Uelzen-Veerßen: Fällungen auf Klinik-Gelände sorgen für Proteste

Bäume weichen für Pflegequartier

Bäume sind auf dem Gelände der Veerßer Klinik gefällt worden.
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Bäume sind auf dem Gelände der Veerßer Klinik gefällt worden.
  • Norman Reuter
    vonNorman Reuter
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Bäume sind jetzt auf dem Gelände der einstigen Veerßer Klinik gefällt worden. Das ärgert Bewohner des Uelzener Ortsteils. Es kommt zu Protestaktionen. Die Fällungen erfolgten im Vorgriff auf das, was kommen soll: Ein Wohn- und Pflegequartier.

Uelzen-Veerßen – Kerzen brennen in der Nacht. Ein Holzkreuz ist zu entdecken. Auf ihm steht geschrieben: „Park der Veerßer Klinik † 1950 bis 2021“. Es ist ein stiller Protest zu Baumfällungen, die es in den vergangenen Tagen an der Celler Straße auf dem Gelände der Klinik gegeben hat.

Mancher erhebt auch die Stimme. Jens Liber wurde einst in der Klinik geboren, er sagt: „Es ist ein Frevel, was hier geschehen ist.“ Seine Frau Dorothee Liber meint: „Gerade erst ist darüber informiert worden, wie sehr die Wälder leiden und sterben. Der Park an der Veerßer Klinik war eine kleine grüne Lunge für Uelzen. Dass sie jetzt abgeholzt wurde, ist ein Trauerspiel.“ Nach Schätzungen hatten die Bäume ein Alter zwischen 70 und 100 Jahre, teilt die Stadt Uelzen mit.

Für das Gelände der Veerßer Klinik gibt es Pläne. Und im Vorgriff dazu sind die Bäume gefällt worden, um Platz zu schaffen für das, was kommen soll. Und der Projekt-Entwickler kündigt an: Es wird Ersatzpflanzungen geben.

Stiller Protest: Ein Holzkreuz ist zu entdecken.

Behandelt wird keiner mehr in der Klinik. 2018 schloss sie ihre Pforten, nachdem vier Belegärzte, die dort tätig waren, andere Wege gingen. Zur Klinik wurde ein Insolvenzverfahren eröffnet, in dessen Verlauf es zum Verkauf des Areals kam. Norbert Schmedtmann, Zahnarzt aus Ebstorf, wollte die Klinik wieder eröffnen, scheiterte aber an den nötigen Zulassungen der Kassen.

Inzwischen hat sich die Magna Care GmbH das Gelände gesichert, um dort ein Wohn- und Pflegequartier für Senioren zu schaffen. Geplant seien Plätze für betreutes Wohnen, ambulant betreute Wohngruppen sowie eine Tagespflege, schildert gestern Geschäftsführer Tim Sauer auf Anfrage der AZ.

Zu diesem Zweck sind drei Gebäude mit jeweils zweieinhalb Geschossen vorgesehen. „Baubeginn soll noch in diesem Jahr sein“, sagt Tim Sauer.

Wegen der Brut- und Setzzeiten erfolgten die Baumfällungen noch vor Ablauf des Februars. Eine Genehmigung dazu ist im Zuge eines Bauvorbescheids durch die Hansestadt erteilt worden, heißt es aus dem Uelzener Rathaus.

Veerßens Ortsbürgermeister Ernst von Estorff kennt die Pläne für das Areal. Kurz seien sie auch in der jüngsten Ortsratssitzung Ende Januar Thema gewesen, berichtet er. In diesem Zuge sei auch über Baumfällungen gesprochen worden. Der Verwaltung sei mitgegeben worden, noch einmal zu prüfen, ob nicht besonders alte Eichen erhalten werden könnten. Jetzt seien aber über Nacht auch diese Bäume gefällt worden, sagt er. „Da fühlen wir uns als Ortsrat übergangen“, moniert der Ortsbürgermeister.

Die Stadt erklärt, dass es im Vorfeld eine Analyse des Baumbestandes in Hinblick auf das Artenpotenzial, Lebensräume, Nistplätze und einiges mehr gegeben habe. Das entstandene Gutachten sei auch von der Unteren Naturschutzbehörde beim Landkreis Uelzen akzeptiert worden.

Die Fällungen seien letztlich unter Auflagen und Verpflichtungen wie beispielsweise der Neupflanzung von Bäumen und des Anbringens von Nisthilfen genehmigt worden.

Es ist Platz geschaffen worden für ein Wohn- und Pflegequartier.

Magna Care-Geschäftsführer Tim Sauer erklärt, dass es mindestens 17 Neupflanzungen geben werde. Auch Fledermauskästen sollen angebracht werden.

Die Magna Care GmbH legt laut eines Unternehmenssprechers Wert auf die Feststellung, dass man zurzeit der Projekt-Entwickler sei. Das Übernahmeverfahren für das Gelände laufe noch. Deshalb seien auch die Baumfällungen vom bisherigen Eigentümer in Auftrag gegeben worden, betont man.

Für das Wohn- und Pflegequartier wird es bei Baumfällungen nicht bleiben. Es kommt auch zu einem Teilabriss des Klinik-Komplexes, wie Tim Sauer ankündigt. Erhalten bleibt ein zweigeschossiger Trakt neben dem Hauptgebäude, der noch bewohnt ist. Wann die Abriss-Arbeiten starten, ist noch unklar.

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