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Uelzener Schüler beim Einsatz gegen den Unrat: „Jeder Müll ist doof“

Ganze Müllsäcke finden Luise Greve und Johannes Flügge hinter einer Böschung am Rahlande. „Dass so was im Wald landet, passiert nicht zufällig“, sagt Greve.
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Ganze Müllsäcke finden Luise Greve und Johannes Flügge hinter einer Böschung am Rahlande. „Dass so was im Wald landet, passiert nicht zufällig“, sagt Greve.

Uelzen – „Bäh, da kommt noch was raus. “ Die Schülerin Luise Greve dreht die gefundene Flasche um. Heraus kommt eine dunkle Brühe. Modriger Geruch macht sich breit. „Da muss man durch“, sagt Greve lachend und hat schon das nächste Fundstück in der Hand.

Neun Vertreter der Fridays for Future waren gestern am Rahlande in Uelzen unterwegs, um mit hölzernen Grillzangen bewaffnet dem Müll zu Leibe zu rücken.

Es ist der dritte Tag in Folge. Damit sind die Schüler eine von 14 Gruppen, die sich für die Müllsammel-Aktion der Hansestadt Uelzen angemeldet haben. Diese findet als Ersatz des wegen Corona ausgefallenen Frühjahrsputzes statt.

„Klimaschutz ist nicht möglich ohne intakte Ökosysteme“, erklärt Luise Greve. Für sie ist es wichtig, sich zu engagieren, denn auch kleine Schritte könnten einen Unterschied machen: „Global denken, lokal handeln.“ Die Schülerin Hanna Villamar fasst das Problem nüchterner zusammen: „Jeder Müll ist doof.“

Und so verteilen sich die Jugendlichen weitläufig am Rahlande, um möglichst jeden Schnipsel Papier aufzuheben. Schnell werden sie fündig: Hinter einer Böschung am Parkplatz hat sich eine ganze Müllhalde angesammelt. Unzählige Flaschen, Prospekte, Pizzakartons oder sonstige Verpackungen landen in den großen Müllsäcken. „Ich bin immer resigniert, wenn ich so etwas sehe“, sagt Luise Greve.

Weniger „Erfolg“ haben Jette Siegemund und Mari Steier am angrenzenden Rupertusweg. Hauptsächlich Zigarettenstummel, aber auch eine Radkappe wurden gefunden, zieht Siegemund eine erste Bilanz. Unterdessen müht sie sich mit einem kleinen Stück Papier ab, das auf dem Gehweg festgetreten wurde. „Kleinvieh macht auch Mist. Das gehört da einfach nicht hin“, sagt die Schülerin verstimmt.

Mit vollem Körpereinsatz kriechen die anderen Jugendlichen währenddessen unter den Büschen herum, sodass in Windeseile eine beachtliche Zahl an Säcken gefüllt ist. Luise Greve deutet auf die prall gefüllten Tüten. „Wir sind jetzt bei 14 Säcken in einer halben Stunde“, stellt sie ernüchtert fest.

Dabei fordert die Sammel-Aktion auch allerlei Kuriositäten zutage. Ein silberner Kochtopf nebst festgetrocknetem Löffel, der Haarreif einer Barbie-Puppe oder ironischerweise ein Müllkalender gehören zur Beute der Jugendlichen. Für Jette Siegemund unverständlich. Für sie ist es wichtig, sorgsam mit der Umwelt umzugehen: „Schließlich lebe ich auch hier.“ VON DANIEL BIELING

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