In der Psyche des Verbrechens

Uelzen: Psychologin Lydia Benecke über die Motivation der Straftäter

Kriminalpsychologin und Autorin Lydia Benecke gastiert im April in der Jabelmannhalle. Schon in ihrer Kindheit war sie von der Psyche der Verbrecher fasziniert.
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Kriminalpsychologin und Autorin Lydia Benecke gastiert im April in der Jabelmannhalle. Schon in ihrer Kindheit war sie von der Psyche der Verbrecher fasziniert.

Uelzen – Sexualstraftäter, Gewaltverbrecher, Psychopathen – das ist die Welt von Kriminalpsychologin und Autorin Lydia Benecke. Am 25. April gastiert sie mit ihrer aktuellen Vortragsreihe „PsychopathINNEN“ in der Uelzener Jabelmannhalle.

Hierbei widmet sich Benecke anhand von Fallbeispielen der Frage, was die weibliche Psychopathie ausmacht. Der AZ verriet die 37-Jährige schon vorher, woher sie ihre Motivation nimmt, sich mit jenen gewaltbereiten Menschen zu beschäftigen.

„Ich habe mich schon immer gefragt, warum es auf der Welt Verbrechen gibt“, sagt Benecke. Im Fernsehen und in Zeitungen verfolgte sie schon seit ihrer Kindheit in Polen die Berichterstattung über Verbrechen aller Art. Schon früh fiel ihr dabei auf, dass sich Umstände vieler Verbrechen auffällig ähnelten. „Verbrechen wiederholen sich. Und wenn es sich wiederholt, muss da eine Logik hinter stecken“, erklärt Benecke. Besonders das „kühle Handeln“ der Täter sei ihr aufgefallen.

Darüber hinaus sei ihr ein spezieller Fall aus ihrem persönlichen Umfeld im Gedächtnis geblieben. In ihrer ohnehin unsicheren Nachbarschaft hauste demnach ein „Serien-Pyromane“, wie Benecke ihn beschreibt, der wiederholt im Keller eines Hochhauses Feuer gelegt hatte. Was ihn dazu trieb, diese Frage habe sie sich immer wieder gestellt.

Aus diesem Grund studierte Benecke Psychologie, Psychopathologie und Forensik und ist seit 2009 als Diplom-Psychologin im Bereich der Gewalt- und Sexualstraftaten tätig. Durch ihre Arbeit kommt Benecke häufiger mit Psychopathen in Kontakt. „Ein Psychopath ist eine Mischung aus Risikofaktoren für unsoziales Verhalten“, erklärt Benecke. Darunter fallen zum Beispiel eine starke Orientierung an den eigenen Bedürfnissen oder das Fehlen von Schuld- oder Angstgefühlen.

Ein Fall blieb Benecke dabei besonders im Gedächtnis. Ein Mann erschlich sich über Chats im Internet das Vertrauen von Frauen, gab sich als Freund und Helfer aus – um sie anschließend in den Selbstmord zu treiben. Während sich sein erstes Opfer erhing, war der Mann per Video zugeschaltet. Dies sei seine „sexuelle Fantasie“ gewesen, weiß Benecke.

Dabei war es schwierig, dem Mann beizukommen, da es sich in diesem Fall um eine „gesetzliche Grauzone“ handelte. „Chatten ist schließlich nicht verboten“, erklärt Benecke. Beim zweiten Mal wollte der Mann beim Selbstmord seines Opfers persönlich dabei sein. So konnte er durch Mithilfe der Frau gefasst werden – der Strick lag schon im Auto bereit.

Bei dem anschließenden Gerichtsprozess fungierte Lydia Benecke als Sachverständige, um die Chatprotokolle zu erläutern. „Da war alles im Chat offenbart“, sagt Benecke. Der Täter war somit eindeutig „sexuell motiviert“ und erhielt 2017 eine siebenjährige Haftstrafe.

Trotz solch belastender Fälle kann Benecke aber Berufliches und Privates trennen. „Man muss die Belastungen emotional auf Distanz halten“, sagt Benecke. Zudem habe sie Freunde mit ähnlichen Herausforderungen, etwa ein Polizist. Mit diesen zu reden, helfe ebenfalls.

Neben ihrer beruflichen Tätigkeit engagiert sich Benecke zudem in der Gesellschaft zur wissenschaftlichen Untersuchung von Parawissenschaften. „Wir nennen uns Skeptiker“, sagt Benecke. Mit ihrem Einsatz verpflichtet sie sich der reinen Wissenschaft und richtet sich gegen Pseudowissenschaft und Verschwörungsmythen – „alles, was irrational ist und auch Schaden verursacht“.

VON DANIEL BIELING

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