Polizei und Busbetrieb erklären Schülern, was zu beachten ist

Uelzen: Wenn Max durch den Bus fliegt

Für den Busfahrer unsichtbar: Polizist Martin Schwanitz und Michael Mützel demonstrieren den „toten Winkel“.
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Für den Busfahrer unsichtbar: Polizist Martin Schwanitz und Michael Mützel demonstrieren den „toten Winkel“.

Uelzen – Mit dem Start des neuen Schuljahres steigen jeden Tag im Landkreis wieder tausende Jungen und Mädchen in Busse und Züge. Sie sollen heil ankommen. Doch es gibt Risiken. Polizei und Busbetrieb erklären nun Schülern, was zu beachten ist.

Dieser Zug kommt wie bestellt. Soeben hat Detlef Moors am Uelzener Bahnhof den Jungen und Mädchen erklärt, wie wichtig es ist, einen Sicherheitsabstand zu den Gleisen zu halten.

In Uelzen würden Züge mit bis 130, in Bienenbüttel sogar mit bis zu 200 Stundenkilometern durch den Bahnhof fahren. Wer zu nahe an den Gleisen stehe, könne vom Sog mitgerissen werden, so der Bundespolizist. Moors: „Bitte übertretet die weiße Linie am Bahnsteig nicht.“ Mit der Durchfahrt des Güterzuges spüren die Kinder, welche Kräfte wirken. Die Haare fliegen. Mädchen kneifen die Augen zu.

Was ist am Bahnsteig zu beachten? Der Sog bei durchfahrenden Zügen beispielsweise. Bundespolizist Detlef Moors berichtet von Gefahren beim Pendeln mit Zügen.

Die 5c des Uelzener Lessing-Gymnasiums (LeG) wird am Bahnsteig 102 in Sachen Verkehrssicherheit geschult. 27 Kinder zählt die Klasse, viele von ihnen sind Pendler, weiß Klassenlehrer Heiko Schöneburg zu berichten. Mit dem Wechsel zur weiterführenden Schule steigen sie täglich nun in Busse und Bahnen ein. Polizei und der Busbetrieb RBB schulen deshalb nun Jungen und Mädchen. Es geht um ihre Sicherheit.

„Schüler haben Bewegungsdrang“, sagt Moors. Es werde getobt. Oder die Blicke ruhten auf den Displays der Handys und der Verkehr werde nicht beachtet. Leider versuchten Kinder auch, Wege abzukürzen, überquerten dabei Gleise. Es gebe dazu Meldungen vom Zugpersonal.

Das leichtsinnige Handeln kann tödlich enden. Moors berichtet gegenüber der AZ von einer 16-Jährigen, die vergangenes Jahr in Stade von einem Zug erfasst wurde. Sie habe einen ersten Zug abgewartet, habe dann eine Schranke umlaufen und sei vom zweiten Zug überrollt worden. „Vor den Augen ihrer jüngeren Schwester.“

Mit dem Schulwechsel haben die Kinder neue Wege zurückzulegen. Das jetzt gestartete Sicherheitstraining hilft. Die Bundespolizei rät aber Eltern, wenn es Unsicherheiten gebe, mit den Kindern einmal im Zug oder im Bus Probe zu fahren, um den Weg zu üben. In den ersten Wochen hören Klassenlehrer auch von Schwierigkeiten, die es bei der Schülerbeförderung gibt.

„Wir geben Ratschläge“, schildert Benjamin Koepsel, Klassenlehrer der 5e des LeG und auch Mobilitätsbeauftragter der Schule. Es sei erstaunlich, wie viel die Kinder schon über die Verkehrssicherheit wüssten, sagt er. Aber es komme darauf an, die Lücken zu schließen. In der Praxis sieht es noch einmal anders aus als in der Theorie.

Koepsels Schüler stehen auf dem Betriebshof des Busunternehmens RBB auf dem Rahlande und bekommen einen Eindruck davon, was der „tote Winkel“ im Verkehrsalltag bedeutet. Auf einem ausgelegten Dreieck versammelt sich die gesamte Klasse am abgestellten Bus. Im Rückspiegel sind sie in diesem Winkel nicht zu sehen. Schüler dürfen auf dem Fahrersitz Platz nehmen und sich selbst davon einen Eindruck verschaffen.

Michael Mützel von der RBB zeigt auch, was mit Schülern, die sich nicht ordentlich festhalten, im Bus bei einer Gefahrenbremsung passiert. Max, ein mit Wasser gefüllter Kanister, fliegt als Dummy durch das Fahrzeug. Ein Johlen der Schüler ist zu vernehmen. Sie sind mehr erschüttert als belustigt.

VON NORMAN REUTER

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