St. Georg und Bergedorf: „Ein typisches Bahnhofsviertel“

Uelzener Olaf Sobotta über seine Arbeit im Hamburger Polizeirevier

„St. Georg ist ein typisches Bahnhofsviertel“, sagt Olaf Sobotta. Probleme sind Drogenkriminalität, Armuts-Prostitution und Obdachlosigkeit.
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„St. Georg ist ein typisches Bahnhofsviertel“, sagt Olaf Sobotta. Probleme sind Drogenkriminalität, Armuts-Prostitution und Obdachlosigkeit.

Uelzen/Hamburg – Fingerspitzengefühl und klare Linien, die nicht überschritten werden dürfen, dafür steht Olaf Sobotta. Mit dieser Linie hat der jetzige Leiter der Region Bergedorf es sogar geschafft, dass die Bewohner St. Georgs ihn nicht als Leiter des Polizeikommissariats St. Georg ziehen lassen wollten. 

„Das ist eine extrem große Wertschätzung, die man so nicht erwartet“, sagt Sobotta, der im Landkreis Uelzen lebt.

Offensichtlich sei seine dreieinhalbjährige Arbeit bei den Leuten und Entscheidern in St. Georg gut angekommen. Doch der Karriereschritt nach Bergedorf, der auch eine Beförderung beinhaltet, sei für ihn eine große Chance.

Olaf Sobotta, Polizei Hamburg.

„St. Georg ist ein typisches Bahnhofsviertel“, sagt Sobotta. Probleme sind Drogenkriminalität, Armuts-Prostitution und Obdachlosigkeit. Hinzu kommen noch 500 000 Pendler, die täglich am Hauptbahnhof aussteigen. Das sei eine enorme Herausforderung. Mit knapp 1,8 Quadratkilometern ist St. Georg zwar überschaubar, aber es gibt mit dem Hansaplatz einen Hot-Spot, der Straßenkriminalität mit jährlich mehr als 2.500 Delikten.

Dort gibt es inzwischen ein Glasflaschen-Verbot und Kameraüberwachung. „Es darf nicht passieren, dass Menschen ein ungutes Gefühl haben, wenn sie irgendwo hingehen“, sagt Sobotta. Daher sei es auch wichtig, sich um vermeintlich kleine Dinge zu kümmern. Dazu gehöre die kaputte Straßenlaterne oder die verdreckte Straße. „Den Satz den ich nicht hören will ist: Dafür sind wir nicht zuständig“, sagt Sobotta, der mit 16 Jahren 1981 bei der Bundespolizei anfing und 1988 zur Landespolizei nach Hamburg wechselte. Als Polizei sei man vor Ort präsent und wisse auch, welche Stellen sich um welche Probleme kümmern.

Daher sei ein Netzwerk von Bedeutung. „Andere Akteure wie die Bezirksverwaltung, die Sozialarbeiter und Ehrenamtlichen sind ungeheuer wichtig“, so Sobotta. Klar sei, dass man nicht immer gleicher Meinung sei, sich aber respektiere und zusammenarbeite. „Man trifft sich in der Mitte. Jeder hat sein eigenes Rollenverständnis.“ Daher gehöre es zu seinem Job, Kontakte aufzubauen. Denn die Polizei kann nicht alle Probleme lösen. „Einen obdachlosen Alkoholiker können wir nicht von der Straße holen. Wir wissen aber, wer helfen kann“, so Sobotta.

In Zeiten in denen die Kriminalität insgesamt sinke, es aber nicht immer so wahrgenommen werde, sei es wichtig, Präsens zu zeigen. „Subjektiv ist das Sicherheitsgefühl bei vielen gesunken“, sagt Sobotta.

Zurzeit ist er in Bergedorf wieder damit beschäftigt, ein Netzwerk aufzubauen und den Bezirk gründlich kennenzulernen. „Langweilig wird es auf keinen Fall“, sagt Sobotta.

VON LARS LOHMANN

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