Tagestreff ist an die Luisenstraße gezogen

Uelzen: Neue „Bleibe“ für Obdachlose

Für Besucher stehen nicht nur Spinde bereit, sondern auch ein Regal mit Büchern und Spielen, wie Raphael Schweimer-Schmidt erklärt.
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Für Besucher stehen nicht nur Spinde bereit, sondern auch ein Regal mit Büchern und Spielen, wie Raphael Schweimer-Schmidt erklärt.

Uelzen – Der Uelzener Tagestreff für Obdachlose und Menschen in prekären Wohnsituationen ist an die Luisenstraße gezogen. Dort ist mehr Platz. Das hilft in Pandemie-Zeiten.

Nudeln mit Hackfleischsoße stehen auf dem Essensplan. Sozialarbeiterin Gabriele Weiss bereitet das Mahl für Bedürftige vor, die keine Bleibe haben oder nicht in der Lage sind, in den eigenen vier Wänden ein Essen zu kochen.

Seit gut drei Jahrzehnten gibt für diese Menschen einen Tagestreff in Uelzen als Anlaufstelle. Er ist jetzt umgezogen – von der Alten Wiesenstraße an die Luisenstraße.

Genutzt werden Räume einer ehemaligen Anwaltskanzlei. Ein Fahrstuhl erlaubt den barrierefreien Zugang. Mitunter finden Menschen jenseits der achtzig Lebensjahre den Weg zum Tagestreff. An der Luisenstraße ist es nun auch geräumiger. Sozialarbeiter Raphael Schweimer-Schmidt: „240 Quadratmeter stehen zur Verfügung.“

Das hilft im Alltag des Tagestreffs. Das Personal hat erstmals einen Besprechungsraum. Obdachlose können nun auch einen Ruheraum nutzen, wenn sie schlaflose Zeiten hinter sich haben. Statt bisher eine Waschmaschine stehen nun zwei bereit, die die Besucher nutzen können. Waschgänge sind anzumelden. Im alten Tagestreff hatte es Wartezeiten von bis zu zwei Wochen im Voraus gegeben. „Jetzt sind wir flexibler“, sagt Schweimer-Schmidt.

Ein Mittagstisch wird für die Besucher angeboten. Heute stehen Nudeln und Hackfleischsoße auf dem Essensplan. Gabriele Weiss bereitet das Mahl vor.

Die Küche, in der Gabriele Weiss gerade die Zwiebeln schneidet, ist mit sechs Herdplatten ausgestattet. Eine Dunstabzugshaube ist montiert. Ein großer Kühlschrank steht bereit. Eine Durchreiche hilft bei der Essensaus- gabe.

Im neuen Gemeinschaftsraum ist auch mehr Platz. So lassen sich Vorgaben zum Infektionsschutz gut umsetzen. Die Tische wurden auseinandergerückt. Eine, maximal zwei Personen dürfen an ihnen Platz nehmen.

Für den Mittagstisch haben sich Obdachlose angekündigt. Wie Schweimer-Schmidt berichtet, habe es mit regelmäßigen Besuchern Gespräche hinsichtlich des Umzuges gegeben, damit sie auch den Weg zu den neuen Räumen finden. Allerdings, ob nun corona-bedingt oder durch den Umzug, sind die Anlaufzahlen aktuell nicht so hoch wie üblich. Wie Schweimer-Schmidt sagt, müsse sich mancher Besucher auch an die neuen Gegebenheiten gewöhnen. „Sie schauen vorbei, lassen den neuen Tagestreff auf sich wirken.“

Begonnen hat der Tagestreff mit 25 Quadratmetern auf dem Herzogenplatz, fast auf den Tag genau war er 25 Jahre an der Alten Wiesenstraße zu finden, bevor jetzt die Räume an der Luisenstraße bezogen wurden, in der eine andere Betreuung möglich ist. Die Einrichtung wird getragen vom Lebensraum Diakonie und wird finanziell unterstützt durch den Landkreis, das Land, den Kirchenkreis sowie durch Spenden. Der Umzug mit der Ausstattung der Räume hat zwischen 170 000 und 200 000 Euro gekostet. Wie Schweimer-Schmidt sagt, habe man eine Förderung der „Aktion Mensch“ erhalten und auch ein vor einigen Jahren erhaltenes Erbe nutzen können.

VON NORMAN REUTER

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