Mit Party-Sound gegen Club-Flaute

Uelzener DJ Chris Kistenbrügger lässt mit Video-Konzert die Leute zu Hause tanzen

Chris Marvin Kistenbrügger produziert als DJ eigene Songs in seinem wohnungseigenen Studio in Uelzen, das er auch als Schlafzimmer nutzt.
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Chris Marvin Kistenbrügger produziert als DJ eigene Songs in seinem wohnungseigenen Studio in Uelzen, das er auch als Schlafzimmer nutzt. 

Uelzen – Er will der Grund sein, aus dem die Leute tanzen. Chris Marvin Kistenbrügger ist eigentlich technischer Einkäufer in einer hiesigen Maschinenbaufirma. Nebenberuflich geht er als DJ aber seiner großen Leidenschaft nach.

Seinen Stil beschreibt er selbst als „Party-Sound“.

Kistenbrügger hat den Ehrgeiz, eines Tages von seiner Musik leben zu können. Auf privaten Feiern, in Clubs oder auf Festivals hat sich der Freund elektronischer Musik unter dem Künstlernamen „Xtra Life“ bereits eine kleine Fan-Gemeinde erspielt. Problem: Corona-bedingt können derzeit kaum Auftritte stattfinden, Discos und Clubs haben geschlossen.

Die Party kommt zu den Leuten

Davon will sich Kistenbrügger aber nicht unterkriegen lassen. „Wenn wir die Leute nicht auf die Party bringen können, müssen wir die Party zu den Leuten bringen“, gibt sich der Uelzener ehrgeizig. Und so stellte er gemeinsam mit seinem Freund Daniel Kothöfer das Projekt „Generation X“ auf die Beine.

Mitten auf einer stillgelegten Brücke über dem Elbe-Seitenkanal baute Kistenbrügger sein rund 10 000 Euro schweres DJ-Equipment auf, während Kothöfer als „Mann hinter den Kulissen“ für die Videoaufnahmen zuständig war.

„Das war schon ein cooles Gefühl“, erinnert sich Kistenbrügger an das Konzert der etwas anderen Art. Zwar habe er kein Publikum vor sich gehabt, aufgeregt sei er dennoch gewesen. Trotz anfänglicher Probleme, wie ungünstige Kameraeinstellungen, ist Kistenbrügger zufrieden mit seinem Projekt in Eigenfinanzierung. „Gekostet hat uns das eigentlich nur Zeit“, sagt Kistenbrügger. Knapp zwei Monate habe das Projekt mit Vorbereitung, Dreh und Nachbearbeitung in Anspruch genommen. Rund eine Stunde dauert das fertige Video, das unter dem Titel „Generation X Chapter 1“ auf Youtube zu finden ist. Der Name suggeriert es: Ein zweites Kapitel wird kommen, ist bereits abgedreht. Wieder hat der DJ eine besondere Location gefunden, mehr verraten will er aber noch nicht. Kistenbrügger kündigt jedoch mit einem Lächeln im Gesicht „eine Überraschung, mit der keiner rechnet“, an.

DJ-Begeisterung seit zehn Jahren

Das erste Mal in Berührung gekommen mit der Welt der DJs sei er mit etwa 17 Jahren, erinnert sich der heute 27-jährige Kistenbrügger. Damals habe er neben seiner Ausbildung im Café Mephisto gearbeitet. Dort wurden die DJ-Sessions ins Leben gerufen – Abende, an denen verschiedene Künstler ihre Musik auflegen.

Selbst als DJ aktiv wurde Kistenbrügger mit etwa 20 Jahren. Seitdem erfahre er viel Unterstützung von Freunden und Familie, auch Fotos hätten Fans schon mit ihm machen wollen. „Das pusht einen natürlich ungemein“, freut sich der Uelzener. Seine Eltern seien zwar zunächst nicht über das teure Hobby begeistert gewesen, stünden inzwischen aber komplett hinter ihm. „Die Kehrtwende kam, als die mich das erste Mal live auf einem Festival gesehen haben“, sagt Kistenbrügger.

Seine Musik produziert der DJ im wohnungseigenen Studio, das gleichzeitig als Schlafzimmer fungiert. Noch verbringe er hier mehr Zeit mit Schlafen als mit dem Produzieren neuer Songs, aber: „Ich würde es gerne umgekehrt machen“, sagt Chris Kistenbrügger und lacht. VON DANIEL BIELING

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