Von Woche zu Woche

Uelzener Politik im Tiefschlaf

Das Ukraine-Desaster der Stadtwerke, die drohende Marktcenter-Pleite – zwei große Themen in dieser Stadt, in denen es dieser Tage neue Entwicklungen gab und bei denen es um sehr viel geht.

Bei beiden um eine Menge Geld, beim Marktcenter dazu um einen wichtigen Baustein der planerischen Gestaltung Uelzens und damit sogar um die Frage, wie man eine Kreisstadt im ländlichen Raum für die Zukunft attraktiv gestalten kann.

Zu beiden Themen gibt es viele Fragen, aber nur wenige Antworten, und es lohnt einmal ein Blick auf die Rolle der Kommunalpolitik dabei. Denn die scheint wie gelähmt zu sein, wenn es um wichtige Zukunftsfragen der Stadt geht. Da ist mit den Stadtwerken ein kommunales Tochterunternehmen, das in Osteuropa Geschäfte tätigte, aller Warnungen von Experten zum Trotz. Jetzt droht ein millionenschwerer Totalverlust. Und die Kommunalpolitik, die ja auch mit im Aufsichtsrat sitzt, schweigt und sitzt es aus.

Da ist der Bau des Marktcenters, bei dem eigentlich für diese Woche die Bekanntgabe des zweiten Ankermieters in Aussicht gestellt worden war. Doch stattdessen, wen wundert es wirklich noch, geht die Hängepartie weiter. Der Investor HBB ist für die Öffentlichkeit abgetaucht und redet mit der Presse lieber gar nicht mehr. Stattdessen kann der Bürgermeister von der Politik unwidersprochen erklären, der Stadt Uelzen würde ja so oder so kein finanzieller Schaden entstehen.

Und im Rathaus legt man gleich noch eins drauf und weicht der Frage nach einer zeitlichen Schmerzgrenze aus. Ob in einem, in fünf oder in zehn Jahren gebaut wird, ob das Marktcenter dann halb leer stehen wird – egal. Hauptsache, es kostet nichts. Und da fehlen einem dann langsam doch die Worte. Schließlich geht es um ein Projekt, das zu einem der wichtigsten überhaupt für die Stadtentwicklung erklärt worden war, mit dem man die Kundschaft an Uelzen binden wollte. Und mit dem man den Einzelhandel in Aufruhr versetzte.

Doch heute erntet man auf die Frage, ob man denn überhaupt noch eine zeitliche Zielplanung habe, nur noch ein Achselzucken. Und die Politik schaut alledem schweigend zu.

Sieht in Uelzen konzeptionelles Denken wirklich so aus? Heißt Verantwortung für eine Stadt wirklich nur noch finanziellen Schaden abzuwenden? Zugegeben, die Großen machen es vor, Stichwort Berliner Flughafen und Hamburger Elbphilharmonie. Doch es gibt einen kleinen Unterschied: Diese beiden Städte drohen nicht in der Bedeutungslosigkeit zu versinken wie eine kleine Kreisstadt zwischen großen Nachbarn.

Das zu verhindern, wird die Aufgabe schlechthin eines neuen Bürgermeisters sein. Man mag ihn darum nicht beneiden angesichts der Lethargie im Stadtparlament.

Von Thomas Mitzlaff

Rubriklistenbild: © Koller

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