Keine Kontrollpflicht: Missbrauch wird befürchtet

Falscher Name beim Corona-Test?

Ein Abstrich wird im Drive-in genommen: Mit Tests sollen Corona-Infektionen entdeckt werden. Es gibt Vorgaben dazu, wo ein negativer Test vorzulegen ist.
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Ein Abstrich wird im Drive-in genommen: Mit Tests sollen Corona-Infektionen entdeckt werden. Es gibt Vorgaben dazu, wo ein negativer Test vorzulegen ist.
  • Norman Reuter
    vonNorman Reuter
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Weil bei einigen Corona-Teststellen kein Ausweis vorgezeigt werden muss, befürchtet eine Uelzenerin Missbrauch. Derweil wurde bekannt, dass eine Teststelle im Landkreis wegen Mängeln vom Gesundheitsamt geschlossen wurde.

Uelzen – Dafür hat Sandra Nagel wenig Verständnis: Als sie sich jüngst mit ihrer Mutter an der Albrecht-Thaer-Straße im Drive-in auf eine Corona-Infektion testen lassen möchte, füllen die beiden die Formulare aus, in denen die Angaben zur Person gemacht werden müssen. Für sie war eigentlich klar: Es muss noch der Personalausweis gezeigt werden, damit die Mitarbeiter der Teststelle auch sicher sein können, dass nicht getrickst wird. „Doch nach dem Personalausweis wurde gar nicht erst gefragt“, sagt Nagel. Und als sie ihn habe zeigen wollen, sei ihr Glauben geschenkt worden, anstatt dass sich das Personal vergewisserte.

Nagel findet die laxe Art bedenklich. Es sei nicht auszuschließen, dass jemand mutwillig falsche Angaben macht, um jemand anderem einen Freibrief zu besorgen, meint sie. Oder aber jemand merke Symptome, wolle aber im Fall eines positiven Ergebnisses nicht „belangt“ werden – das Umfeld müsste in Quarantäne, vielleicht gibt es Probleme mit der Arbeit. „Wir reden gerade darüber, dass Impfpässe gefälscht werden“, zieht sie den Vergleich.

Anruf beim Landkreis

Zuletzt hatten sich deutsche Sicherheitsbehörden in Bezug auf gefälschte Dokumente zur Corona-Krise besorgt gezeigt. Und Gesundheitsminister Jens Spahn stellte bei Fälschungen härtere Strafen in Aussicht. Nach einem Bericht der deutschen Presseagentur (dpa) soll das Nutzen falscher Impf-, Test- und Genesenen-Dokumente mit einer Freiheitsstrafe von bis zu einem Jahr oder Geldstrafe geahndet werden.

Auch als Sandra Nagel und ihrer Mutter die Testergebnisse ausgehändigt werden, muss sie keine Personalausweise zeigen. Sie belässt es nicht bei einem innerlichen Kopfschütteln. „Ich habe beim Landkreis angerufen, bin dann beim Bürgertelefon gelandet.“ Dort habe sie ihr Unverständnis geäußert. Und sie meldet sich bei der AZ.

Das Uelzener DRK als Betreiber der Teststelle an der Albrecht-Thaer-Straße in Uelzen erklärt auf Nachfrage: „Unsere oberste Priorität ist es, ein sicheres Testergebnis zu erhalten und dieses auch zu bescheinigen. Die Verantwortung, ein von uns erstelltes Testergebnis nicht zu missbrauchen, liegt beim jeweiligen Bürger.“

Und: „Wir möchten nicht jeden, der zu uns kommt, um sich testen zu lassen, unter Generalverdacht stellen, sich ein Testzertifikat erschleichen zu wollen. Da jetzt die Bürgertestungen einzig den Sinn haben, infizierte Bürger ohne Symptome zu finden, ergibt sich kein Vorteil gegenüber einer ungetesteten Person. Aber alle haben die Sicherheit, nicht ansteckend zu sein. Hier ergibt sich auch eine moralische Verpflichtung, kein Testzertifikat zu erschleichen.“

Keine Kontrollpflicht

Das DRK verweist auch auf die entsprechende Verordnung des Landes: Demnach seien nur dann personenbezogene Daten zu überprüfen, wenn begründete Zweifel auf die Plausibilität vorliegen würden. Beispiel: das Geburtsdatum auf dem Formular passt nicht zu dem Eindruck des zu testenden Bürgers oder auch das Geschlecht ist nicht passend. Heißt: „Die Corona-Verordnung sieht eine pauschale Kontrolle des Ausweises also schlichtweg nicht vor.“

Sandra Nagel weiß zu berichten: „Andere Teststellen verlangen bei der Terminbuchung zumindest die ID auf dem Personalausweis.“

Was Fragen des Infektionsschutzes an Teststellen und auch zur Dokumentation betrifft, so macht auch hier das Land die Vorgaben, wie die Uelzener Kreisverwaltung erklärt. „Der Zweckverband Gesundheitsamt Uelzen/Lüchow-Dannenberg kontrolliert die Umsetzung“, teilt Kreissprecher Martin Theine mit.

Kommt es zu gravierenden Verstößen, kann eine Teststelle von Amtswegen auch geschlossen werden. Genau das ist in einem Fall jetzt im Landkreis Uelzen passiert. Die Kreisverwaltung bestätigt entsprechende AZ-Recherchen. So wurde vergangene Woche Donnerstag einer Teststelle am Obi-Markt an der Oldenstädter Straße der Betrieb vom Gesundheitsamt untersagt. Der Grund: „Die Teststelle wurde aufgrund der Nichterfüllung der Mindestanforderungen, die beauftragte Teststellen zu erfüllen haben, geschlossen“, so Kreissprecher Theine.

Im Gespräch mit der AZ hatte ein Bürger die Zustände dort beklagt: „Auf dem Bogen war nicht einmal eingetragen, wer den Test durchführte. Es fehlte auch jegliche technische Ausstattung für eine Dokumentation. Das war eine Zettelwirtschaft“, sagt er. Ziel sei es doch, die Pandemie zu bekämpfen. Mit solchen Zuständen werde dem einen Bärendienst erwiesen.

Nach Recherchen handelte es sich um einen Betreiber, der nicht aus dem Landkreis Uelzen stammt.

„Waren erschrocken“

Beatrix Pastrik-Aly, Leiterin des Obi-Marktes, erklärt gegenüber der AZ: „Wir haben nur den Platz zur Verfügung gestellt. Wir waren selbst schockiert, dass die Teststelle geschlossen werden musste.“ Mit einem ortsansässigen Anbieter habe man eine Nachfolge-Lösung gefunden. Seit Sonnabend hat dort Marvin Großkrüger ein Testangebot geschaffen. „Wir sind dort jetzt eingesprungen“, berichtet er. Es ist seine sechste Teststelle in den beiden Landkreisen Uelzen und Lüneburg. Inzwischen hat das Land Niedersachsen auch eine Testpflicht für den Besuch eines Ladens mit einer Fläche von mehr als 200 Quadratmetern abgeschafft, wenn die Inzidenzwerte niedrig sind.

Das betrifft, wie berichtet, den Landkreis Uelzen. Großkrüger will es jetzt erst einmal auf sich zukommen lassen, was die Änderungen für die Test-Nachfrage bedeuten. „Für Gastronomien und andere Bereiche braucht es noch die Teststellen“, verdeutlicht er. Gegebenenfalls würde er entsprechend dem Bedarf Anpassungen vornehmen.

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