Sorgen im Gepäck

Uelzener Reisebüros machen bei Protesten auf ihre Lage aufmerksam

Die bundesweiten Protestaktionen stehen unter Überschrift „Rettet die Reisebüros“. Silke Berger (v.li.), Sylvia Timm und Katja Reindl vom Reisebüro „Reiseteam“ wollen in Lüneburg die Stimme für ihre Branche erheben.
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Die bundesweiten Protestaktionen stehen unter Überschrift „Rettet die Reisebüros“. Silke Berger (v.li.), Sylvia Timm und Katja Reindl vom Reisebüro „Reiseteam“ wollen in Lüneburg die Stimme für ihre Branche erheben.

Uelzen/Lüneburg – Die Koffer stehen bereit. Die „Reise“, die Silke Berger mit dem Gepäck antritt, führt sie ins benachbarte Lüneburg. Am Mittag ist dort eine Protestaktion vor dem IHK-Haus geplant.

Inhaber von Reisebüros wollen in der Salzstadt, aber auch in vielen weiteren Städten bundesweit auf ihre Lage aufmerksam machen.

„Wir arbeiten gerade für null Euro“, sagt Silke Berger, die in Uelzen zusammen mit Katja Reindl und Sylvia Timm das Reisebüro „Reiseteam“ betreibt.

Die Branche und ihre Sorgen angesichts der Corona-Pandemie sollen Gehör finden. Dafür braucht es den Protest an öffentlichen Plätzen, ist Silja Eichmann- Bartels überzeugt, die das Uelzener First-Reisebüro führt. Zurzeit befinde sich die Branche leider noch unter dem Radar.

Das Dilemma für die Touristiker: Sie leben von den Provisionen der Reiseveranstalter. Und wie Silke Berger schildert, zahlen diese erst nach Abreise. Doch dazu kommt es wegen der Pandemie erst gar nicht. Die Arbeit in den Reisebüros bleibt.

Verunsicherte Kunden suchen das Gespräch mit den Mitarbeitern, Reisen sind zu stornieren, die Kostenerstattung zu regeln. So ist das Reisebüro von Silke Berger und ihren Kolleginnen täglich besetzt. Mit den Soforthilfen des Bundes konnten die Mieten gestemmt werden, aber ein monatliches Gehalt für sie und ihre Kolleginnen? Fehlanzeige.

Silja Eichmann-Bartels bringt es in einem Satz auf den Punkt: „Nachdem wir die Buchungen vorgenommen haben, arbeiten wir bei den Stornierungen das zweite Mal für nichts.“

Mit Lockerungen nimmt das innerdeutsche Tourismusgeschäft langsam wieder Fahrt auf. Wie Silja Eichmann-Bartels sagt, profitiere die Reisebüro-Branche davon kaum. „Der innerdeutsche Tourismus ist traditionell ein Direktgeschäft.“ Heißt: Urlauber buchen zumeist direkt ihre Hotels, wobei Reisebüros durchaus auch innerdeutsche Buchungen vornehmen können.

Wegen der Lage hat Silja Eichmann-Bartels in der vergangenen Woche das Gespräch mit Ministerpräsident Stephan Weil gesucht – sie nutzte eine angebotene Telefon-Fragestunde. Der Landesvater habe ihr gegenüber erklärt, dass man die Situation auf dem Schirm habe. „Man hört das von allerorten. Jetzt muss auch etwas geschehen“, so Eichmann-Bartels.

Beihilfen für Reisebüros wären eine Option. Ein Rettungsfonds wird vorgeschlagen. Bundesweit sollen morgen an 40 Orten Proteste stattfinden. Es sei der richtige Weg, in die Öffentlichkeit zu gehen, findet Silke Berger, damit Bewegung in die Angelegenheit komme. „Wir wissen ja nicht, wie lange wir noch vor der Situation stehen“, sagt sie.

Bis mindestens 14. Juni gilt eine weltweite Reisewarnung. Eichmann-Bartels sagt: „Wir waren die ersten, die die Krise gespürt haben, und wir werden die letzten sein, die aus der Krise rauskommen werden.“

VON NORMAN REUTER

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