Ijos Bietzker

Erst Uelzen, jetzt Idomeni: Mediziner arbeitet im Flüchtlingscamp auf dem Balkan

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Flüchtlingskinder an einer Feldberegnung in Idomeni. Dort versorgten sich die Menschen mit Trinkwasser.

Uelzen/Idomeni. Im vergangenen November organisierte Ijos Bietzker das Nachtasyl für gestrandete Flüchtlinge in den Räumen der Bahnhofsmission am Uelzener Hundertwasser-Bahnhof.

Als der Mediziner aus Lüchow-Dannenberg das Elend der geflüchteten Menschen an der griechisch-mazedonischen Grenze über Facebook gewahr wurde, machte er sich Ende März auf nach Idomeni. In einem Transporter, vollgepackt mit gespendeten Medikamenten, ging es auf den Balkan.

Ijos Bietzker

Die Menschen seien extrem verzweifelt, sie wollten über die Grenze, so Bietzker. Jedoch ist die sogenannte Balkanroute für Flüchtlinge geschlossen. Hinzu käme das Klima. „Hier ist es brüllend heiß“, sagt er. In dem Lager stünde Zelt an Zelt. Darin sei es tagsüber kaum auszuhalten. Temperaturen von 35 bis 40 Grad, schätzt er. In Mannschaftszelten stapelten sich die Menschen förmlich in den Etagenbetten. In kleineren Zelten hausten bis zu acht Personen.

Die hygienischen Zustände seien eine Katastrophe, sagt Bietzker. „Trinkwasser wird auch aus einer Feldberegnung geholt.“ Vor allem Kinder litten unter Durchfall. Viele Frauen tränken wenig, weil sie nicht wüssten, wo sie zur Toilette gehen sollen, schildert er.

„Es gibt ein paar Dixi-Klos. Die reichen aber vorne und hinten nicht.“ Die Frauen dehydrierten zum Teil, und stillende Mütter hätten zu wenig Milch für ihre Babys.

Ohne verschiedene Initiativen vor Ort wäre die Lage noch desaströser, berichtet Ijos Bietzker. Es gebe Initiativen, die Essen für die mehr als 10 000 Menschen organisierten und verteilten. Es würden Zelte für Mütter mit Babys zur Verfügung gestellt. Er selbst habe kistenweise Bananen gekauft. Die ärztliche Versorgung werde durch „Ärzte ohne Grenzen“, das Griechische Rote Kreuz und noch ein, zwei andere Organisationen in Containern und in Zelten durchgeführt. „Dann gibt es noch die freien Ärzte wie mich, die von ihren Autos aus behandeln.“ Dass das Camp geräumt werden wird, glaubt Bietzker nicht. „Wie soll das funktionieren?“, fragt er. Die Menschen würden nicht einfach so gehen.

Anfang dieser Woche machte sich Ijos Bietzker auf den Heimweg nach Lüchow-Dannenberg. Er kündigt an: „Ich werde auf alle Fälle wiederkommen.“

Von Jens Schopp

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