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Geständnis zum Prozessauftakt: Brand „aus Frust“ gelegt

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Von: Lars Becker

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Das großflächig verkohlte Holz lässt erahnen, wie sehr sich die Flammen in dem Lagerschuppen auf dem Gelände der Obdachlosen-Unterkunft „Im Böh“ ausgebreitet hatten. Der Angeklagte gestand die Tat beim Prozessauftakt.
Das großflächig verkohlte Holz lässt erahnen, wie sehr sich die Flammen in dem Lagerschuppen auf dem Gelände der Obdachlosen-Unterkunft „Im Böh“ ausgebreitet hatten. Der Angeklagte gestand die Tat beim Prozessauftakt. © Feuerwehr Uelzen

Vor der 11. Großen Strafkammer des Landgerichts Lüneburg hat der Prozess gegen einen 47-Jährigen begonnen, der in der Obdachlosen-Unterkunft „Im Böh“ Feuer gelegt haben soll. Der Mann gab die Tat zu und äußerte sich zum Motiv.

Lüneburg/Uelzen – „Der Brand zog schon ins Dach.“ Das sagte der stellvertretende Uelzener Ortsbrandmeister Jürgen Kaune fast auf den Tag genau vor sechs Monaten unter dem frischen Eindruck des Feuers im Gespräch mit der AZ vor der Obdachenlosen-Unterkunft „Im Böh“.

Und die Anklage bestätigte am Montag beim Prozessauftakt wegen schwerer Brandstiftung vor der 11. Großen Strafkammer des Landgerichtes Lüneburg: Die Flammen, für die ein 47-Jähriger am 22. Juni vorsätzlich gesorgt haben soll, indem er eine Plastiktüte mit Müll anzündete und diese danach in eine hölzerne Kiste warf, hatten von dort schon auf eine Tür, einen Verschlag und das tragende Holzwerk des Dachstuhls übergegriffen.

Ein beherzter Löschangriff der Feuerwehr Uelzen verhinderte Schlimmeres – vor allem schlimme Verletzungen der Bewohner, die in den Verschlägen des Lagergebäudes ihre oft wenigen Habseligkeiten abstellen dürfen und sich deshalb in dem Gebäude zumindest sporadisch aufhalten. Billigend habe der Angeklagte in Kauf genommen, dass nicht nur Inventar und Gebäude Schaden nahmen, sondern dass auch Menschenleben hätten in Gefahr geraten können.

Bier und Wodka konsumiert

Nach der Verlesung der Anklage räumte der Uelzener den Tatvorwurf – wie schon in seinen polizeilichen Vernehmungen (AZ berichtete) – ein. Neben seine Verteidigerin Wiebke Schröder sitzend antwortete er auf die Frage der Vorsitzenden Richterin Silja Precht, ob und was er zu den Vorwürfen zu sagen habe: „Ja, das ist so gewesen.“

Warum er das denn getan habe, wollte Precht wissen. „Aus Frust“, erklärte der 47-Jährige. Und ja, es sei schon an diesem Vormittag gegen 11.30 Uhr Alkohol im Spiel gewesen – sowohl einige halbe Liter Bier als auch eine halbe Flasche Wodka. „Ich habe mit ein paar Jungs zusammen getrunken, vier oder fünf Mann waren wir“, so der Angeklagte.

Erster Prozesstag dauert zwölf Minuten

Was er denn gemacht habe, nachdem er den Müll angesteckt habe, wollte die Staatsanwältin wissen. „Ich hab‘ das dahin geschmissen und bin wieder weg, zu mir in mein Zimmer auf dem Gelände“, so der Uelzener.

Nach exakt zwölf Minuten war der erste Verhandlungstag dann auch schon wieder Geschichte. Denn in die umfassende Beweisaufnahme steigt die 11. Große Strafkammer erst nach dem Jahreswechsel ein. Für den 4. Januar 2022 (9.30 Uhr, Saal 121) sind neun Zeugen vorgeladen, die die Ereignisse des 22. Juni schildern sollen. Dann wird auch der psychiatrische Gutachter Dr. Reiner Friedrich aus Lüneburg dabei sein, der am Ende des Prozesses etwas zur Schuldfähigkeit des Mannes sagen wird. Es sind noch vier weitere Prozesstage im Januar 2022 angesetzt worden.

In Handfesseln aus der JVA vorgeführt

Nicht nur in dem besagten Lagerschuppen „Im Böh“, sondern auch noch in einem Mülleimer im Waschraum sowie in einer Mülltonne war seinerzeit Feuer gelegt worden. Der 47-Jährige steht im Verdacht, auch dafür verantwortlich gewesen zu sein – ebenso wie für weitere Feuer in der Hansestadt, beispielsweise am Containerstandort in der Spottstraße.

In Handfesseln wurde der Uelzener am Montag in den Gerichtssaal gebracht und dann auch wieder abgeführt. Er sitzt in der Lüneburger Abteilung der JVA Uelzen in Untersuchungshaft.

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