Auch die Kochgruppe pausiert bis April

Uelzener Tafel stellt Ausgabe ein

Eine Tafel-Mitarbeiterin gibt Lebensmittel aus: Wegen der Corona-Gefahr hat die Uelzener Tafel jetzt ihre Arbeit ausgesetzt.
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Eine Tafel-Mitarbeiterin gibt Lebensmittel aus: Wegen der Corona-Gefahr hat die Uelzener Tafel jetzt ihre Arbeit ausgesetzt.

Uelzen – Die Corona-Krise trifft auch die Tafeln in Deutschland hart. Die Institutionen kochen für Bedürftige und verteilen Lebensmittel, die von den Supermärkten gespendet werden, an notleidende Menschen.

Damit ist jetzt in Uelzen zunächst Schluss: „Wir haben gerade als Vorstand der Uelzer Tafel entschieden, dass wir bis voraussichtlich 18. April eine Pause machen“, erklärt Gerard Minnaard, der sich in der Hansestadt verantwortlich zeichnet.

Denn es gibt gleich mehrere Probleme und Risiken: Zunächst einmal tragen auch die Tafeln besondere Verantwortung, da sie mit Lebensmitteln umgehen. Hinzu kommt, dass die meisten Menschen, die sich dort ehrenamtlich egangieren, älter sind und damit zur besonders durch Corona gefährdeten Gruppe gehören. Außerdem erfolgt die Ausgabe der Lebensmittel teils in engen Räumen – in diesen Zeiten ebenfalls ein nicht unerhebliches Risiko.

„Unsere Kochgruppe hatte ja bereits entschieden, voraussichtlich bis zum 14. April eine Pause zu machen“, erklärt Minnaard. Jetzt gilt der Stopp auch für die Lebensmittelausgabe am Bohldamm und in St. Petri in Uelzen sowie in Bad Bevensen.

Ein Problem, vor dem derzeit auch der Dachverband steht: „In den Tafeln kommen viele Menschen in teils engen Räumen zusammen. Besonders herausfordernd ist es für die Tafeln, dass rund 90 Prozent der 60 000 Ehrenamtlichen zu den lebensälteren Menschen und damit zur schützenswerten Gruppe gehören“, sagt Jochen Brühl, Vorsitzender der Tafel Deutschland.

Die Uelzener sind nicht allein mit ihrer Entscheidung: Etwa 30 Tafeln haben bereits ihre Lebensmittelausgabe vorübergehend eingestellt.

„Unsere 949 Mitgliedstafeln stehen vor der schweren Herausforderung, wie sie Ehrenamtliche sowie Kundinnen und Kunden vor einer Ansteckung mit dem Virus schützen und zugleich die 1,6 Millionen Tafel-Nutzerinnen und -Nutzer weiter unterstützen können. Denn Tafeln sind keine Vergnügungsangebote wie Fußballspiele. Die Menschen, die zu uns kommen, brauchen die Unterstützung. Doch genau die kann jetzt auch zur Gefahr für die Gesundheit werden“, führt Brühl aus.

Ein weiteres Problem für die Tafeln stellen die anhaltenden Hamsterkäufe da: Dadurch, dass sich die Regale in den Geschäften immer weiter leeren, bleiben weniger Lebensmittel übrig, die für den guten Zweck gespendet werden können. Doch der Schuh drückt noch woanders: „Für die Tafeln bedeuten Schließungen auch wirtschaftliche Probleme, denn sie finanzieren sich neben Spenden über symbolische Beträge, die Nutzerinnen und Nutzer für die Lebensmittel zahlen. Aber auch wenn die Tafeln geschlossen haben, laufen Kosten wie Miete für Ausgabestellen und Lager, Versicherung für die Fahrzeuge und mehr weiter“, so Brühl.

Der Vorsitzende weist auf einen weiteren Aspekt der Tafeln hin: „Die ehrenamtlichen Mitarbeiter säubern, sortieren und verteilen nicht nur die Lebensmittel, sondern wenden sich persönlich unseren Kunden zu. Diese sind oftmals einsam und ausgegrenzt.“

VON MICHAEL MICHALZIK

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