„Keine Panik hier“

Auf dem Uelzener Wochenmarkt wird trotz Covid-19 weiter eingekauft

Stärker am Sonnabend auf dem Uelzener Wochenmarkt nachgefragt: Kartoffeln. Am Stand von Sybille Schulte-Mausbeck aus Wessenstedt bildete sich eine Menschenschlange.
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Stärker am Sonnabend auf dem Uelzener Wochenmarkt nachgefragt: Kartoffeln. Am Stand von Sybille Schulte-Mausbeck aus Wessenstedt bildete sich eine Menschenschlange.

Uelzen – „Wir sind vorsichtig. Aber wir legen keine Riesenvorräte an“, sagt Aenne Kaufmann als Besucherin des Wochenmarktes. Und so ist auf dem Vital-Markt am Sonnabend in der Innenstadt trotz der Corona-Krise und täglicher Schreckensmeldungen auch nichts ausverkauft.

Wohl aber gibt es eine besondere Nachfrage: die nach Kartoffeln.

Während bei Bauer Schwutke aus Holdenstedt die Nachfrage noch „normal“ ist, hat Susanne Melzer aus Wittingen an ihrem Obst- und Gemüsestand ein höheres Interesse an der Erdknolle registriert. Und am vergleichsweise kleinen, spezialisierten Stand von Sybille Schulte-Mausbeck aus Wessenstedt stehen die Kunden nach Kartoffeln Schlange. „Die Kunden kaufen mehr auf Vorrat. Und ja, wir freuen uns über den Umsatz“, sagt sie.

Jörn König vom Obsthof aus Jork bringt es auf den Punkt: „Keine Panik hier“, sagt er. „Wir sind hier an der frischen Luft und nicht in einem klimatisierten Supermarkt“, sagt er an seinem Obststand. Aber, gibt er zu Bedenken: „Wenn die Wochenmärkte abgesagt werden, geht es an unsere Existenz. Die Personalkosten laufen ja ständig weiter.“

„Man weiß noch nicht, was auf uns zukommt“: Heidi Kähbein (rechts) mit Ursula und Heinrich Rüger.

Dass es noch nicht existenziell geworden ist, lässt der Vital-Markt allenthalben spüren. Von normalen bis leicht gesunkenen Umsätzen ist die Rede. „Da sind wir glücklich heute“, sagt Melitta Kudritzki von der Fleischerei aus Wrestedt über die rege Nachfrage. Denn: „Dass die Samtgemeinde Aue Festivitäten absagt, trifft unseren Partyservice.“

„Wir kaufen lieber auf dem Vital-Markt, als beim Discounter“, betont Ursula Rüger, die mit ihrem Mann Heinrich eingekauft hat. Und Heidi Kähbein wünscht sich, dass man den Wochenmarkt beibehalten solle. „Natürlich weiß man noch nicht, was auf uns zukommt. Aber zum Glück leben wir in einer ländlichen Region.“

„Ich habe keine Angst, obwohl ich Asthmatikerin bin“, sagt Elke Klinkicht, die Äpfel und ein Huhn gekauft hat. Sie hat sich am Sonnabend aber mit dem Auto anstelle einer Busfahrt zum Markt bringen lassen.

Aber ob die Lieferketten halten werden, ist für manch Marktbeschicker noch nicht ausgemachte Sache. Volker Görtz aus Zernien verweist da etwa auf den Hamburger Großmarkt. Und Christine Lindhorst aus Hemslingen ist sich an ihrem Käsestand noch nicht sicher, wie lange sie noch ihre Sorten aus Italien oder Frankreich bekommt. Die Corona-Krise sei bei den Kunden schon ein Gesprächsthema. Und so wechselt das Geld nicht direkt die Hände. „Wir haben hier eine kleine Holzdose, die wir wegwerfen können, oder einen Plastikteller, den wir regelmäßig desinfizieren“, sagt Lindhorst.

Für die Besucher, die auf „ihrem“ Markt nicht nur einkaufen, sondern auch miteinander reden, ist das Coronavirus ein Gesprächsthema. „Wenn der Sport ausfällt und kulturelle Veranstaltungen abgesagt werden, kann man sich etwas anderes vor- nehmen: den Hausputz zum Beispiel“, sagt Dorothee Marwede. „Deutschland räumt auf“, könnte doch ein Motto sein.

VON CHRISTIAN HOLZGREVE

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