Uelzen: Menschliche Nähe trotz Corona

Elisabeth Knak freut sich über freundliche DRK-Mitarbeiter wie Maike Zacho-Müller.
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Elisabeth Knak freut sich über freundliche DRK-Mitarbeiter wie Maike Zacho-Müller.

Uelzen – Körperliche Kontakte sollten auf ein Minimum beschränkt werden – das ist das große Credo der Corona-Pandemie. Doch was ist, wenn das gar nicht möglich ist? Kranken- und Altenpfleger etwa müssen mit ihren Patienten auf Tuchfühlung gehen.

Die AZ hat den ambulanten Pflegedienst des DRK bei einer Tour durch die hauseigenen Senioren-Wohnungen begleitet.

Es ist 7.30 Uhr morgens. Die Sonne ist noch nicht aufgegangen. Wo andere vielleicht gerade zum ersten Mal in ihr Frühstücksei beißen, ist Maike Zacho-Müller schon lange auf den Beinen. Die 50-Jährige ist Hilfspflegekraft beim Uelzener DRK, ihr Arbeitstag beginnt um 6 Uhr. Eineinhalb Stunden nach Dienstbeginn hat Zacho-Müller bereits zwei Patienten auf ihrer 13-köpfigen Liste „abgehakt“.

Immer für Patienten da

Marianne Freidanck ist die dritte. Die Seniorin wohnt seit 2018 in einer der Wohnungen mit ambulanter Betreuung des DRK-Komplexes an der Ripdorfer Straße und hat Maike Zacho-Müller schon erwartet. Bedingt durch eine Hüft-OP werden Freidancks Beine manchmal dick, sodass ihr Zacho-Müller beim Anziehen der Socken hilft. Die Seniorin ist dankbar, dass auch unter Corona die Pflege weiter läuft.

Zacho-Müller erzählt, sie habe zunächst wie viele andere geglaubt, dass es sich bei Corona um eine Art Grippe handele. Inzwischen betrachtet sie die Entwicklung aber mit mehr Sorge. Eine vergleichbare Situation habe sie nie erlebt: „Da kriegt man schon ein bisschen Bammel. Man überspielt das aber, um den Patienten die Angst zu nehmen.“

Denn das Virus und die damit verbundenen Einschränkungen haben auch Auswirkungen auf die Senioren. Viele seien einsam, erzählt Zacho-Müller, und würden auch gerne mal wieder in den Arm genommen werden. „Das geht jetzt natürlich nicht. Da sind die schon sehr traurig.“

Ein offenes Ohr für die Wünsche und Ängste ihrer Patienten hat Zacho-Müller aber weiterhin – und das kommt an. „Das Tolle an der Sache ist, dass die Mitarbeiter total freundlich sind“, sagt die Tochter von Bewohnerin Elisabeth Knak. Die nickt bestätigend. Veränderungen in der Pflege seien ihr trotz der neuen Umstände kaum aufgefallen – da darf Maike Zacho-Müller quasi als Belohnung schon mal in die Süßigkeiten-Schale greifen.

Weder Unsicherheit noch Kontaktangst

Von Unsicherheit oder Kontaktangst ist auch bei Marianne Fiebig, die von Anfang an in einer der DRK-Wohnungen lebt, nichts zu spüren. Maike Zacho-Müller trägt Mundschutz und Einmal-Handschuhe, während sie Fiebig beim Duschen behilflich ist. Die Hygieneregeln werden eingehalten. „Da fühle ich mich nicht unsicher“, sagt Marianne Fiebig.

Anders sieht es da bei Werner Moreyko aus. Zwei Schlaganfälle hat er hinter sich und gehört dementsprechend zur Risikogruppe. Sorgen, sich anzustecken, habe er schon, sagt der Senior. Die regelmäßigen Treffen mit der Herrengruppe vermisse er trotzdem. „Corona ist natürlich eine unheimliche Behinderung“, findet Moreyko.

Von vielen Einschränkungen berichtet auch Rüdiger Schlechter, Bereichsleiter Altenhilfe. Unter anderem seien die Besuchszeiten reduziert und auch gemeinsame Aktivitäten wie Singen oder Ausflüge gestrichen worden. Auf die Pflegetätigkeit habe Corona aber wenig Auswirkungen – auf Hygiene wurde auch schon vorher geachtet.

Dass es bei der Versorgung der mehr als 400 vom DRK ambulant versorgten Patienten im Landkreis bislang kaum Einschränkungen gegeben habe, führt Schlechter zum einen auf die geschulten und flexiblen Mitarbeiter zurück, zum anderen aber auch auf die relativ entspannte Corona-Lage im Kreis. Er mahnt aber – auch mit Blick auf eine mögliche Knappheit von Schutzkleidung und anderem – zur Vorsicht: „Wenn es uns richtig erwischt, dann weiß ich nicht, ob das noch alles so ausreicht.“ VON DANIEL BIELING

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