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Uelzener plädiert fürs dritte Gleis, auch wenn er dann sein Haus verliert

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Von: Norman Reuter

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Fünf, sechs Meter, mehr sind es nicht von Hans-Joachim Ladewigs Haus bis zum Gleisbett.
Fünf, sechs Meter, mehr sind es nicht von Hans-Joachim Ladewigs Haus bis zum Gleisbett. Er lebt im alten Schrankenwärter-Haus an der Strecke Hannover-Hamburg.  © Reuter, Norman

Würde ein drittes Gleis gebaut werden, müsste Hans-Joachim Ladewig sein Haus räumen. Doch für ihn wäre dies nicht so schlimm, wie die alternative Neubautrasse.

Uelzen – Wenn Hans-Joachim Ladewig aus dem Fenster blickt, sieht er den ICE an seinem Haus vorbeifahren. Fünf, sechs Meter – mehr sind es nicht bis zum Gleisbett. Seit 47 Jahren bewohnt er das frühere Schrankenwärter-Haus an der Strecke Hannover-Hamburg unweit des Gutes Störtenbüttel bei Uelzen. Wird ein drittes Gleis – wie bei Alpha-E vorgesehen – gebaut, müsste er das Haus räumen. Das wäre in Ordnung, sagt der 68-Jährige. Er stünde dieser Lösung nicht im Wege. Die Alternative, die diskutierte Neubautrasse durch den Stadtwald, wäre weitaus schlimmer, findet er.

Das Schrankenwärter-Haus, so weiß Hans-Joachim Ladewig zu berichten, hat eine Geschichte, die bis ins 19. Jahrhundert reicht. Fachwerk-Elemente sind an ihm zu entdecken. Mehrfach sei es um Gebäudeteile ergänzt worden, schildert Ladewig.

1975 bezog er das frühere Schrankenwärter-Haus mit Eltern und Geschwistern. Heute ist der geschiedene Rentner der Einzige, der noch in ihm wohnt. Mit Sorge beobachtet er, wie die Zahl der Risse in der Fassade zunimmt. In den Keller mag er deshalb gar nicht mehr gehen. „Das ist die Trockenheit“, ist Ladewig überzeugt.

So komme es zu Setzungen. „Früher waren die Wiesen rund ums Haus im Frühjahr und Winter immer feucht.“ Das gebe es heute nicht mehr. Der Zugverkehr tue sein Übriges.

Wenn er sich jetzt für das dritte Gleis ausspreche und bereiterkläre, das Haus zu verkaufen, dann gebe es sicher Kritiker, die ihm vorwerfen, er tue dies nur des schlechten Gebäudezustands wegen. Dem stelle er sich. „Eigentlich will ich ja, dass es erhalten bleibt. Es hat seine Geschichte“, so der Uelzener. Die gerade diskutierte Alternative einer Neubautrasse jedenfalls könne er nicht gutheißen.

68-Jährige kennt, wie er sagt, jedes Bahngeräusch, hört täglich Metronom-Züge, ICE, IC und Güterwaggons an seinem Haus vorbeifahren. Eine Unebenheit bei den Gleisen unweit des Hauses, meint er anhand der Fahrgeräusche ausmachen zu können. Die Bahn betont auf Nachfrage: „Die Strecke ist sicher.“

Der Oberbau verhalte sich bei Zugfahrten nicht starr, sondern schwinge unter den Achsen. Im Haus kann Ladewig jede noch so kleine Geräusch-Änderung ausmachen. Und es sind solche Punkte, die er mit Sorge in Hinsicht auf eine Neubautrasse wenige Hundert Meter von der Bestandsstrecke betrachte. Er ist überzeugt: Die Menschen, die dann zwischen den beiden Gleisanlagen lebten, würden nicht mehr glücklich. Der Lärm komme dann von der einen oder anderen Seite, im schlimmsten Fall von beiden gleichzeitig. „Das ist eine Schallfalle“, so Ladewig.

Bisher hat die Bahn noch mit keinen Anrainer der Bestandsstrecke zu einem möglichen Kauf von Flächen für ein drittes Gleis angesprochen, wie eine Unternehmenssprecherin geklärt. Aktuell würden bis Jahresende die Varianten untersucht. Die Bundespolitik entscheide dann, welche gebaut werden solle, und auch dann erst steige man in vertiefte Planungen ein und gehe auf Grundstückseigentümer zu, so die Sprecherin.

Hans-Joachim Ladewig fragt sich, ob er es noch mitbekommen wird, dass tatsächlich mehr Gleiskapazitäten in Norddeutschland geschaffen werden. So oder so, meint er: Das dritte Gleis ist die bessere Variante.

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