Meisterhafter Chronist des Alltags

Uelzen: Verleihung des Werner-Bergengruen-Preises 2019 an Ingo Schulze

Schriftsteller Ingo Schulze (von links) wurde von der Werner-Bergengruen-Gesellschaft und ihrem Präsidenten, Eckhard Lange, mit dem Bergengruen-Preis ausgezeichnet. Mark Siemons hielt die Laudatio.
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Schriftsteller Ingo Schulze (von links) wurde von der Werner-Bergengruen-Gesellschaft und ihrem Präsidenten, Eckhard Lange, mit dem Bergengruen-Preis ausgezeichnet. Mark Siemons hielt die Laudatio. 

Uelzen – „Bergengruen und Uelzen, das ist eine nun schon zehn Jahre dauernde Geschichte der Preisverleihungen“ so führt Eckhard Lange als Präsident der Werner-Bergengruen-Gesellschaft am Sonnabendvormittag im Saal des Alten Rathauses in die diesjährige Verleihung des Preises ein.

Dr. Dirk Ippen, AZ-Verleger und großzügiger Sponsor des Bergengruen-Preises, freut sich in seiner Video-Botschaft, dass durch die Bergengruen-Gesellschaft und den von ihr vergebenen Preis das Gedächtnis an den großen baltischen Schriftsteller wach und lebendig gehalten wird, der sich während der NS-Zeit standhaft zeigte. Ippen zitiert Goethe: „Nur Verstand und Redlichkeit helfen; es führen die beiden Schlüssel zu jeglichem Schatz, welchen die Erde verwahrt. “. .

Geehrt wird an diesem Tage Ingo Schulze „als ein meisterhafter Chronist des Alltags wiedervereinigter Deutscher nach 1989. Er hat dem Wort ‘prosaisch’ mit lakonischer Leichtigkeit zu neuer Güte verholfen“ – so steht es auf der Verleihungsurkunde. Zweimal bereits las Schulze bei den „Weingeistern“ im Gewölbekeller der Ratsweinhandlung aus seinen Büchern – zuletzt stellte er im September des vergangenen Jahres sein Buch „Peter Holtz“ vor. Auf just dieses Buch greift der aus Frankfurt angereiste Laudator Mark Siemons zurück. Er bewundert, wie Schulze es mit der Figur des Peter Holtz schafft, den Alltag der DDR darzustellen und die Schwächen und Gefahren des Kapitalismus westlicher Prägung aufzudecken.

Die Titelfigur ist ein Naivling sondergleichen, ein Mensch, für den Idealismus und Ideal verschmelzen, der kein Verhältnis zum Geld hat, damit eher Gutes tun möchte und doch immer nur noch reicher wird. „Peter Holtz“ ist eine Don-Quichotterie, die das besondere Erzähltalent des Ingo Schulze zeigt. Die Darstellung der Doppelgesichtigkeit des Glücks im Hinblick auf die Gesellschaft einerseits und das Individuum andererseits sieht Mark Siemons bei den Erzählungen Schulzes als besonders gelungen an und begrüßt die Verleihung des Werner-Bergengruen-Preises an Ingo Schulze.

Dieser bekennt, Bergengruen erst spät für sich entdeckt zu haben und und gleitet über dessen Erzählungen, das Festhalten an Fabeln, das Urvertrauen und das „Nacheinander“ hinüber in die weit ausholende Beschreibung seines neuesten, noch nicht erschienenen Werkes. Seine Zuhörer tröstet Ingo Schulze abschließend mit den Worten „Es ist nicht schlimm, wenn Sie von meinem Gelesenen nur die Hälfte oder weniger verstanden haben.“

Mit „On the sunny side of the street“ leitete Michael Bültge mit seinem weich klingenden Saxophon die Veranstaltung ein – passend zum Tag des Mauerfalles gab es „Ich hab noch einen Koffer in Berlin“ zum Schluss.

VON FOLKERT FRELS

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