Gynäkologe lehnt Schwangerschaftsabbrüche ab

Uelzener Klinik stellt umstrittenen Arzt ein

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Das Uelzener Klinikum beschäftigt den Mediziner, der vergangenes Jahr für Schlagzeilen sorgte, in der Abteilung Gynäkologie und Geburtshilfe.

Uelzen. Mit seinem Vorgehen sorgte der Mediziner im vergangenen Jahr bundesweit für Schlagzeilen: Als Chefarzt an der Dannenberger Elbe-Jeetzel-Klinik wollte er Abtreibungen im Krankenhaus unterbinden.

Seit dem 1. Oktober beschäftigt nun das Uelzener Helios Klinikum den Mann als Oberarzt in der Abteilung für Gynäkologie und Geburtshilfe. Das teilt das Krankenhaus mit und stellt klar: Es ändert sich mit der Einstellung des Arztes nichts – auch künftig werden am Uelzener Klinikum Schwangerschaftsabbrüche vorgenommen.

Der besagte Mediziner wird aber selbst keine Schwangerschaftsabbrüche vornehmen. Unternehmenssprecherin Sonja Mengering berichtet von einer „abteilungsinternen Regelung“, die das ermögliche. Wolfgang Mönch, Ärztlicher Direktor des Uelzener Klinikums, erklärt, es könne kein Arzt dazu verpflichtet werden, gegen seine Glaubensgrundsätze zu verstoßen. Mit seinem christlichen Glauben hatte der nun im Uelzener Klinikum angestellte Mediziner im vergangenen Jahr seine Haltung zum Thema Abtreibungen begründet. Er wollte in Dannenberg nur noch in absoluten Notfällen und nach Vergewaltigungen Schwangerschaftsabbrüche zulassen, als Chefarzt hatte er Weisungsbefugnis.

In Uelzen ist der Mediziner als Oberarzt beschäftigt, damit besitzt er in der Abteilung einen Chefarzt als Vorgesetzten, der die Marschrichtung vorgibt. Demnach bleibt es dabei, dass man in Uelzen weiter Schwangerschaftsabbrüche anbietet.

Abtreibungen sind eigentlich in Deutschland rechtswidrig, aber unter bestimmten Bedingungen nicht strafbar. Der Abbruch muss in den ersten zwölf Wochen erfolgen. Bedingung ist auch, dass die Frauen sich zuvor beraten lassen. In Uelzen übernehmen Pro Familia und der Lebensraum Diakonie solche Beratungsgespräche.

Wie viele Schwangerschaftsabbrüche das Klinikum Uelzener zuletzt vornahm, konnte das Krankenhaus zunächst auf AZ-Anfrage nicht sagen. Landesweit war die Zahl der Abbrüche 2017 gestiegen.

Von Norman Reuter

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