Uelzena als Symbolziel

Den Hähnchen geht es an den Kragen – den Bauern auch?

Uelzen. „Angela, wir müssen reden“ – unter diesem Motto werden sich am 9. Juni Landwirte vor dem Bundeskanzleramt zu einer Bauerntafel versammeln, um mit der Kanzlerin über die Probleme der Landwirtschaft zu diskutieren.

Seit dem 29. Mai sind auf drei Routen Landwirte auf einer Trecker-Sternfahrt auf dem Weg nach Berlin und besuchen auf ihrer Fahrt exemplarische Orte, an denen es den Bauern unter den Nägeln brennt. Ein Arm der Sternfahrt startete in Bernbeu-ren im Allgäu, einer wird sich von Rostock aus auf den Weg begeben und einer hat seinen Ausgangspunkt in Greetsiel. Die Teilnehmer, die dort gestartet sind, machten am Himmelfahrtstag Station in Uelzen und blockierten mit zehn Traktoren für gut eine Stunde die Zufahrt zum Uelzena-Werk.

Der Bund Deutscher Milchviehhalter hatte die Route von Greetsiel aus organisiert und steuerte Uelzen als einen Ort an, wo exemplarisch festgemacht werden kann, wie es um die Milchbauern bestellt ist, nicht etwa, weil die Uelzena die Milchbauern schlechter bezahlen würde, als andere Molkereien. Claus-Peter Witt, der Vorstandsvorsitzende und Hauptgeschäftsführer der Uelzena, musste als Symbolfigur herhalten, weil er auch im Milchindustrie-Verband engagiert ist, einem Verband, den die Milchbauern nicht unbedingt im Verdacht haben, ihre Interessen zu vertreten.

Die Landwirte mahnten bei der Kundgebung den Erhalt bäuerlicher Strukturen in der Landwirtschaft an und wandten sich deutlich dagegen, dass internationales Kapital in landwirtschaftliche Bereiche eindringt. Insbesondere in den Bereichen Biogas-Erzeugung und Massentierhaltung sei diese Entwicklung schon deutlich fortgeschritten.

Stationen auf dem Weg nach Uelzen waren folgerichtig die Orte Barver, wo ein überdimensionaler Komplex für die Milchviehhaltung entstehen soll, und auch der kleine Ort Wietze in der Nähe von Celle. Dort ist eine der größten Hähnchenschlachtereien im Bau – mit Folgen auch für den hiesigen Raum: In Wriedel/Schatensen soll eine Mastanlage für 84 000 Hähnchen entstehen, gegen die sich eine Bürgerinitiative vor Ort wehrt. Jorge Wittersheim von der BI kündigte bei der Kundgebung an, man werde sich jetzt auch juristisch gegen diesen Hähnchenstall wehren.

Viele Landwirte überlegten, in die Veredelung einzusteigen, weil ein Wachstum über die Fläche nicht mehr möglich sei, so der Sprecher der Arbeitsgemeinschaft bäuerliche Landwirtschaft (AbL), Eckehard Niemann, zumal sich auch abzeichne, dass die Pachtpreise weiter steigen und „dass es mit der Beregnung so nicht weitergehen kann“. Er mahnte Solidarität der Bauern über die Spartengrenzen hinweg an.

Von Uelzen aus setzte sich der Trek in Richtung Gorleben in Bewegung, wo er am Sonnabend während der Kulturellen Landpartie Station macht. „Die Anti-Atomkraft-Bewegung hat einen langen Atem gezeigt“, so der AbL-Vorsitzende Friedrich-Wilhelm Graefe zu Baringdorf, „und wir werden mit unseren Forderungen einen ähnlich langen Atem brauchen, wenn wir eine sozial und ökologisch vertretbare Landwirtschaft erhalten wollen.“

Von Jürgen Köhler-Götze

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