Idee des Kinderschutzbundes

Uelzen: Platz der Kinderrechte als Politikum

Er liegt im Herzen Uelzens: Der Herzogenplatz ist Veranstaltungsort fürs Familienfest oder auch für die Eisbahn im Winter – Corona hatte das zuletzt geändert. Jetzt soll er auch zum „Platz der Kinderrechte“ deklariert werden.
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Er liegt im Herzen Uelzens: Der Herzogenplatz ist Veranstaltungsort fürs Familienfest oder auch für die Eisbahn im Winter – Corona hatte das zuletzt geändert. Jetzt soll er auch zum „Platz der Kinderrechte“ deklariert werden.
  • Norman Reuter
    VonNorman Reuter
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Der Herzogenplatz im Herzen der Stadt Uelzen soll zum „Platz der Kinderrechte“ erklärt werden. Wer könnte etwas dagegen haben, fragt man sich. Die Idee des Kinderschutzbundes ist aber zum Politikum geworden.

Uelzen – Es gibt Tage, da strahlt der Herzogenplatz Tristesse aus. Das vorherrschende graue Pflaster fällt einem dann besonders auf. Und es gibt Tage, da wirkt der Platz bunt und lebhaft. Wenn er beispielsweise zum Austragungsort fürs Uelzener Familienfest oder für die Kinderstadt-Wette wird. Und im Winter, wenn Steppke ihre Runden auf der Eisbahn drehen, ist Kinderlachen zu hören. Jetzt soll er in der kommenden Woche zum „Platz der Kinderrechte“ erklärt werden. Die Idee hat politische Diskussionen ausgelöst. Im Juni fand sich dafür nur eine knappe Mehrheit im Sozialausschuss.

Ideengeber war der Kinderschutzbund Uelzen. Der Ortsverband feiert in diesem Jahr seinen 60. Geburtstag. „Da haben wir gesagt, das wäre doch eine super Geschichte, wenn wir einen Platz der Kinderrechte in Uelzen bekommen“, sagt Gabriel Siller, Vorsitzender des Kinderschutzbundes. Er sei überrascht gewesen, dass sich daran eine Diskussion entzündet habe. „Das hätte ich niemals erwartet“, sagt Gabriel Siller.

Die Vereinten Nationen haben schon vor mehr als 30 Jahren eine Konvention zu Kinderrechten verabschiedet. Siller nennt Beispiele, was darunter zu verstehen ist: Kein Kind dürfe benachteiligt werden. Kinder hätten das Recht auf Schutz vor Gewalt. Kinder hätten das Recht, gesund zu leben. Themen, denen sich der Kinderschutzbund Uelzen in seiner täglichen Arbeit verschrieben hat.

Den Antrag in die Politik eingebracht hat nicht der Kinderschutzbund, sondern die SPD im Rat. Die stellvertretende Vorsitzende des Kinderschutzbundes, Stefanie Reese, ist Mitglied der SPD-Fraktion. Der SPD-Fraktionsvorsitzende Klaus Knust sagt dann auch: „Wir haben die Idee aufgegriffen.“

Im Sozialausschuss am 22. Juni wurde der Antrag behandelt. Dem Protokoll der Sitzung ist zu entnehmen, dass es fünf Ja-Stimmen, vier Nein-Stimmen und eine Enthaltung zu der Frage gab, ob ein „Platz der Kinderrechte“ ausgerufen werden soll.

Markus Hannemann, Vorsitzender der CDU-Fraktion, räumt ein, dass man zunächst mit dem Antrag in seiner Form Bauchschmerzen hatte. „Er war nicht mit Leben gefüllt“, sagt Hannemann. Nur einen Platz zusätzlich zu benennen, reiche nicht. Es brauche auch Sichtbares, eine Auseinandersetzung mit dem Thema.

Karl-Heinz Schmäschke, Vorsitzender der Gruppe aus Grünen, FDP, Piraten und Linke, sagt auch: Eine Benennung alleine reicht nicht. Dass Kinder Rechte hätten, müsse auch in der Politik gelebt werden. Er erinnert an einen Antrag, der darauf abzielte, dass bei der Vergabe von Kindertagesstätten-Plätzen in der Stadt stärker auf die Belange der Kinder geschaut werde. Die Diskussion sei damals ohne zufriedenstellendes Ergebnis aus Sicht seiner Gruppe zu Ende gegangen. „Es braucht etwas Mahnendes, das uns daran erinnert, dass noch Arbeit ansteht“, sagt Schmäschke.

Klaus Knust meint, der Antrag habe darauf abgezielt, einen ersten Schritt zu gehen: „Es muss natürlich weiter mit Leben gefüllt werden.“

Das solle passieren. Auch das „Mahnende“, wie es Schmäschke formuliert, solle kommen. Das habe die Diskussion erbracht. Die diesjährige Kinder-Stadtwette wird sich mit dem Thema befassen (Siehe Zum Thema). Im Herbst soll eine Tafel zu Kinderrechten am Herzogenplatz aufgestellt werden.

Zunächst muss er aber noch zum „Platz der Kinderrechte“ erklärt werden. Der Rat hat am kommenden Montag das letzte Wort dazu. Dass der Antrag dort behandelt wird, dafür hat sich die SPD stark gemacht: Man glaube schon, dass das ein Thema sei, für das sich auch die Öffentlichkeit interessiere, erklärt Klaus Knust.

Wie wird die Abstimmung ausgehen? Ralf Munstermann, Vorsitzender der UWG, sagt: „Man kann nichts dagegen sagen, dass ein Platz der Kinderrechte kommt. Er schadet nicht. Aber es muss auch dargestellt werden, dass Kinder Rechte haben und schutzbedürftig sind.“ Von der Fraktion „WIR für Uelzen war zunächst keine Stellungnahme zu bekommen. Die CDU kündigte an, jetzt „guten Gewissens zustimmen zu können“.

Karl-Heinz Schmäschke kündigte ebenfalls die Zustimmung seiner Gruppe an. Wenn die Tafel komme, wenige Meter vom Rathaus entfernt, dann sei das etwas Mahnendes für die Politiker, bei ihren Entscheidungen die Kinderrechte im Blick zu behalten. Da gebe es noch Arbeit. Er sagt: „So oder so – es wird kein Siegerdenkmal, es wird ein Mahnmal.“

Geplante Kinder-Stadtwette

Eine Kinder-Stadtwette, bei der wie in Vor-Corona-Zeiten, 700 bis 1000 Kinder und ihre Angehörigen in der Innenstadt zusammenkommen, ist in diesem Jahr noch nicht möglich. Aus diesem Grund soll, wie bereits 2020, eine coronakonforme Lösung genutzt werden. Die Idee ist nun, dass sich die Kinder-Stadtwette mit den Kinderrechten befasst. Sie lautet: „Der Bürgermeister wettet, dass die Kinder der Hansestadt Uelzen es nicht schaffen werden, bis zum 17. September Vorlagen für eine Tafel mit den Kinderrechten zu entwerfen.“ Sollte es den Kindern gelingen, so teilt die Stadtverwaltung mit, dann werde eine Jury aus den Einsendungen den schönsten Entwurf auswählen. Dieser Entwurf solle als Vorlage für ein Schild genutzt werden, das dann dauerhaft auf dem Herzogenplatz aufgestellt wird.

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