korsett an Auflagen und Verordnungen immer enger. „Die gibt es in anderen Ländern gar nicht. Dort kann weitaus billiger produziert werden als bei uns.“ Andererseits rutschten die Erzeugerpreise fast schon ins Bodenlose. „Schaut man in die Regale vieler Supermarktketten wird aber eines deutlich: Es geht vor allem um möglichst billige Preise, während vielen Landwirten das Wasser bis zum Hals steht“, sagt Thorsten Riggert. Der Druck auf die Erzeugerseite sei enorm. Der Milchpreis drohe im Frühsommer die 20-Cent-Marke je Liter nach unten zu reißen, menetekelt der Verbandsvorsitzende. Ein Ende des Preisverfalls sehe er nicht.

Riggert mahnt an, dass die Politik helfen solle, neue Absatzmärkte für die heimische Landwirtschaft zu erschließen. Beispielsweise in Indien oder China. Der Boykott Russlands, Lebensmittel aus der EU zu importieren, habe die Erzeuger in den vergangenen Monaten hart getroffen. Die Politik habe das Problem des massiven Preisverfalls erkannt, aber deren Mühlen mahlten eben langsam. „Ehe sich grundlegend was tut, gibt’s uns vielleicht nicht mehr.“ Weniger Bauern im Land hieße nicht, weniger Lebensmittel. „Der Verbraucher spürt das nicht. Dann werden eben mehr Nahrungsmittel aus dem Ausland importiert“, stellt Riggert bitter fest.

Von Jens Schopp

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