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Uelzener Schandfleck soll bald verschwinden

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Von: Lars Becker

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Die gesamte städtische Liegenschaft Bohldamm 63 und 65 soll abgerissen und neu überplant werden. Die Bausubstanz ist derart schlecht, dass eine Sanierung für keines der drei Gebäude in Betracht kommt.	fotos: becker
Die gesamte städtische Liegenschaft Bohldamm 63 und 65 soll abgerissen und neu überplant werden. Die Bausubstanz ist derart schlecht, dass eine Sanierung für keines der drei Gebäude in Betracht kommt. © Lars Becker

An der städtischen Liegenschaft Bohldamm 63 bis 65 sollen bald die Bagger anrollen. Die drei Gebäude, in denen unter anderem seit mehr als 20 Jahren die Uelzener Tafel zuhause ist, werden abgerissen und das Gelände neu überplant.

Uelzen – Die Hansestadt Uelzen beseitigt den baulichen Schandfleck am Bohldamm mit den Hausnummern 63 bis 65. Das Areal mit drei Gebäuden befindet sich zwischen der Liegenschaft des Technischen Hilfswerks (Bohldamm 67) und dem künftigen Fitnessstudio „clever fit“ (Bohldamm 61 a/b). Mehrere Gewerke arbeiten aktuell in der mehr als 1500 Quadratmeter großen Immobilie. Für den 10. März ist die Eröffnung geplant, zuletzt war in der einstigen Aldi-Filiale (bis Sommer 2016) der Einrichter Bura-Möbel als Mieter zuhause.

Im Bohldamm 65 direkt an der Straße ist seit mehr als 20 Jahren die Uelzer Tafel auf einer Fläche von 180 Quadratmetern zuhause. Dahinter erstrecken sich in Längsrichtung parallel im Abstand von 14 Metern zwei identische eingeschossige Gebäude – jeweils fast 35 Meter lang und rund zehn Meter breit. In Hausnummer 63 befindet sich eine Obdachlosenunterkunft für die vorübergehende Unterbringung von ausländischen Personen, die keine Leistungen als Asylbewerber beziehen und die obdachlos oder von Obdachlosigkeit bedroht sind. Hier sind momentan nur einige wenige Zimmer belegt.

In Hausnummer 65 können außerdem durchreisende Nichtsesshafte, die nur wenige Tage in Uelzen bleiben, einen Schlafplatz finden.

In der jüngsten Sitzung des Ausschusses für Feuerwehr und Ordnungswesen wurde im Rahmen der Haushaltsplanberatungen mitgeteilt, dass für die Abbrucharbeiten 75 000 Euro bereitgestellt werden. „Die gesamte Liegenschaft befindet sich in einem baulich schlechten Zustand. Ein Abbruch und Neubau ist aus baulicher Sicht die wirtschaftliche Lösung“, sagte Stadtsprecherin Ute Krüger auf AZ-Anfrage. Tatsächlich ist der äußere Eindruck der Gebäude verheerend – eine Sanierung kommt deshalb nicht in Betracht.

Die gesamte städtische Liegenschaft Bohldamm 63 und 65 soll abgerissen und neu überplant werden. Die Bausubstanz ist derart schlecht, dass eine Sanierung für keines der drei Gebäude in Betracht kommt.
Auch das Gebäude, in dem bisher die Tafel untergebracht war, soll weichen. © Lars Becker

Krüger ergänzte: „Die Maßnahmen werden über den städtischen Eigenbetrieb Gebäudewirtschaft und das Gebäudemanagement abgewickelt. Ein Neubau ist vorgesehen. Wie genau sich die künftige Bebauung darstellen wird, steht noch nicht fest.“ Zunächst einmal seien diesbezüglich Planungskosten für einen Neubau in Höhe von 50 000 Euro vorgesehen.

Die städtischen Pläne haben vor allem Konsequenzen für die Uelzer Tafel. Seit einigen Monaten weiß der Verein, der am Bohldamm mittwochs für Familien und sonnabends für Alleinstehende jeweils von 13 bis 15 Uhr Lebensmittel ausgibt, dass er sein Domizil verlieren wird. Aber wo kommt die Tafel dann unter und kann ihrem Gründer Gerard Minnaard – wie berichtet – mit dem „Gerard-Minnard-Haus“ ein Denkmal setzen? Der neue Vorsitzende Kurt Wiedenhoff steht diesbezüglich im engen Austausch mit der Stadtverwaltung. „Die Gespräche laufen. Ich habe auch schon mit Bürgermeister Jürgen Markwardt zusammengesessen. Unsere Arbeit wird von der Stadt sehr geschätzt, gemeinsam arbeiten wir jetzt daran, eine Lösung zu finden. In jedem Fall muss sichergestellt sein, dass die Tafel immer arbeiten kann – der Bedarf wird sicher künftig immer größer. Als Lebensmittel-Region können wir es uns nicht leisten, Lebensmittel wegzuwerfen“, so Wiedenhoff. „Die Uelzener Tafel ist sicher im weiten Umkreis vom Gebäude her die hässlichste, jetzt haben wir die Chance, hier zu optimieren. Uns wäre es sicher lieber, wenn wir auf ein Grundstück in der Nähe etwas Neues setzen könnten. Von den Lagerkapazitäten platzen wir jetzt aus allen Knopflöchern, wir ermitteln gerade unseren Bedarf“, so Wiedenhoff, der überzeugt ist, dass man mit der Stadt eine gute Lösung finden wird. Wann genau am Bohldamm 63 bis 65 die Arbeiten beginnen, ist unklar.

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