Bauernverband wehrt sich gegen Vorwürfe der Bundesumweltministerin

Uelzen: „Viele Faktoren ausgeblendet“

Traktoren aus ganz Deutschland rollten in dieser Woche durch Berlin in Richtung Bundesamt für Umwelt und Naturschutz. Die Landwirte sind verärgert über Umweltministerin Svenja Schulze.
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Traktoren aus ganz Deutschland rollten in dieser Woche durch Berlin in Richtung Bundesamt für Umwelt und Naturschutz. Die Landwirte sind verärgert über Umweltministerin Svenja Schulze.

Uelzen – Eine Ursache für den Rückgang der Biodiversität – also der Artenvielfalt – in Deutschland ist „. . . die Art und Intensität der Landnutzung, insbesondere eine intensive Landwirtschaft. . . “ konstatiert das Bundesumweltministerium in dem jetzt in Berlin vorgestellten Bericht zur „Lage der Natur“.

Die Mitarbeiter von Bundesumweltministerin Svenja Schulze holen noch weiter aus und halten fest: „Die intensive Landwirtschaft führt zu einer immer stärkeren Homogenisierung der Landschaft, in der inzwischen monotone, artenarme Lebensräume vorherrschen.“

Und damit nicht genug: Der Bericht zitiert auch die Fachgruppe Agrarvögel der Ornithologen-Gesellschaft. Diese komme zu dem Schluss, dass die wesentlichen Ursachen für die Bestandsrückgänge von Vogelarten der Agrarlandschaft die „fortschreitende Intensivierung der Landwirtschaft darstellt, insbesondere durch Pestizideinsatz, starke Düngung und Verlust von Landschaftselementen...“

Das will der Bauernverband Südostniedersachsen, der auch für den Landkreis Uelzen zuständig ist, für seine Mitglieder nicht stehenlassen: „Die Auffassung von Ministerin Schulze, dass intensive Landwirtschaft die Hauptursache für den Artenrückgang ist, weisen wir entschieden zurück. Unserer Ansicht nach werden mit dieser Aussage viele Faktoren ausgeblendet, die die Entwicklung der Artenvielfalt beeinflussen, wie zum Beispiel höheres Verkehrsaufkommen, Industrie, klimatische Veränderungen, Lichtverschmutzung sowie Flächenversiegelung“, betont Sprecherin Katja Ahnfeldt-Timm.

Der Bauernverband kontert: „Allein im Zeitraum 2017 zu 2018 gab es einen Verlust von 55 286 Hektar landwirtschaftlicher Fläche zugunsten von unter anderem 28 262 Hektar für Siedlung und Verkehr. Auf den verbliebenen Agrarflächen wird seit Jahren immer mehr Naturschutz praktiziert.“ Dazu gehörten Brachflächen, Blühstreifen und vieles mehr.

Das Ministerium betont indes, dass ein erheblicher Rückgang von Biomasse an fliegenden Insekten – bis zu 75 Prozent – auch in Schutzgebieten zu verzeichnen sei. Das liege daran, dass viele Naturschutzgebiete sehr klein und somit zahlreichen Einflüssen wie Düngeeinträgen oder Abdrift von Pflanzenschutzmitteln aus umliegenden Flächen ausgesetzt seien.

Der Bauernverband entgegnet: „Die Landwirtschaft führt unzählige Projekte und Kooperationen im Bereich Naturschutz mit verschiedensten Partnern durch.“ Die Erfolge dieser vielfältigen Aktivitäten seien jüngst in der „Aktionswoche Artenvielfalt“ des Landvolks Niedersachsen in den sozialen Medien sichtbar gemacht worden. Zu diesen Aktivitäten kommen Faktoren wie eine enorme Weiterentwicklung und Verbesserung im Bereich des Pflanzenschutzes hinzu: „All diese Anstrengungen seitens der Landwirtschaft werden mit einer solch pauschalen Äußerung ausgeblendet, entsprechend abgewertet, und der Naturschutz kommt keinen Schritt weiter.“

VON MICHAEL MICHALZIK

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