Schließungen fallen in umsatzstärkste Zeit / Salons in Existenznot

Uelzen: Lockdown trifft Friseure ins Mark

Haarewaschen, Mund-Nase-Bedeckung, Abstand zwischen den Kunden und alle Plätze desinfizieren: Für Friseur-Salons galten strenge Auflagen, ab heute ist alles zu.
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Haarewaschen, Mund-Nase-Bedeckung, Abstand zwischen den Kunden und alle Plätze desinfizieren: Für Friseur-Salons galten strenge Auflagen, ab heute ist alles zu.
  • Lars Becker
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Uelzen – Die Szenarien, die sich ab dem vergangenen Sonntagvormittag bei vielen Betreibern von Friseursalons auch in Hansestadt und Landkreis Uelzen abgespielt haben, dürften überall vergleichbar gewesen sein: Mit der Bekanntgabe des Lockdowns, der von Mittwoch an zunächst bis zum 10. Januar 2021 gilt, sind die Telefonleitungen bestimmt heiß gelaufen.

Es gab viel unfreiwilligen Gesprächsstoff: zunächst mit den Angestellten, vor allem aber auch mit den Kunden, die jetzt für die Tage vor Weihnachten noch Termine vereinbart hatten. .

In der umsatzstärksten Zeit des Jahres trifft nun stattdessen der zweite Lockdown die ganze Branche mit voller Wucht. Viele Salonbetreiber hatten es kommen sehen, vor allem jedoch gehofft, dass sie ihre Geschäfte zumindest noch die gesamte Woche bis zum vierten Advent öffnen dürfen. Bund und Länder machten ihnen mit Verweis auf das Infektionsgeschehen im Zusammenhang mit der Corona-Pandemie jedoch einen Strich durch die Rechnung – durch die terminliche, vor allem aber auch durch die betriebswirtschaftliche.

„Ich habe Sonntag angefangen, alle Kunden anzurufen und versucht, irgendwie unter Corona-Bedingungen eine Sechs-Tage-Woche auf 48 Stunden zu komprimieren“, sagt Claudia Schmidt vom „Lifestyle“ in Holdenstedt. Am Montag und gestern wurden die Öffnungszeiten auf das Fenster von 7 bis 21.30 Uhr ausgedehnt, um möglichst viele Kundinnen und Kunden bedienen zu können. Dabei hielten sich übrigens Frauen und Männer die Waage, wie Schmidt betont. Die Obermeisterin der Friseur-Innung Lüneburger Heide weiß von vielen Salons, die ähnlich vorgegangen sind.

Sie weiß aber auch: „Viele Kolleginnen und Kollegen haben einfach keine Rücklagen mehr, weil viel davon im ersten Lockdown aufgebraucht worden ist. Und um ehrlich zu sein: Ich sehe nicht, dass wir am 10. Januar wieder starten können. Ich rechne eher mit Ende Januar – das wären wieder sechs Wochen, also wieder ein kompletter Turnus von Friseurkunden. Für den einen oder anderen wird es eng“, blickt Claudia Schmidt sorgenvoll nach vorne. Weil obendrein die Soforthilfen im Frühjahr wenig bis gar nicht funktioniert haben, hofft sie fest, dass es jetzt andere Hilfsinstrumente von Bund und Land gibt. „Der Branche würde es sehr helfen, wenn wir 75 Prozent des durchschnittlichen Monatseinkommens des Vorjahres bekämen und das als Einnahme versteuern würden. Aber bitte nicht kompliziert – sondern über Steuerberater und Finanzamt vor Ort. Die Sachbearbeiter kennen doch ihre Betriebe. Die Experten sollten unbedingt die Leute aus der Praxis fragen.“

Joachim Schulze (68), Geschäftsführer ohne Friseurausbildung vom gleichnamigen Salon in Bad Bodenteich, hätte auch eine Idee, was kurzfristig helfen würde: „Mit einem Umsatzsteuer-Verzicht für den Dezember wäre schon vielen geholfen.“ Er beschäftigt sechs Angestellte, zwei davon in Diesdorf im Altmarkkreis Salzwedel. Dort wurde der sonst freie Montag gestrichen, der Arbeitsbeginn auf 7.30 Uhr vorverlegt und auch nach 20 Uhr ausgedehnt. „Eine drei Tage längere Öffnung hätte uns geholfen. Schade, dass wir nicht bis Freitag öffnen dürfen“, so Schulze, der angesichts von deutlichen Mindereinnahmen seit dem ersten Lockdown („Viele sparen sich das Geld für den Friseur!“) vorgesorgt hat: Versicherungen werden nicht schon im Januar, sondern erst im Mai oder Juni 2021 bezahlt.

Und welche Frisuren sind jetzt im Trend? Claudia Schmidt antwortet trotz aller negativen Stimmung mit einem leichten Lachen: „Pflegeleicht und praktisch. Neustylings machen wir dann wieder 2021.“

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