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Mitglied im Niedersächsischen Landtag: Uelzener Pascal Leddin (Grüne) berichtet über erste Wochen

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Von: Norman Reuter

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Pascal Leddin vor TV-Kameras
Insgesamt 24 Grüne sind bei der Wahl am 9. Oktober in den Landtag eingezogen – Pascal Leddin ist einer von ihnen. © Florian Semmler

Auf ihn sind nun Fernsehkameras gerichtet: Pascal Leddin aus Uelzen ist seit zehn Wochen Mitglied des niedersächsischen Landtages. Im Gespräch mit der AZ berichtet der 23-Jährige von seinen ersten Erfahrungen in der parlamentarischen Arbeit. 

Uelzen/Hannover - Der Terminkalender ist voll: Seitdem Pascal Leddin seit der Wahl im Oktober dem niedersächsischen Landtag angehört, ist er, sofern nicht Sitzungswoche in Hannover ist, unterwegs – von Cuxhaven bis Göttingen, von Bad Bentheim bis Gorleben. Der Abgeordnete führt Gespräche mit Verbänden, mit Vereinen, Kommunen, mit Vertretern aus der Wirtschaft: „Manche Themen können nicht warten“, sagt der Grünen- Politiker aus dem Landkreis Uelzen.

Mit 23 Jahren ist er das jüngste Mitglied nicht nur im aktuellen Landtag, sondern dass es je im Landesparlament gegeben hat. Das hat ihm bereits viel mediale Aufmerksamkeit beschert, bei der ersten Landtagssitzung durfte er so auch auf dem Podium des Plenar-Saals Platz nehmen, um bei der Wahl der Landtagspräsidentin als Schriftführer zu fungieren.

Lieber wolle er über Themen sprechen als über sein Alter, sagt Leddin und erklärt dann: Es müssten jetzt Regenrückhaltebecken für die Landwirtschaft entstehen. Der Bereich Agrar fällt in seinen Zuständigkeitsbereich in der Fraktion – genauso wie die Fischerei, der Katastrophenschutz und die Klimafolgen-Anpassung. Das kommt nicht von ungefähr.

Zum Katastrophenschutz gehört die Feuerwehr, in der er selbst aktiv ist, auch Feuerwehrleute zu Atemschutzträgern ausbildet. Das Klima treibt ihn schon länger um. Pascal Leddin engagiert sich in der Uelzener Gruppe von „Fridays for Future“, ist immer wieder auf die Straße, um auf den Klimawandel und seine Folgen hinzuweisen.

Das führte ihn auch zur Politik: „Ich habe demonstriert und gemerkt, es änderte sich nichts. Und ich sagte mir: Du musst in die Parlamente rein, um mitgestalten zu können“, so Leddin. Im Herbst 2021 gelingt es ihm, für die Grünen in den Uelzener Stadtrat gewählt zu werden. Zu Beginn dieses Jahres nominieren ihn die Grünen aus dem Landkreis dann als Direktkandidaten für die Landtagswahl am 9. Oktober. Zwar reicht es mit 13,1 Prozent der Erststimmen nicht für ein Direktmandat im Landtag, aber über den guten Listenplatz 20 zieht Leddin trotzdem ins Leineschloss ein.

Die erste Fraktionssitzung ist ein Aha-Erlebnis: „Da stehen zehn Fernsehkameras.“ Den Pullover habe er dann noch gegen das Jackett gewechselt.

Dass er mit 23 Jahren belächelt wird, hat er noch nicht feststellen können. „In der Fraktion auf keinen Fall. Da gibt es keinen Bremsklotz.“ Als Neuling im Parlament hat er die ersten Wochen allerdings lernen müssen, dass viele Anliegen an ihn herangetragen werden, aber nicht alle auf einmal umgesetzt werden können: „Es muss priorisiert werden. Ich frage dann auch in Gesprächen danach, was die drei drängendsten Themen sind.“

All das schreibt er auf ein großes Whiteboard, dass er in seinem Abgeordneten-Büro in Hannover stehen hat. So hat er eine Übersicht.

Drei Sitzungswochen hat es bislang in Hannover gegeben. Pascal Leddin hat inzwischen auch seine erste Rede im Landtag halten können. Er spricht dabei über die Sicherheit an den neuen sogenannten LNG-Terminals, an denen flüssiges Gas ins Netz eingespeist wird. Dazu hat es eine Anfrage der AfD gegeben.

Er wolle dazu beitragen, sagt Pascal Leddin, dass Herausforderungen, vor denen das Land stehe, angepackt werden, „dass wir auch vor die Krise kommen“. Dafür müsse man auch schneller werden. Ein positives Beispiel seien die LNG-Terminals, ein erstes war Ende der Woche in Betrieb genommen worden.

Es gebe auch keine Zeit zu verlieren, wenn es um die Folgen des Klimawandels gehe. „Bei der Landwirtschaft sind sie bereits zu spüren.“ Er verweist auch auf Wald- und Vegetationsbrände – „das ist der Bereich Katastrophenschutz.

Ob er schon wisse, ob er in fünf Jahren wieder für den Landtag kandidieren wolle, wird Leddin von der AZ gefragt. Der 23-Jährige berichtet von Imke Byl von den Grünen, die vor ihm den Rekord als jüngste Abgeordnete hielt. Sie hat nach fünf Jahren erklärt, sie kandidiere nicht mehr, um in ihrem Alter offen für anderes zu sein. Leddin sagt, er denke erst einmal an die nächsten Tage. Da steht Weihnachten an. Und kein Termin.

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