Uelzen: Suchexperten auf vier Pfoten

Nach erfolgreicher Suche bellt die Flächensuchhündin Nane so lange, bis Hilfe für die „vermisste“ Nicole Ramünke kommt. Mit 12,5 Jahren ist Nane eine der ältesten Hunde in der Rettungsstaffel.
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Nach erfolgreicher Suche bellt die Flächensuchhündin Nane so lange, bis Hilfe für die „vermisste“ Nicole Ramünke kommt. Mit 12,5 Jahren ist Nane eine der ältesten Hunde in der Rettungsstaffel.

Uelzen – Mit ihren feinen Spürnasen finden sie fast jede vermisste Person – die Hunde der DRK-Rettungshundestaffel sind wahre Helfer in der Not. Die AZ war bei einem Training im Uelzener Stadtwald dabei und brachte in Erfahrung, worauf es bei einem echten Rettungshund ankommt.

Die Ogar-Polski-Hündin Erka schnuppert kaum eine Sekunde an der Geruchsprobe, und schon nimmt sie Fährte des im Wald versteckten Tim auf. Frauchen Sabine Becker braucht fast nichts weiter zu tun, als ihrer Hündin zu folgen – in kürzester Zeit ist der Achtjährige gefunden.

Suizidgefährdete, Verletzte oder auch verirrte Pilzsammler: Sie alle gehören zu den Personengruppen, denen die Rettungshundestaffel des DRK zu Hilfe eilt – so auch in Uelzen. 13 Hunde umfasst die hiesige Staffel derzeit, die sich aus Ehrenamtlichen mit ihren Privathunden zusammensetzt.

Kaum hat die Mantrailer-Hündin Erka die Fährte aufgenommen, stürmt sie los ...

Man wolle einfach eine sinnvolle Beschäftigung für Mensch und Tier haben, erklärt Maik Barenscheer, Leiter der Rettungshundestaffel, sein Engagement. Und Frank Hauptmann ergänzt: „Wir haben alle so ein Helfersyndrom.“ Und das ist nötig: Auf 500 bis 1000 Stunden schätzt Hauptmann die jährliche Belastung.

Dabei sind die Herausforderungen für Hund und Mensch vielseitig: Während die Hundehalter neben der DRK-Helfergrundausbildung auch alles über ihre Vierbeiner wissen müssen, kommt es bei den Tieren auf die richtigen Wesenszüge an. Nicht zu aggressiv, nicht zu ängstlich müssen sie sein, auch die Motivation spielt eine Rolle. Und: „Die müssen sich sehr lange fokussieren und konzentrieren können“, wie Sabine Becker erklärt.

Die Rettungshunde werden in zwei Kategorien unterteilt: Während Mantrailer wie Erka hauptsächlich im Stadtgebiet eingesetzt werden und Gerüche einer spezifischen Person inmitten von Menschenmassen lokalisieren, sind Flächensuchhunde in weiträumigen Gebieten wie im Wald unterwegs und „zeigen alles an, was menschlich ist“, wie Maik Barenscheer erklärt – so wie seine Hündin Nane. Bis zu zwei Wochen alt kann eine Geruchsspur sein, und doch können die Hunde mit ihren feinen Nasen ihn über eine Entfernung von bis zu sieben Kilometer erschnuppern.

Die Zahl der Einsätze, zu denen die Uelzener Rettungshundestaffel pro Jahr gerufen wird, variiert – 16 Fälle waren bisher der Höchststand. Mit der hiesigen Polizei gibt es die Abmachung, dass die Rettungsstaffel bei vermissten Personen immer gemeinsam mit der Feuerwehr alarmiert wird – eine Abmachung, an die sich leider nicht immer gehalten wird, wie Barenscheer beklagt. So seien schon häufiger Hilfskräfte aus anderen Landkreisen hinzugerufen worden, anstatt die Staffel vor Ort zu bemühen. Das ärgert auch Frank Hauptmann: „Wir trainieren ja schließlich für den Ernstfall.“

Dabei wird darauf geachtet, dass das Training nie zur Routine wird. Damit sich die Hunde nicht zu sehr an eine Umgebung gewöhnen, finden die Übungen an zwei Tagen pro Woche stets an unterschiedlichen Örtlichkeiten statt. Auch Freiwillige, die sich im Rahmen der Übung verstecken, werden immer gesucht: Die Hunde sollen sich nicht allein auf dieselben Personen und deren Gerüche einstellen.

Auch die Hundehalter selbst benötigen Unterstützung. Da die Führer sich während eines Einsatzes in erster Linie auf ihren Hund konzentrieren müssen, brauchen sie Helfer, die sich unter anderem um das Funkgerät und die Taschenlampe kümmern – die meisten Einsätze finden in der Nacht statt. VON DANIEL BIELING

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