Angespannte Personallage im Gesundheitsamt / Geschäftsführer abberufen

Uelzen soll Corona-Impfzentrum bekommen

In Uelzen soll ein Corona-Impfzentrum eingerichtet werden. Einen konkreten Standort gibt es aber noch nicht. S
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In Uelzen soll ein Corona-Impfzentrum eingerichtet werden. Einen konkreten Standort gibt es aber noch nicht.

Lüchow/Uelzen – Es war eine Mini-Sitzung, zu der sich die Verbandsversammlung des Zweckverbands Gesundheitsamt Uelzen/Lüchow-Dannenberg im Lüchower Kreishaus versammelt hatte. Nach knapp 20 Minuten war alles vorbei.

Doch was besprochen wurde, hat eine deutliche größere Tragweite als die kurze Sitzungsdauer suggeriert. Es ging um die Geschäftsführung des Verbands und die geplanten Corona-Impfzentren sowie die personelle Aufstellung des Zwecksverbands. Die Punkte im Einzelnen:.

Impfzentren

Für den Zweckverband Uelzen/Lüchow-Dannenberg soll lediglich ein einziges Corona-Impfzentrum aufgebaut werden – und zwar in Uelzen. So sieht es das Papier „Covid-19 Impfung in Niedersachsen – Konzeption der Impfzentren“ vor, das jüngst gemeinsam vom Gesundheitsministerium und dem Innenministerium des Landes erarbeitet wurde. Lüchow-Dannenbergs Landrat Jürgen Schulz (parteilos) vermutete in der Versammlung des Zweckverbands, dass es der Lüchow-Dannenbergs „Kleinheit mit wenigen Einwohnern“ geschuldet sein könnte, dass im Nachbarkreis kein solches Zentrum entstehen soll. Auch dass es das gemeinsame Gesundheitsamt mit Uelzen gebe, könnte, so seine Vermutung, zu der Entscheidung beigetragen haben.

Laut Landespapier ist pro 150.000 Einwohner ein Zentrum geplant. Der Aufbau eines Zentrums sei eine „extreme Herausforderung“, so Schulz. Man müsse eine geeignete Liegenschaft für einen Zeitraum von vermutlich etwas mehr als einem Jahr finden, die auch einen Glasfaseranschluss habe und weitere Voraussetzungen erfüllen müsse. „Ich wüsste nicht, was in Lüchow-Dannenberg dafür geeignet sei.“ Einen konkreten Standort in Uelzen gibt es aber ebenfalls noch nicht. „Wir zermartern uns das Hirn“, so Uelzens Landrat Dr. Heiko Blume (CDU). Er kündigte an, dass sich eine Unterarbeitsgruppe des Krisenstabs gründen solle. Das Ganze sei eine „wichtige Aufgabe“. Schulz wies darüber hinaus darauf hin, dass neben der Arbeit des gemeinsamen Gesundheitsamts auch eine Zusammenarbeit der Landkreise im Bereich Katastrophenschutz dabei anstehen dürfte.

Geschäftsführer abberufen

Einstimmig mit den Stimmen beider Landräte hat der Zweckverband seinen Geschäftsführer Claudius Teske mit sofortiger Wirkung abberufen. Teske, bis Anfang Januar dieses Jahres noch Erster Kreisrat in Lüchow-Dannenberg und seitdem in gleicher Funktion in Uelzen, war bei der Versammlung nicht anwesend. Die Abberufung hatte ihren Ursprung in Uelzen genommen. Dem Antrag des dortigen Landkreises zufolge hatte Landrat Dr. Blume am 11. November telefonisch bei Landrat Schulz das Ansinnen angekündigt. Die Gründe sind unbekannt. Auf eine Anfrage der benachbarten Zeitung EJZ im Vorfeld der Sitzung hieß es aus dem Uelzener Kreishaus, dass man sich zu Personalangelegenheiten nicht äußere. Bei der Versammlung sprach Dr. Blume von „persönlichen Angelegenheiten“ und beantragte den Ausschluss der Öffentlichkeit – und damit auch der Presse. Erst zur Abstimmung öffnete sich die Tür zum Sitzungszimmer wieder. Damit bleibt offen: Gab es Streit zwischen Teske und seinem Landrat? Welche Rolle spielt das Pandemie- und Personalmanagement Teskes? Ebenfalls ungeklärt ist die Nachfolge, für die niemand bestimmt wurde. Die Geschäfte übernimmt nun – zumindest vorerst – Teskes bisheriger Stellvertreter Tobias Linke.

Personalsituation

Bereits in der vorigen Sitzung des Zweckverbands, so ist im Protokoll zu lesen, kam die personelle Lage des Amts zur Sprache. Und die ist angespannt. Der leitende Amtsarzt Dr. Gerhard Wermes hat bereits zum Oktober das Gesundheitsamt verlassen und leitet nun jenes der Stadt Braunschweig. Auch seine Stellvertreterin Dr. Claudia Schulze hat ihre Kündigung eingereicht – zu Ende März 2021. Wegen Urlaubstagen und Überstunden sei aber damit zu rechnen, dass sie bereits Ende des Jahres ausscheiden werde. Durch Ausschreibungen konnte die Stelle von Wermes bislang nicht neu besetzt werden. Inzwischen sei sogar ein Headhunter, der aber nur im Erfolgsfalle bezahlt werden müsse, im Einsatz. Auch bei der jüngsten Sitzung kam das Thema Personal erneut aufs Tableau. Nämlich als Landrat Schulz ein Organigramm des Zwecksverbands ansprach, dass seiner Ansicht nach möglicherweise nicht mit dem niedersächsischen Gesetz über den öffentlichen Gesundheitsdienst (NGöGD) vereinbar sei. Der Grund: Die leitende Amtsärzte sind dem Organigramm zufolge nicht weisungsbefugt. Die Befugnisse laufen von der Geschäftsführung über die Amts- und Verwaltungsleiterin Claudia Joschko. Es gebe „keine Weisungslinien“, bemängelte Schulz, jedenfalls „keine, die erkennbar sind“. Man müsse in der Sache „so schnell wie möglich“ zusammenkommen. (Von Christian Franke)

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