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Bei Bombenfund in Uelzen: Sperrzone mit mehr als 100 Straßen?

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Von: Norman Reuter

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Noch steht nicht fest, ob es zu einer Entschärfung kommen muss. Aber die Stadt rüstet sich für den Ernstfall.
Noch steht nicht fest, ob es zu einer Entschärfung kommen muss. Aber die Stadt rüstet sich für den Ernstfall. © Symbolfoto: DPA

Die Hansestadt Uelzen rüstet sich für den Ernstfall. Hinter entdeckten „magnetische Anomalien“ bei Sondierungsarbeiten könnten sich Blindgänger verbergen, die nahe des Bahnhofs im Boden schlummern. Am Sonnabend könnte so eine gewaltige Evakuierungsaktion anlaufen.

Uelzen – Ob Kreishaus-Neubau oder Parkhaus-Abriss: In den vergangenen Jahren waren mehrfach Spezialisten damit befasst, zu klären, ob womöglich noch explosive Weltkriegsüberbleibsel in Bahnhofsnähe schlummern. Gleise und Bahnhof waren stark bombardiert worden.

Sondierungsarbeiten im Zusammenhang mit dem Neubau der Brücke über die Uelzener Bahnhofstraße brachten jetzt drei Verdachtspunkte hervor. Thomas Bleicher, Leiter des niedersächsischen Kampfmittel-Beseitigungsdienstes berichtet gestern auf Anfrage von „magnetischen Anomalien“, die gemessen worden seien.

Ob sich dahinter tatsächlich Blindgänger verbergen, soll kommenden Sonnabendmorgen mithilfe von „weitergehenden technischen Erkundungen“ geklärt werden. Dazu muss man wissen: Im Bundesland Niedersachsen werden Fachfirmen mit Sondierungsarbeiten betraut, für eine Entschärfung ist dann der Kampfmittel-Beseitigungsdienst zuständig. Thomas Bleicher führt aus: Für die detaillierte Erkundung würden erforderliche Baustellenbereiche von den beauftragten Firmen eingerichtet und für das Öffnen der Verdachtspunkte vorbereitet.

Im Fall eines tatsächlichen Fundes soll es dann ganz zügig gehen. Per Lautsprecherdurchsagen und über die Medien, so erklärt die Stadt, sollen die Menschen darüber informiert werden, dass sie ihre Wohnungen oder Häuser verlassen müssen. Stadtsprecherin Ute Krüger: „Wie viele Menschen betroffen sein könnten, kann erst festgelegt werden, wenn die Untersuchung vollständig abgeschlossen ist und tatsächlich Blindgänger gefunden wurden. Derzeit wird vorsorglich mit Sicherheitsradius von bis zu einem Kilometer vom Fundort geplant.“ Damit wären mehr als 100 Straßen und Plätze betroffen.

Notunterkünfte werden vorsorglich in zwei Turnhallen eingerichtet. Für Menschen, die ihre Wohnung nicht eigenständig verlassen können, steht ein Fahrdienst des DRK bereit.

Aber warum gehen noch sechs Tage ins Land, bis abschließend geklärt wird, ob tatsächlich Blindgänger in Bahnhofsnähe liegen, die entschärft werden müssen? Dazu Stadtsprecherin Ute Krüger: „Dies ist eine Vorgabe der Deutschen Bahn, da es infolge der Untersuchung der Verdachtspunkte zu Gleissperrungen kommt.“

Bis dahin ist im Bereich der Bahnbrücke und des Bahnhofs vorerst nicht mit Sperrungen oder Evakuierungsmaßnahmen zu rechnen: „Eine vorzeitige Evakuierung des Bereichs, ohne dass das Vorhandensein von Bombenblindgängern durch eine weitergehende technische Untersuchung bestätigt wurde, ist derzeit noch nicht erforderlich“, so Thomas Bleicher. Der Bahnverkehr rollt aktuell auch ungehindert, erklärt eine DB-Sprecherin. „Es gibt keine Einschränkungen.“ Wer allerdings beabsichtige, am Sonnabend in einen Zug zu steigen, solle sich rechtzeitig über mögliche Änderungen und Ausfälle informieren. Die Hansestadt hat ein Info-Telefon für Fragen rund um das Thema Blindgänger geschaltet: (0581) 800 62 13.

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