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Uelzener Brunnen soll künftig Wassergeschichten flüstern

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Von: Norman Reuter

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Wer künftig am Brunnen auf dem Schnellenmarkt Platz nimmt oder sich dort aufhält, soll auch Wassergeschichten hören können. Zurzeit befindet er sich noch in Winterruhe.
Wer künftig am Brunnen auf dem Schnellenmarkt Platz nimmt oder sich dort aufhält, soll auch Wassergeschichten hören können. Zurzeit befindet er sich noch in Winterruhe. © Reuter, Norman

Der Schnellenmarkt mit seinen Fachwerkhäusern gehört zu Uelzens Stadtgeschichte. Die Gebäude machen teils einen traurigen Eindruck. Immer wieder hat es Versuche gegeben, den Platz zu beleben. Jetzt soll ein weiterer Versuch unternommen werden. Eine Rolle spielt dabei der Münchbach-Brunnen. Er soll künftig flüstern.

Vor Jahrhunderten wurden Töpfe auf ihm gehandelt. In den 2000er-Jahren war er als Party-Meile verschrien, auf der Jugendliche auf Autos stiegen. Der Schnellenmarkt, eigentlich zentral gelegen, führt ein Schattendasein – auch weil der Platz von Gebäuden umrahmt wird, die baufällig sind und mitunter leerstehen.

Mit Events wie dem Hansefest, bei dem der Schnellenmarkt zum Dreh- und Angelpunkt wurde, sollte der Platz bereits stärker ins Stadtgeschehen eingebunden werden. Jetzt wird ein weiterer Anlauf dazu unternommen. Er soll als Quartier für Künstler und Kulturschaffende dienen (Siehe zum Thema) – und dank auch einer Attraktion ein beliebter Anlaufpunkt werden. „Der Brunnen auf dem Schnellenmarkt soll 100 Wassergeschichten flüstern“, skizziert Alexander Hass, Leiter des Eigenbetriebs Kultur, Tourismus, Stadtmarketing.

Uelzen ist, wie berichtet, in das Bundesprogramm „Zukunftsfähige Innenstädte und Zentren“ aufgenommen worden. Mit ihm ist es möglich, den Platz zu beleben und den Brunnen das Sprechen zu lehren.

Der Künstler Georg Münchbach (1933 bis 2018) aus Wittenwater hat das Wasserspiel einst entworfen. Kunstwerke von ihm gehören zum Stadtbild – wie das große Relief an der Uelzener Versicherung oder die „Venus 2000“ im Stadtgarten. Für den Brunnen auf dem Schnellenmarkt, 1980 offiziell eingeweiht, hat Sohn Falk Münchbach „jedes Rohr geschnitten und geschweißt“, wie er der AZ erzählt. Die in unterschiedlichen Längen und Umfängen aneinandergeschweißten Rohre stehen für Töpfe und erinnern damit an die historische Bedeutung des Platzes.

„Ich finde die Idee gut“, kommentiert Falk Münchbach, heute Nachlassverwalter für die Werke seines Vaters, die Pläne zum Flüsterbrunnen. Damit ließe sich der Platz samt dem gestalteten Brunnen beleben – „das muss unser Interesse sein“.

Dass 100 Wassergeschichten zu hören sein sollen, es kommt nicht von ungefähr. Das erinnert an Friedensreich Hundertwasser und den in seinem Stil gestalteten Uelzener Bahnhof. Hass stellt sich vor, dass Menschen aus der Region die kleinen Geschichten abfassen und dann einreichen. „Wir wollen ganz viele Akteure dafür gewinnen“, sagt Alexander Hass.

Die Idee von Objekten, die etwas vortragen, ist nicht ganz neu, wie der Leiter des Eigenbetriebs erklärt. Hass war früher für Veranstaltungen in der Stadt Celle zuständig und hat dort bereits das Konzept für sprechende Straßenlaternen entwickelt. Anlass sei der 150. Jahrestag zum Aufstellen von Gaslaternen gewesen. Wer in die Mitte der aufgestellten Laternen tritt, bekommt bespielsweise Anekdoten zur Celler Geschichte erzählt. Die Stadt Celle wirbt heute damit für sich. Ausgelöst werden die Beiträge durch Bewegungssensoren. So könne es auch in Uelzen laufen, erklärt Hass. „Vieles ist mit der Technik heute möglich“, sagt Hass. Der Brunnen soll auch durch ein Lichtkonzept in Szene gesetzt werden.

Er sei sich bewusst, sagt Hass, dass sich mit einem solchen Projekt nicht im Handstreich alle Arbeitsfelder in der Stadt erledigen. „Aber wir können einen Akzent setzen“, sagt er.

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