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Uelzener Oberschule lässt Russland-Kontakte ruhen

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Von: Norman Reuter

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Schon als die Oberschule an der Ebstorfer Straße noch eine Realschule war, wurde Russisch unterricht. Sogar ein Austausch-Programm mit Fahrten ins Land gab es.
Schon als die Oberschule an der Ebstorfer Straße noch eine Realschule war, wurde Russisch unterricht. Sogar ein Austausch-Programm mit Fahrten ins Land gab es. © Lars Becker

Gerade erst hatte die Apollonia-Oberschule in Uelzen wieder intensiveren Kontakt zu einer russischen Partnerschule aufgebaut. Übers Internet tauschten sich die Schüler beider Länder aus. Mit dem Angriff Russlands auf die Ukraine stellt sich die Frage: Was wird aus der Verbindung?

Uelzen ‒ Es sind inzwischen mehr als 20 Jahre, in denen Schüler an der Ebstorfer Straße das Fach Russisch wählen können. Die frühere Theodor-Heuss-Realschule und heutige Apollonia-Oberschule bietet solange bereits das Fach als Wahlpflichtkurs ab Klasse sechs an. „Wir haben derzeit in jedem Jahrgang einen Kurs“, berichtet Schulleiterin Imke Pape im Gespräch mit der AZ. Jetzt führt Russland Krieg gegen die Ukraine, was auch Folgen für die Apollonia-Oberschule hat. Zuletzt wieder über einen der Wahlpflichtkurse stärker geknüpfte Kontakte zu einer Partnerschule im Süden Russlands werden bis auf Weiteres ausgesetzt. „Wir lassen das ruhen“, sagt Pape.

Über das Internet standen Mädchen und Jungen der hiesigen Apollonia-Oberschule mit Schülern eines russischen Gymnasiums in der Stadt Anapa im Austausch. Nach Jahren, in denen es sogar ein Austausch-Programm gab, bei dem Uelzener nach Moskau fuhren und umgekehrt Russen nach Uelzen, wurden über das Internet wieder erste zarte Bande geknüpft. Dazu waren auch eigens Laptops mit kyrillischen Buchstaben-Tasten angeschafft worden (AZ berichtete).

Eine Alternative zum Aussetzen dieses Projekts gibt es aus Sicht der Schule aktuell nicht. „Wir stehen für ein friedliches Miteinander“, so Pape. Über den Bildungsauftrag werde vermittelt, dass Demokratie, ein selbstbestimmtes Leben in Freiheit und Frieden erstrebenswert sei. Vom Krieg, der von der russischen Regierung ausgehe, seien die Schüler und die Lehrer der Oberschule „zutiefst getroffen“.

Wie Pape sagt, stehe die Schule gleichwohl für den interkulturellen Dialog. „Ich habe noch einmal nachgezählt: Wir haben Schüler aus 30 Nationalitäten bei uns an der Apollonia“, sagt Pape. Deshalb ist ihr wichtig zu betonen: Das Projekt sei ausgesetzt, nicht beendet. „Wir schlagen hier keine Türen zu.“

Pape weiß, der Krieg ist im Schulalltag gegenwärtig. Gleich zu Beginn der Woche sei die Möglichkeit geschaffen worden, dass Schüler auf aufgehängten Papp-Plakaten ihre Wünsche und Hoffnungen schreiben können. Es seien Friedenstauben gebastelt worden.

Unter den Schülern als auch im Lehrerkollegium sind Menschen mit ukrainischen und russischen Wurzeln zu finden. Vorfälle, wie jene, die jüngst bei einer Kundgebung für den Frieden in Uelzen geschildert wurden, bei denen Kinder mit russischen Wurzeln bespuckt worden sein sollen, habe es an der Oberschule bislang nicht gegeben. Im Unterricht werde über die Ereignisse in der Ukraine gesprochen, wenn Redebedarf bestehe und Fragen auftauchten. Die jüngsten Entwicklungen und Meldungen über Brände am Atomkraftwerk in Saporischschja belasten laut Imke Pape die Schüler. „Das ruft Ängste hervor.“

Das Regionale Landesamt für Bildung und Schule als auch das niedersächsische Kultusministerium haben den Schulen inzwischen etwas an die Hand gegeben, wie sie mit der Thematik umgehen sollen und wie bei der Neutralität, die Lehrer an den Tag legen müssen, im Unterricht darüber gesprochen werden kann. Demnach dürfe Wladimir Putin als Agressor, der er sei, benannt werden. Imke Pape hat die Kollegin, die für den bisherigen Austausch zuständig war, beauftragt, die russische Schule über das ausgesetzte Projekt zu informieren.

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