Grünes Klassenzimmer am Königsberg

Uelzen: Schüler des Herzog-Ernst-Gymnasiums pflanzen 80 Obstbäume

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Damit Wind und Wetter den Bäumen mit ihren dünnen Stämmen nichts anhaben können, werden sie gesichert.

Uelzen – Schüler des Herzog-Ernst-Gymnasiums greifen zum Spaten. Am Königsberg pflanzen sie 80 Obstbäume. Äpfel, Birnen, Kirschen und Pflaumen sollen künftig nicht nur geerntet und zu Marmelade verarbeitet werden.

Auf der Streuobstwiese sollen Schülern vor allem biologische Vorgänge nähergebracht werden.

Finja Püffel, Anne Kordes und Charlotte Nehring (v.l.) beim Pflanzen eines Uelzener Rambours.

Es ist ein Kraftakt. Aber die Wühlmäuse sollen keine Chance haben. Anne Kordes, Finja Püffel und Charlotte Nehring drücken fest das Schutzgitter um Wurzel und Erde, nachdem sie den jungen Apfelbaum ins Erdloch gehoben haben. Die drei Schülerinnen pflanzen an diesem Morgen mit Jahrgangskameraden des Herzog-Ernst-Gymnasiums am Königsberg insgesamt 80 Obstbäume. „Alles alte Sorten“, wie Biologie-Lehrer Maik Wendler erklärt.

Auf 9.000 Quadratmetern entsteht so eine Streuobstwiese, um die sich das Gymnasium kümmert. Sie ist als grünes Klassenzimmer konzipiert. Das Projekt haben Maik Wendler und die Schule nicht ohne Grund angepackt. „Wir haben festgestellt, dass die Schüler wenig Kenntnisse zu Artenvielfalt und Insekten besitzen“, sagt Wendler.

Anschaulich können Schülern auf der Streuobstwiese biologische Vorgänge nähergebracht werden – beispielsweise zur Bestäubung oder zur genetischen Vielfalt. Für das grüne Klassenzimmer ausgesucht, so erklärt Maik Wendler, wurden ausschließlich alte norddeutsche Obstsorten, die unempfindlich gegen Schädlinge seien. Apfel-, Birn-, Pflaumen- und Kirschbäume werden dort nun wachsen.

Die Schüler entwickeln mit jedem Baum, den sie an diesem Morgen setzen, mehr Routine. Einen Uelzener Rambour, eine alte Apfelsorte, haben Anne Kordes, Finja Püffel und Charlotte Nehring gerade am Wickel. Als das Schutznetz um Wurzelballen und Erde gezurrt ist, wird mit weiterer Erde die Pflanzkuhle gefüllt. Eine Streuobstwiese und damit schuleigenes Obst, das sei doch eine gute Idee, meinen die drei Schülerinnen.

Die Fläche, die an die Straße „Marderhof“ grenzt, ist städtisches Eigentum und wurde der Schule für das Projekt zur Verfügung gestellt. „Es ist ein Pflegevertrag zwischen der Stadt und der Schule abgeschlossen worden“, sagt Maik Wendler. Das heißt: Die Schule hat sich um das Areal und die Bäume darauf zu kümmern – und zwar für einen Zeitraum von mindestens 20 Jahren.

Biologie-Lehrer Maik Wendler (l.) und Henning Lassen zeigen eine der Informationstafeln.

Die entstandenen Kosten beispielsweise für Bäume können mithilfe von Fördergeldern gestemmt werden. Wie Maik Wendler sagt, habe die Bingo-Umweltstiftung die Maßnahme mit einem Betrag von 6.740 Euro unterstützt. Mit dem Geld konnten auch Tafeln erstellt werden, die über den Nutzen der Streuobstwiese für die Schule und auch für die Natur informieren. Denn zusätzliche Obstbäume im Stadtgebiet sind ein Beitrag für die Umwelt. Auch sei, wie Wendler schildert, aus alten Ästen eine sogenannte Benjeshecke entstanden. Das aufgeschichtete Holz bietet Vögeln und Igeln einen Rückzugsort.

VON NORMAN REUTER

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