Herbert Schütte erinnert sich an das Hochwasser 1941 / Informationsveranstaltung im Rathaus

Uelzens Äcker als Seenplatte

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Hochwasser auf der Gudesstraße: Das Wasser drückte gegen die Hauswände. In einigen Geschäften wurde die Ware in den ersten Stock gebracht.

Uelzen. Die Sorge ist allgegenwärtig: Herbert Schütte hat das Hochwasser im Februar 1941 miterlebt, damals war er 19 Jahre alt. Vor Winterbeginn erinnert der 90-jährige Veerßer deshalb gerne die Kollegen im Gartenverein daran, dass sie die Gräben sauber halten.

Herbert Schütte

„Wenn ich heute Gräben sehe, die teilweise halb zugewachsen sind, dann wird mir Angst und Bange“, erklärt Schütte. Denn in dem schneereichen Winter vor 71 Jahren liefen viele Gräben, die durch Veerßen zur Ilmenau führten, über, viele Gebäude standen unter Wasser. Ein Hochwasser dieser Art gibt es nach Statistiken, an denen sich die Behörden orientieren, alle hundert Jahre. Um den nötigen Hochwasserschutz nach den aktuellen Vorgaben der EU zu erfüllen, arbeitet derzeit der Landesbetrieb für Wasserwirtschaft an der neuen Ausweisung eines Überschwemmungsgebietes entlang der Ilmenau und der Nebenbäche. In dieses Gebiet werden nach derzeitigem Planungsstand auch bebaute Grundstücke einbezogen, deren Eigentümer nun einen Werteverlust ihrer Flächen befürchten.

„Im Februar begann das große Tauwetter“, erinnert Herbert Schütte sich an das große Hochwasser im Jahr 1941. „Innerhalb einer Woche war alles aufgetaut. Die großen Ackerflächen der Veerßer Bauern sahen aus wie eine Seenplatte.“ Aus den Fenstern des Wohnhauses seiner Eltern, in dem er auch heute noch wohnt, konnte er auf das überschwemmte Grundstück auf der gegenüberliegenden Seite blicken: „Die Küche im Keller der Klinik Veerßen lief voll Wasser“, schildert Schütte. Auf einem der Bauernhöfe habe auch das Vieh mit den Beinen im Wasser gestanden. Ebenso seien Häuser an der Niendorfer Straße, am Krempel-, Bahnhofs-, Stadtweg und im Schwarzen Weg betroffen gewesen. „Wie ein großer Strom floss das Wasser in einem der Gräben durch die Wiese gegenüber vom Hotel Deutsche Eiche zur heutigen Soltauer Straße“, weiß der 90-Jährige. „Es war alles unfassbar.“

Er zog die langen Stiefel seines Vaters an, um sich das Ausmaß des Hochwassers anzusehen: „Auf dem Weg nach Uelzen sah ich, dass alle Häuser der Veerßer Straße, die an der Ilmenauseite standen, überflutet waren.“ Auf dem ehemaligen Wochenmarktgelände am Veerßer Tor stand das Wasser etwa einen dreiviertel Meter hoch, und auf der anderen Seite der Ilmenau zog es sich bis zur Albertstraße, wo auch Freunde von ihm wohnten, sagt Herbert Schütte. Dort hätten 50 Pfirsichbäume gestanden, die von scharfkantigen Eisschollen „einfach abrasiert worden“ seien. „Die Töchter der Familie zogen ein Boot aus dem Schuppen und fuhren damit entlang der Albertstraße am Ratsteich vorbei in die Gudesstraße zum Einkaufen.“

Am Alten Rathaus fuhr der Fahrer eines großen Lastwagens der Uelzener Brauerei los – „ganz langsam durch die Fluten“, erinnert sich Schütte. Die Wassermassen drückten in die Drogerie Lünemann, Landhandel Wendlandt und ins Kaufhaus Klappenbach. Angestellte hätten die Waren vom Erdgeschoss in den ersten Stock tragen müssen. Auch die Gertrudenkapelle sei voll Wasser gelaufen. „Der Innenraum lag gut einen Meter tiefer und alle Bänke schwammen im Wasser.“

Der Verlauf der Ilmenau war laut Zeitzeugen in den Jahren zuvor vom Reichsarbeitsdienst begradigt worden. Im Winter 1941 wurde die Eisdecke am Ratsteich gesprengt, woraufhin Eisschollen die Flutmuldenbrücke verstopften und das Wasser über die Ufer trat.

Von Diane Baatani

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