Mit Koffern im Reisebüro

Uelzener leiden unter Thomas Cook-Pleite – Urlauberin wird von Hotel ausgesperrt

Die Thomas Cook-Pleite trifft die Urlauber: Sie müssen teils, wie hier in Palma, am Flughafen warten. Andere Spanienurlauber wurden sogar von ihrem Hotel ausgesperrt.
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Die Thomas Cook-Pleite trifft die Urlauber: Sie müssen teils, wie hier in Palma, am Flughafen warten. Andere Spanienurlauber wurden sogar von ihrem Hotel ausgesperrt.

Uelzen/Landkreis – Das Ziel war Ägypten. Mit gepackten Koffern standen die Urlauber aber dann im First-Reisebüro von Silja Eichmann-Bartels in Uelzen. Die Pleite von Thomas Cook hat ihre Urlaubspläne zunächst zunichte gemacht.

Bei Silja Eichmann-Bartels erhofften sich die Uelzener nähere Auskünfte und eine Alternative.

So wie diesen Urlaubern ergeht es gerade vielen. Anlaufstellen sind die Reisebüros, um Fragen zu klären. Unmittelbar nach Bekanntwerden der Cook-Pleite sind Sorgen und Befürchtungen besonders groß gewesen. „Am Montag hat hier die Hecke gebrannt“, schildert beispielsweise Sandra Gehrke vom „Reiseteam Uelzen“.

Thomas Cook ist ein Reisekonzern mit einer Reihe von Beteiligungen und Tochterunternehmen, die durch die Pleite ebenfalls in Nöte geraten sind. Auch die Airline Condor ist betroffen, erhält vom Staat aber einen Überbrückungskredit. Zunächst herrschte aber Unklarheit, weshalb sich auch Urlauber meldeten, die zwar über einen anderen Reiseanbieter buchten, aber mit Condor fliegen wollten. Nina Eckhardt, Büroleiterin von der Uelzener Ferienwelt, berichtet von einer Reihe von Gesprächen dazu. Viele sorgten sich auch um ihr Geld. Was ist schon geflossen und womöglich schon verloren? Meike Siebald vom Bad Bevenser Reisebüro Siebenstern rät Betroffenen, die Unterlagen aufzuheben, auch Zahlungsabgänge im Blick zu haben.

Alina Pleuß und ihr Begleiter Max Brinkmann.

Es sind nicht nur die Urlauber, die ihre Reise nicht antreten können, sondern auch jene, die bereits unterwegs sind und sich hilfesuchend an die Reisebüros wenden. Und wie es einen ergehen kann als Urlauber, zeigt die Geschichte von Alina Pleuß, einer früheren Volontärin beim AZ-Verlag. Sie hat in dieser Woche bei ihrem Urlaub an der mallorquinischen Ostküste die Folgen der Cook-Misere unmittelbar zu spüren bekommen. Als sie nach dem Frühstück in ihrem Hotel wieder aufs Zimmer wollte, war die Karte zum Öffnen gesperrt. Pleuß, ihrer Begleitung sowie etwa 50 weiteren Gästen wurde der Zugang zu ihren Hotelzimmern verwehrt. „Die Rezeptionisten erklärten, sie hätten seit Monaten kein Geld von Thomas Cook erhalten“, so Pleuß. Von den Urlaubern wurde Geld gefordert. Stundenlange Diskussionen folgten – im Urlaub, in dem sie sich eigentlich erholen wollte. Schließlich durfte sie ihre Sachen packen und sich eine neue Bleibe suchen – im Nachbarhotel checkte sie für die Restzeit ein.

Geld ist ein bestimmendes Thema bei der Pleite – nicht nur für den Konzern selbst, für die Urlauber, für Hotels, sondern auch für die Reisebüros. Silja Eichmann-Bartels erklärt: „Wir leben von den Provisionen.“ Heißt: Ein prozentualer Satz des Reisepreises fließt vom Reiseunternehmen an die Büros. Inzwischen ist Insolvenz nicht nur von der britischen Muttergesellschaft Thomas Cook, sondern auch von der deutschen Tochter angemeldet worden. Am Ende wird sich herausstellen, was aus der Insolvenzmasse womöglich an die Reisebüros fließt. Meike Siebald vom Reisebüro Siebenstern ärgert sich: „Wir haben die doppelte Arbeit. Wir müssen das nachbereiten und uns um die Kunden kümmern. Das ist schon ein Verlust.“

Ein Lichtblick aber gibt es: Die Menschen lassen sich die Lust auf Urlaub nicht nehmen. Beispielsweise in der Uelzener Ferienwelt sitzen in diesen Tagen nicht nur Betroffene der Cook-Pleite. „Wir buchen Reisen für den November und Winter, aber auch schon für den nächsten Sommer“, sagt Nina Eckhardt.

VON NORMAN REUTER

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