„Sie hätte uns ins Gesicht sehen müssen“

Uelzener Sparclub-Fall: Strafbefehl in Abwesenheit

In einen solchen Sparkasten – hier ein Symbolfoto aus einer anderen Kneipe – hatten die Mitglieder eines Uelzener Sparclubs regelmäßig eingezahlt. 
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In einen solchen Sparkasten – hier ein Symbolfoto aus einer anderen Kneipe – hatten die Mitglieder eines Uelzener Sparclubs regelmäßig eingezahlt. 

Uelzen – Worte der Verbitterung werden auf den Stufen vor dem Amtsgericht in Uelzen von einer Geschädigten gesprochen: „Sie hätte uns ins Gesicht sehen müssen.“

Die Geschädigte und 18 weitere, mutmaßlich um insgesamt 18.000 Euro bestohlene Mitglieder des Uelzener Sparclubs (AZ berichtete) hadern mit dem Nichterscheinen der Angeklagten zum angesetzten Gerichtstermin in dieser Woche.

Aus dem Gericht:

In Abwesenheit wird für die ehemalige Wirtin nun ein Strafbefehl mit einer Freiheitsstrafe von sechs Monaten auf Bewährung ergehen.

Die beschuldigte Frau hatte zunächst behauptet, das Geld ihrer Gäste in einem Safe aufbewahrt zu haben, der ihr dann bei einem Einbruch gestohlen worden sei. Dabei hätte das Angesparte sicher auf einem Sparbuch liegen sollen. Ein bereits für Mai angesetzter Verhandlungstermin wurde durch die damalige Richterin abgebrochen, da die Angeklagte ohne Rechtsbeistand erschienen war und widersprüchliche Angaben gemacht hatte.

Der neue Termin zur Verhandlung war dann in dieser Woche im Saal 1 des Amtsgerichts angesetzt. Erwartungsvoll saß ein Großteil der Sparclub-Mitglieder auf den Plätzen für die Zuhörer – ihnen gegenüber Richter, Staatsanwalt sowie die Rechtsanwältin der Angeklagten, von der allerdings jede Spur fehlte. Auch die Anwältin konnte nicht sagen, wo die Angeklagte ist bzw. warum sie nicht zum Termin erschien.

Der Richter erweist sich 15 Minuten nach Verhandlungsbeginn noch als sehr geduldig und räumt fünf weitere Minuten des Wartens ein. Doch auch diese letzte Frist lässt die mutmaßliche Diebin verstreichen. Die Ungeduld und Fassungslosigkeit unter den Geschädigten brechen sich durch lautes Gemurmel Bahn, sodass der Vorsitzende Ruhe einfordert.

Der Staatsanwalt beantragt daraufhin einen Strafbefehl: „Die Staatsanwaltschaft fordert sechs Monate Freiheitsstrafe, zur Bewährung ausgesetzt. Die Bewährungszeit soll auf drei Jahre festgesetzt werden.“ Neben den üblichen Meldeauflagen soll die Angeklagte außerdem Wiedergutmachung an die 19 Geschädigten leisten. Hierzu habe die ehemalige Gaststättenbetreiberin jeweils bis zum 15. eines Monats 200 Euro an die Staatsanwaltschaft zu zahlen, die die Bestohlenen dann auszahlt. Der insgesamt zu leistende Betrag wird vom Richter auf exakt 18.500 Euro bestimmt.

Nach Ende der kurzen Verhandlung versammeln sich die Anwesenden draußen vor dem Gerichtsgebäude zum Gruppenfoto. „Vielleicht können wir in ein paar Jahren darüber lachen“, sagt ein Mann und drückt den Auslöser.

acu

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