Uelzener machen bei Bürgermeister ihrem Ärger über Gestaltung am Alten Rathaus Luft

„Augenscheinliche Frechheit“

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Holzrahmen und Sprossen für Tür und Fenster: So sieht der Änderungsvorschlag des Verkehrsvereins aus. Zeichnung: Verkehrsverein

Uelzen. Sie wollen die aktuelle Gestaltung der ehemaligen Arkadenseite am Alten Rathaus nicht einfach so hinnehmen:

Große Fensterflächen, schmale Umrandungen: So plant die Stadt den Umbau der Fassade.

Die Uelzener Christa Aevermann, Stefan Rasche, Susanne Niebuhr und Hans-Jürgen Bertram, der auch Vorsitzender des Verkehrsvereins Uelzen ist, haben deshalb gestern Morgen bei Bürgermeister Otto Lukat vorgesprochen und ihren Unmut über die moderne Alutür samt bodentiefen Fenstern kund getan – und sie sprechen für viele weitere Bürger der Uhlenköperstadt. Mehr noch: Sie fordern von der Stadt, diese Einbauten rückgängig zu machen und durch solche zu ersetzen, die dem klassizistischen Stil des historischen Gebäudes entsprechen.

Hans-Jürgen Bertram stellte dafür dem aufmerksam lauschenden Bürgermeister einen entsprechenden Entwurf vor – mit Fenstern und Tür in Holzrahmen samt Sprossen. Dieser Idee erteilt Stadtbaurat Karsten Scheele-Krogull allerdings eine klare Absage: „Die Stadt und das Gebäudemanagement haben diese von der Initiative vorgeschlagene Gestaltung im Vorfeld ausgeschlossen, weil sie stark historisierend wirkt und damit eine Architektur unterstellt, die so nie existierte.“ Der Stil der Fenster und Tür sei bewusst unterbrochen worden, um die Unterschiede zum Original herauszuarbeiten. Im Übrigen seien große Öffnungen für eine Gastronomie nötig, „um eine transparente und einladende Verbindung zur Fußgängerzone zu schaffen“.

Und genau da liegt für Aevermann, Rasche, Niebuhr und Bertram der Hase im Pfeffer: Man habe hier „ohne Not die Bedingungen des zukünftigen Betreibers des Cafés aufgenommen“, kritisiert der Verkehrsvereinsvorsitzende. Dies habe ihm auch der Präsident des Niedersächsischen Landesamtes für Denkmalpflege, Dr. Stefan Winghart, so bestätigt, sagt Bertram: „Durchaus wäre es möglich gewesen, am Rathaus die Erdgeschosszone der Nordseite stärker historisierend zu behandeln. Dies nicht zu tun, lag jedoch in der Entscheidung des Bauherren, der Stadt Uelzen“, schreibt Winghart in einer Stellungnahme an Hans-Jürgen Bertram. Für Susanne Niebuhr, die auch Ratsfrau der Wählergemeinschaft WIR für Uelzen ist, ist damit klar: Man habe „einem Mieter zuliebe das Stadtbild geopfert“, schreibt sie in einem offenen Brief an Bürgermeister Lukat und wähnt hier eine „augenscheinliche Frechheit“.

Karsten Scheele-Krogull versteht die Diskussionen. „Die Geschmäcker sind bekanntlich sehr verschieden“, sagt er. Für die Uelzener liegt die Sache derweil offensichtlich ernster: die Gestaltung sei des Alten Rathauses „nicht würdig“, die von der Stadt als „untergeordnete Fassade“ bezeichnete Gebäudeseite stellt für sie die Ansicht dar, mit der sich Uelzen identifiziere.

Von Ines Bräutigam

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