Teurer Trick

Uelzener Seniorin musste 1500 Euro für Reinigung zweier Teppiche zahlen

Wolfgang Ebeling zeigt den Teppich im Haus seiner Mutter. Für Ausbesserung der Fransen und die Reinigung des Teppichs sowie eines Sessels wurde eine Rechnung von 1500 Euro fällig.
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Wolfgang Ebeling zeigt den Teppich im Haus seiner Mutter. Für Ausbesserung der Fransen und die Reinigung des Teppichs sowie eines Sessels wurde eine Rechnung von 1500 Euro fällig.

Uelzen – 1500 Euro für die Reinigung eines Sessels und eines Teppichs: Wolfgang Ebeling musste tief Luft holen, als er die Rechnung sah, die seine 86 Jahre alte Mutter an eine Uelzener Firma bezahlt hatte: „Das ist völlig überhöht, ein Unding.“

Wolfgang Ebeling weist im Haus seiner Mutter auf den Sessel: Die Flecken sind keineswegs alle beseitigt. Und an den Knöpfen hat sich nach der Reinigung Rost gebildet: „Unprofessionell.“

Immerhin hat die Firma – wie auf der rudimentären Rechnung aufgeführt – die Teppichfransen ausgebessert. Warum allerdings per Hand das Feld „Mehrwertsteuer“ gestrichen wurde, bleibt vorerst ungeklärt. Jedenfalls: „Dafür, dass im Flyer von Preisen ab 8,90 Euro je Quadratmeter die Rede war, sind 1500 Euro für einen Sessel und sechs Quadratmeter Teppich viel zu viel. Und von den versprochenen 30 Prozent Rabatt kann wohl auch keine Rede sein.“

Die AZ hat mit dem in Uelzen ansässigen Unternehmen gesprochen und bekam knapp zur Antwort: „Der Kunde kann ja gern ein Gegengutachten erstellen lassen. Wir haben Hunderte von Kunden.“ Genau diesen Weg will Wolfgang Ebeling jetzt gehen, der bedauert, mit den vollendeten Tatsachen konfrontiert worden zu sein: „Meiner Mutter war das alles sehr unangenehm, sie wollte einfach nichts mehr mit der Firma zu tun haben und hat gezahlt, damit die Sache ein Ende hat.“

Denn als Sessel und Teppich nach zwei Wochen wieder ins Haus gebracht wurden, hätten die Mitarbeiter des Unternehmens gern noch mehr Teppiche wieder mitgenommen: „Die Leute schauten unter den großen Teppich im Wohnzimmer und meinten, da seien ganz viele Mottenlöcher drin, da müsse was gemacht werden.“ Darauf ließ sich die Seniorin aber nicht mehr ein. In den Tagen vor der Rückgabe ihrer Möbel hatte sie sich mehrfach auf den Weg zur Bank gemacht, um die 1500 Euro parat zu haben: „Man hat ihr gesagt, dass eine Kartenzahlung nicht in Frage kommt, weil das Unternehmen aus dem Ausland tätig ist. Es sei nur Barzahlung möglich.“

Als die 86-Jährige dann nur 1490 Euro parat hatte, wurde ihr deutlich gemacht: Die zehn fehlenden Euro müssen auch noch gezahlt werden. Ebeling: „Meine Mutter hat den Schein dann per Brief an diese Firma geschickt, damit sie endlich ihre Ruhe hat.“

VON MICHAEL MICHALZIK

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