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Uelzener Polizistin auf Streife in Frankreich: Facebook-Posting geht viral

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Von: Lars Becker

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Polizeikommissarin Julia Fromhagen bewarb sich für den Austausch nach Frankreich – und wurde nicht zuletzt wegen ihrer guten Sprachkenntnisse genommen.
Polizeikommissarin Julia Fromhagen bewarb sich für den Austausch nach Frankreich – und wurde nicht zuletzt wegen ihrer guten Sprachkenntnisse genommen. © Lars Becker

Hinter Julia Fromhagen liegt ein spannender August: Die 27-jährige Polizeikommissarin aus dem Landkreis arbeitete im Rahmen eines Austausches im südfranzösischen Agde. Ein Facebook-Posting dazu ging durch die Decke.

Uelzen/Landkreis – Vor der Dienststelle der Polizei im südfranzösischen Agde hält irgendwann im August ein Wohnmobil mit deutschem Kennzeichen. Der Fahrer stammt aus Wellendorf, das Fahrzeug ist deshalb im Landkreis Uelzen zugelassen.

Er will einen Einbruch-Diebstahl in das Wohnmobil anzeigen – und trifft zu seiner Überraschung ausgerechnet auf eine Polizeikommissarin aus der Heimat: Julia Fromhagen, Polizeibeamtin aus dem Raum Suderburg, weilt für einen einmonatigen Austausch bei der Police Nationale in Agde. „Total verrückt, er und ich waren baff“, erinnert sich Julia Fromhagen jetzt im AZ-Gespräch an die Begegnung knapp 1500 Kilometer entfernt an der Mittelmeerküste.

„Ich wollte diese Chance nutzen!“

Die 27-Jährige verbrachte den gesamten August im Rahmen eines Polizei-Austauschprogramms („Europäische Kommissariate“) in Agde. „Die Ausschreibung kam per E-Mail. Ich wollte diese Chance nutzen, um Erfahrung zu sammeln. Personell war das möglich, deshalb freue ich mich, dass ich diese Möglichkeit wahrnehmen konnte“, erzählt Fromhagen.

Ausgewählt wurde sie vor allem auch deshalb, weil sie die französische Sprache prima beherrscht. Sie hatte „Franze“ bis zum Abitur als Leistungskurs, verbrachte im Rahmen des Jugendaustausches zwischen der Hansestadt Uelzen und Bois-Guillaume Zeit in der Region Rouen und sprach auch im Urlaub französisch.

„Hauptaufgabe war es, die Schutzpolizei vor Ort zu verstärken. Im Sommer ist es dort extrem voll. In Agde leben knapp 30.000 Einwohner, im Sommer sind es zwischen 200.000 und 300.000. 30 Prozent der Touristen kommen aus dem Ausland, viele aus Deutschland“, so Julia Fromhagen.

Fußstreife mit Kollegin Anna aus Madrid

Sie absolvierte gemeinsam mit ihrer spanischen Kollegin Anna aus Madrid alltägliche Einsätze – als Fußstreife am Strand und an den Hotspots für Touristen, aber auch im Verkehr. „Die Herausforderungen sind im Alltag größtenteils gleich“, meint sie. „Aber mit Schutzweste und Stiefeln war es bei 35 Grad und mehr schon sehr heiß“, lacht die 27-Jährige.

Ein Höhepunkt war für die Polizeikommissarin aus Uelzen der Besuch des neuen französischen Gesundheitsministers Francois Braun am 23. August im Krankenhaus von Agde. „Es war spannend, die gesamte Organisation hautnah vor Ort mitzuerleben“, schildert Julia Fromhagen, die nach ihren Acht-Stunden-Schichten die Zeit nutzte, um Sommer und Strand zu genießen oder auch Montpellier zu besuchen. Untergebracht war sie in einer Ferienwohnung, in der sie sich selbst verpflegte. Für Abwechslung sorgte auch ein Konzert von Sängerin Zaz und Rapper Jul kurz vor der Heimreise nach Uelzen.

Franzosen erbittet Dolmetscher-Hilfe am Handy

Fromhagens Chefin Delia Giering (Leiterin Einsatz und Streifendienst) erzählt beim AZ-Besuch, dass ein Kollege aus Uelzen schon häufiger im August zum Austausch in Frankreich war. „Die Franzosen haben im August irgendwie alle Urlaub“, lacht Giering, wobei Beamte aus dem Kreis auch schon auf Norderney bei der Inselpolizei ausgeholfen haben.

Julia Fromhagen würde die Chance sofort noch einmal ergreifen, zumal der Draht zu den Kollegen in Agde so gut ist, dass die sie schon zwei oder drei Mal auf ihrem Handy angerufen haben, wenn sie die Übersetzungshilfe der jungen Frau im Dialog mit Deutschen benötigten.

Über Kollegin Anna kam die 27-Jährige auf den Idee, der Pressestelle der Polizeiinspektion ein Posting für die sozialen Netzwerke vorzuschlagen. Das Foto mit der Spanierin und einer Französin samt Erklärtext ging – warum auch immer – durch die Decke. Über elf Millionen Personen bekamen den Beitrag in Summe auf Facebook und Instagram angezeigt, rund 90 500 „Gefällt mir“-Klicks und fast 5300 Kommentare – zu zwei Dritteln positiv – stehen zu Buche.

Posting wird zum unverhofften Internet-Erfolg

Auf „Julia aus Uelzen“ wurde ein Autor des Branchendienstes Meedia aufmerksam: „Ein Social-Media-Hit, der mich vor Rätsel stellt. So viele positive Reaktionen? Verrückt!“ Dazu sagt Polizeipressesprecher Kai Richter: „Wir sind nie auf Effekthascherei aus, nehmen das aber gerne mit und haben uns gefreut wie die Schneekönige. Das ist eine Wertschätzung der Arbeit der Polizei in der Region und für Julia.“

Abgehoben ist die wegen des unverhofften Internet-Erfolges nicht. „Ich bin hier im PK Uelzen zufrieden, wunschlos glücklich.“ Stunden nach dem AZ-Gespräch schiebt sie schon wieder Nachtdienst.

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