Uelzener versteigert im Internet Schuldansprüche an insolventen Taxiunternehmer

Inkassobüro „sehr willkommen“

Ein heute 58-jähriger Uelzener wurde nach Überzeugung des hiesigen Amtsgerichtes von einem Taxiunternehmer zusammengeschlagen. Weil der Unternehmer mittlerweile Insolvenz anmeldete, versucht der Geschädigte über das Internet an sein Schmerzensgeld zu kommen.

Uelzen. Ein 58-jähriger Uelzener will nicht länger auf ein ihm vom Gericht zugesprochenes Schmerzensgeld warten und geht einen ungewöhnlichen Weg: Er versteigert den Anspruch gegenüber einem Uelzener Taxiunternehmer, der Insolvenz angemeldet hat, auf der Internet-Auktionsplattform „ebay“.

Der Schuldtitel kann als Sofortkauf bei Barzahlung oder per Überweisung von 3000 Euro erworben werden, heißt es auf der Seite des Internet-Auktionshauses. Möglich sei aber auch die Abgabe von Geboten, die allerdings über einem Betrag von 2500 Euro liegen müssten.

Sofortkauf oder Preisvorschlag: Der Schuldtitel gegen einen Taxiunternehmer steht bei „ebay“ zum Verkauf. Foto: dpa/Repro: AZ

Er sehe keine andere Möglichkeit als die Versteigerung, um an sein Geld zu kommen, sagt der 58-Jährige auf AZ-Anfrage. Sein Rechtsanwalt habe ihm mitgeteilt, dass die 3000 Euro frühestens in sechs Jahren von dem Verurteilten zu pfänden seien, wenn dieser sich nicht mehr im Insolvenzverfahren befinde. „Aber was ist in sechs Jahren? Lebe ich da überhaupt noch?“, macht der Mann seinem Ärger Luft. Er könne nicht verstehen, dass er als Geschädigter leer ausgehe und der Verurteilte durch ein Insolvenzverfahren womöglich ungeschoren davon komme. „Ich bin doch das Opfer.“

Der Vorfall, der zu der Verurteilung des Taxi-Unternehmers geführt und über den die AZ bereits mehrfach berichtet hatte, ereignete sich im März 2012. Der Taxiunternehmer hatte damals nach Überzeugung des Amtsgerichts Uelzen den heute 58-Jährigen mehrmals gegen Brust und Kopf geschlagen und gegen das Knie getreten. Vorausgegangen waren Streitigkeiten im Straßenverkehr.

Der Geschädigte klagte daraufhin über starke Beschwerden und darüber, dass er im Haushalt nicht mehr in der üblichen Form arbeiten könne. In einem ersten strafrechtlichen Prozess war der Taxi-Unternehmer zu einer Geldstrafe verurteilt worden. Im anschließenden Zivilverfahren wurde entschieden, dass er dem 58-Jährigen 3000 Euro Schmerzensgeld und 459 Euro wegen des Haushaltsausfalls zahlen muss.

Beträge, die der Geschädigte nach seiner Aussage bis dato nicht bekommen habe und deshalb nun den Weg über das Internet gehe. Nach Ansicht des 58-Jährigen lohnt sich der Erwerb des Schuldtitels, weil vom Verurteilten mehr als die 3000 Euro zu zahlen seien, wie er der AZ sagt. In den Erläuterungen zu der Internet-Auktion rechnet der Uelzener vor, dass zu dem Schmerzensgeld noch der Betrag für den Haushaltsausfall sowie Kostenersatzgebühren und auch Zinsen kommen würden. Summa Summarum: 3750 Euro.

Finde er keinen Käufer, werde er die Ansprüche anderweitig veräußern, kündigt der 58-Jährige an. Aber schon 300 Mal sei das Angebot aufgerufen worden und es gebe elf Interessierte, die die Versteigerung verfolgen würden, gibt er sich optimistisch. Keinen Hehl macht der Uelzener außerdem daraus, wen er als Käufer am liebsten hätte. Auf „ebay“ schreibt er in den Erläuterungen zum Verkauf: „Osteuropäische Inkassounternehmen sehr willkommen.“

Von Norman Reuter

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