Stadt schließt Umplanung nicht aus / Das sagt die Politik

Uelzener Theater: Auf dem Holzweg bei der Fassadengestaltung?

Der Aufbau des Gerüsts am Theater läuft weiter. Nun wird der Bühnenturm auf der zur B 71 gelegenen Seite eingerüstet.
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Der Aufbau des Gerüsts am Theater läuft weiter. Nun wird der Bühnenturm auf der zur B 71 gelegenen Seite eingerüstet.
  • Norman Reuter
    VonNorman Reuter
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Was werden die Arbeiten an der Fassade des Theaters an der Ilmenau kosten? Bei einer ersten Ausschreibung lagen die Preise deutlich über den erwarteten Kosten. Eine Umplanung wird nicht ausgeschossen.

Uelzen – Der Aufbau der Gerüste am Theater an der Ilmenau läuft in diesen Tagen weiter, auch wenn es – wie berichtet – eine neue Ausschreibung für die Arbeiten zur Umgestaltung der Fassade geben wird. Im ersten Anlauf waren Preise aufgerufen worden, die teils bis zu 60 Prozent über den erwarteten Kosten lagen. Das sei nicht wirtschaftlich, so das Urteil der Verwaltung. Eine zweite Ausschreibung wird für den Herbst angestrebt. Aber ist das die Lösung?

Statt Metallkacheln an den Außenwänden des Saals, Klinker-Flächen und großen weißen Platten am Bühnenturm soll nach der Umgestaltung Lärchenholz und Glas dominieren. Integriert werden soll eine Photovoltaik-Anlage. Darauf hatte sich die Politik im vorigen Winter verständigt. In diesem Jahr ist es zu einem drastischen Preisanstieg bei Baurohstoffen gekommen, darunter auch bei Holz.

Die Ursache: die Pandemie. Nach weltweiten Lockdowns wird inzwischen wieder stärker gebaut. Die Folge: Rohstoffe sind knapp und in der Folge teurer. Die Deutsche Presseagentur meldet Ende vergangener Woche: Sorgen bereiteten weiterhin die Lieferengpässe. Laut des Statistische Bundesamts seien die Verkaufspreise im Juli im deutschen Großhandel um 11,3 Prozent im Vergleich zum Vorjahresmonat gestiegen – so stark wie seit der Ölkrise 1973 nicht mehr. Erze, Metall, Holz und Mineralölerzeugnisse seien die stärksten Preistreiber gewesen.

Muss nicht angesichts solcher Entwicklungen bei der Fassade ganz neu gedacht werden, damit nicht am Ende doch weit tiefer ins Stadtsäckel gegriffen werden muss? Karl-Heinz Günther (CDU) begrüßt zunächst einmal, dass es wohl ein Umdenken in der Verwaltung gegeben hat. „Man hat aus alten Fehlern gelernt“, sagt der Christdemokrat. Er erinnert an die Sanierung des Alten Rathauses, die letztlich doppelt so teuer ausfiel, als zunächst angenommen. Jetzt würden Ausschreibungen aufgehoben und ein neuer Anlauf genommen. Offen für Gespräche zur Fassadengestaltung werde man sein, wenn sich keine Änderung abzeichne.

Mit Lärchenholz an den Seiten und Glas am Bühnenturm – der Planungsentwurf aus dem vergangenen Winter.

Klaus Knust, Vorsitzender der SPD-Fraktion im Rat, erklärt, es sei Aufgabe der Politik, zu entscheiden, ob man Möglichkeiten und Alternativen bei der Fassadengestaltung in Betracht ziehe oder aber das Budget erhöhe, sollte eine weitere Ausschreibung wieder nicht das gewünschte Ergebnis bringen. Knust verweist aber darauf, dass der Einsatz von Holz, wie jetzt geplant, aus Klimaschutzaspekten sinnvoll sei. Es handele sich nicht nur um einen nachwachsenden Rohstoff, Wälder binden laut Knust auch CO2.

Es ist der Aspekt, auf den auch Karl-Heinz Schmäschke von der Ratsgruppe aus Grünen, FDP, Linke und Piraten zu sprechen kommt. „Holz zu verwenden, das hat einen ökologischen Gesichtspunkt“, so Schmäschke. Dass es teurer werden würde, damit hatte er aber gerechnet, denn im Bau komme es Jahr für Jahr zu Steigerungen.

Ralf Munstermann von der UWG blickt nach eigenem Bekunden mit „Spannung auf eine zweite Ausschreibung“. Auch wenn diese ein besseres Ergebnis bringe, dann werde man am Ende doch finanzielle Mehrbelastungen für die Stadt haben. Ein Raumteiler für den Saal oder auch eine Sanierung des Parkplatzes seien überhaupt noch nicht eingepreist. „Das scheint mir wieder ein Millionengrab zu werden.“

Für die Fraktion „WIR für Uelzen“ erklärt Susanne Niebuhr, man sei von vornherein dagegen gewesen, Geld für die Fassade „zu verschwenden, nur um 70er-Jahre-Charme durch aktuellen Zeitgeschmack abzulösen“. Was aber dringend zu erneuern sei, dies müsse auch erledigt werden. „Photovoltaik als mittel- und langfristige Option unter Beobachtung der Marktlage begrüßen wir“, erklärt Niebuhr.

Die Hansestadt Uelzen will nun zunächst die Materialpreise beobachten. Die Verwaltung schließt aber auch eine Umplanung nicht aus, wie es auf Nachfrage heißt. „Wenn sich keine deutlichen Preissenkungen abzeichnen, wird eine Änderung des Fassadenmaterials in Erwägung gezogen“, sagt Stadtsprecherin Sandy Naake. Das müsse aber dann mit der Politik besprochen werden.

Das Gerüst bleibt jedenfalls nach Auskunft der Stadt bis zur Fertigstellung stehen. Ursprünglich geplant war eine Standzeit bis März 2022. „Danach entstehen Kosten von voraussichtlich 900 Euro pro Woche“, so Sandy Naake.

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