Zuckerproduzent stimmt Rübenbauer auf schwierige Jahre ein

Uelzen: Personal-Abbau bei Nordzucker AG geplant

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Die Nordzucker AG, Europas zweitgrößter Zuckerproduzent, schließt das Jahr voraussichtlich mit einem Verlust von 40 Millionen Euro ab.

Uelzen. Der Finanzvorstand der Nordzucker AG hat die Rübenanbauer auf schwierige Jahre eingestimmt.

Alexander Bott wies auf der Mitgliederversammlung des Rüberanbauer- und Aktionärsverbandes Nord darauf hin, dass das Jahr voraussichtlich mit einem Verlust von 40 Millionen Euro abgeschlossen wird.

Alexander Bott

Bott kündigte in Uelzens Jabelmannhalle Restrukturierungen im Kerngeschäft auch wegen des „Zehn-Jahres-Tiefs“ des Zuckerpreises an den Weltmärkten an. Die Absatzpreise seien auch in der EU „enorm unter Druck“. Bott sagte: „Wir werden über mehrere Jahre keine Gewinne generieren und haben einige Hausaufgaben anzugehen“. So sei man „im Verwaltungskostenbereich recht massiv aufgestellt“. Die „Ergebnislücke“ mache ohne Einsparungen im nächsten Jahr 50 bis 100 Millionen Euro aus. Man wolle die Kosten für die kommenden Jahre reduzieren. Personalkosten und Sachkosten sollen je zur Hälfte 40 Millionen Euro Einsparungen bringen.

Betroffen seien vor allem die Standorte Braunschweig und Kopenhagen. Einsparungen seien überdies bei den Frachtkosten geplant. „Wir wollen immer auch die Gremien mitnehmen – und wollen nichts kaputtmachen“, sagte Bott. Außerdem wolle die Nordzucker AG weiterhin die Mehrheit beim australischen Rohrzuckerhersteller Mackay Sugar übernehmen.

Im vergangenen Oktober hatte die EU den Zuckermarkt liberalisiert. Der bis dahin streng reglementierte Markt ist geöffnet und die Unternehmen müssen ohne einen garantierten Mindestpreis für den Agrarrohstoff auskommen.

Eckhard Hinrichs

Eckhard Hinrichs aus Wieren, der auf der Versammlung für weitere drei Jahre in den Vorstand gewählt wurde, sagte der AZ: „Die Zeiten sind ja nicht so ganz einfach. Die Rübe aber passt hierher. Wir hoffen, dass es preislich attraktiv bleibt.“ Der dann nach vorstandsinternen Wahlen wahrscheinlich auch künftige Vorsitzende sagte an die Adresse von Bott gerichtet: „Wir wünschen Ihnen ein glückliches Händchen, damit die Personalkostenreduzierung so verträglich wie möglich wird. Es geht hier schließlich um Menschen.“

Stefan Büsching

Hinrichs und der Geschäftsführer des Rübenanbauer- und Aktionärsverbandes Nord, Stefan Büsching, arbeiteten in ihrem Geschäftsbericht 2017/2018 heraus, dass der Verband die Landwirte nicht nur bei Preisverhandlungen mit der Nordzucker AG, bei der Kommunikation und der Werbung unterstützt, sondern auch beim Pflanzenschutz an ihrer Seite steht. Für den Verband mit seinen 1052 Mitgliedern und 1,65 Millionen Tonnen vertraglich erzeugten Rüben hielt Büsching fest, „dass der Zuckertrag der Rüben mit durchschnittlich plus 2,3 Prozent in den vergangenen Jahren weiter positiv ist“. Büsching sagte: „Ob das zu halten ist, ist offen.“ Er verwies auch auf die Diskussionen um den Einsatz von bestimmten Insektiziden und Herbiziden im Ackerbau. Die Ernte 2017 sei mit knapp 13 Tonnen je Hektar trotz der Nässe noch durchschnittlich ausgefallen.

Georg Sander, der im Uelzener Nordzucker-Werk für die Rübenbeschaffung zuständig ist, betonte, dass Uelzen in 2019/2020 10,3 Millionen Euro investieren werde. So soll das Hochregallager zur nächsten Kampagne mit Platz für 13 500 Paletten fertiggestellt sein. Die diesjährige Kampagne werde um den 17. Januar beendet sein. „Wir verarbeiten häufig um 20.000 Tonnen in 24 Stunden.“ Durch die Trockenheit sei „sehr viel Kraut“ in der Produktion angefallen.

Von Christian Holzgreve

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