Labyrinth für Trauernde

Uelzen: „Tag des Friedhofs“ an der Scharnhorststraße

Farbenfroh: Angehende Erzieher der BBS II boten Kinderbetreuung an.
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Farbenfroh: Angehende Erzieher der BBS II boten Kinderbetreuung an. 

Uelzen – Es ist ein Ort der Trauer, aber auch einer der Erholung: der große Friedhof an der Scharnhorststraße. In Trägerschaft des evangelisch-lutherischen Friedhofsverbandes Uelzen wurde dort jetzt der „Tag des Friedhofs“ gefeiert.

Und viele Menschen kamen am Sonntag, um mit Bestattungsunternehmen zu sprechen, sich beim Steinmetz über Steine oder über die Grabpflege durch einen Fachbetrieb zu informieren. In Führungen über den Friedhof wurden die verschiedenen Bestattungsformen, etwa das Urnengrab auf der Heidefläche, vorgestellt. Aber auch Baumbestattungen sind auf dem größten Uelzener Friedhof mittlerweile möglich.

Dabei sieht die Friedhofsleitung die Entwicklung hin zu neuen Bestattungsformen mit einem lachenden und einem weinenden Auge. „Es hat sich eine ganze Menge getan in der Friedhofskultur“, sagt der Geschäftsführer der evangelisch-lutherischen Friedhöfe in Uelzen, Andreas Sterneck. „Der Megatrend sind Urnenbestattungen. Und das wird auch so bleiben. Wir zeigen heute die Möglichkeiten den Besuchern auf.“ Tatsächlich entschieden sich immer mehr Angehörige für pflegefreie Grabstätten, die Heidebeete seien „der absolute Renner“. Durch hohe Flexibilität habe man „viele, viele Angebote“ geschaffen. Und man entwickle weiter neue Ideen. Es sei dabei „nicht mehr selbstverständlich“, dass die Bestattungen auf dem Uelzener Friedhof stattfänden. Die Angehörigen, etwa die Kinder, ließen ihre Eltern auch an weit entfernten Wohnorten beisetzen.

Trauerbewältigung: Labyrinth auf dem Friedhof.

Mit einem Gottesdienst eröffnet, sprach am Sonntag auch Uelzens Bürgermeister Jürgen Markwardt ein Grußwort. Und Kreiskantor Erik Matz lud zu einem kurzen Orgelkonzert in die Friedhofskappelle ein, in der Bilder des Künstlers Georg Münchbach ausgestellt waren. Diakonin Anja Köster-Roes hatte nahe der Kapelle für die Besucher ein Labyrinth geschaffen, dessen Zentrum ein mit Brot und Salz gedeckter Tisch war. Im individuellen Tempo konnten so Angehörige und Besucher auf Sandspuren ihren Weg durch das Labyrinth gehen, das eben kein Irrgarten ist. „Wenn ich losgehe, komme ich an“, sagte Köster-Roes – und stellte so gemeinsam mit angehenden Erziehern der BBS II die Trauerarbeit in den Mittelpunkt. „So öffnet der Gang durch das Labyrinth den Blick auf die eigene Lebensperspektive.“

Die Bestattungshäuser Kaiser und Kohlmeyer waren mit eigenen Ständen vertreten. Übereinstimmend berichteten beide Häuser, dass die Bestattungen individueller, etwa bei der Urnengestaltung, geworden seien. „Urnenbestattungen, Wald- und Baumbestattungen werden immer mehr“, sagte Susanne Hardebeck für das Bestattungshaus Kaiser. „Die Menschen sind offener für den Tod“, stellte Aike Kohlmeyer fest. „Das Individuelle und damit die Möglichkeit, sich persönlich beteiligen zu können, tut gut für die Trauerbewältigung.“ Heute sehe man über den „kulturellen Tellerrand hinaus“.

Belebt: Der „Tag des Friedhofs“ lockte zahlreiche Besucher an die Scharhorststraße.

Über 700 Gräber betreue man an der Scharnhorststraße, wusste Hans-Jürgen Müller für die Firma Meyerholz zu berichten. Und Heike Anacker sagte für den gleichnamigen Steinmetz-Betrieb, dass Urnenbestattungen mittlerweile 70 Prozent der Beisetzungen ausmachten. Das klassische Familiengrab sei ein Auslaufmodell. Teilweise lieferten die Kunden sogar ihren kleinen Findling für das Urnengrab selbst an. Das alles sei auch „existenzbedrohend“ und „nicht wirklich befriedigend“.

Das Können der Steinmetze, etwa Granit aus Skandinavien, Indien oder China zu verarbeiten, gerate so ins Hintertreffen. „Es wird nicht mehr die ganze Palette dessen, was wir können, abgefragt.“

VON CHRISTIAN HOLZGREVE

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