Neue Bekleidungsstelle wird gesucht

Letzter Kleidertransport nach Gomel: Helfer schicken 40-Tonner auf den Weg

Organisator Arno Kindler beim packen der Kleiderkisten für Gomel. Wie es für die Bekleidungsstelle weitergeht steht noch in den Sternen, da neue Räume fehlen.
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Organisator Arno Kindler beim packen der Kleiderkisten für Gomel. Wie es für die Bekleidungsstelle weitergeht steht noch in den Sternen, da neue Räume fehlen.

Uelzen-Groß Liedern – Wehmut machte sich breit unter den Helfern. Ein vielleicht letztes Mal rollte ein Lkw aus Gomel auf den Hof der Bekleidungsstelle in Groß Liedern.

Nachdem bereits im März ein 40-Tonner mehr als rund 1600 Bananenkartons mit Kleidung nach Belarus brachte, wurde jetzt wieder die gleiche Menge verladen.

Nach einer gut sechswöchigen Schließung während der Corona-Pandemie wurden die ehrenamtlich tätigen Helfer des Gomel-Ausschusses im Kirchenkreis mit einer wahren Flut an gebrauchten Textilien überrascht. „Viele haben die Zeit zu Hause wohl genutzt, um ihre Kleiderschränke aufzuräumen“, sagt Ausschussmitglied und Organisator Arno Klinder. Zeitweise stauten sich die Anlieferungen. Angesichts der bevorstehenden Veräußerung des Geländes zum Jahresende musste die Bekleidungsstelle aus Mangel an Lagerplätzen bald wieder schließen.

„Wir hatten innerhalb von wenigen Wochen die Kapazitäten erreicht, um wieder einen Lkw nach Gomel zu schicken. Jetzt kann keine weitere Kleidung mehr angenommen werden, weil das Lager geräumt werden muss“, bedauert Klinder die Situation und: „Der Altkleidermarkt ist zurzeit gesättigt. Nicht mehr verwertbare Kleidung muss kostenpflichtig der Entsorgung zugeführt werden. Der Tonnenpreis bewegt sich im dreistelligen Bereich.“

Rund zehn freiwillige Helfer beluden den Lkw mit Bananenkartons getrennt nach Kleidung für Erwachsene und Kinder, nach Schuhen, Bettwäsche oder Decken. Über eine Rampe brachte man die Kartons auf die Ladefläche und stapelte sie sicher. Nach etwas mehr als zwei Stunden war die Arbeit getan.

Die Sammlung von gut erhaltenen Kleidungsstücken war für den Gomel-Ausschuss immer ein wichtiger Baustein der direkten Hilfe vor Ort, kamen doch die gebrauchten Textilien durch die vertrauensvolle Zusammenarbeit mit belarussischen Organisationen bei hilfsbedürftigen Familien an.

Wie es jetzt mit der Bekleidungsstelle weitergehen soll, weiß noch niemand. Neue Räumlichkeiten sind noch nicht gefunden. „Diese sollten für den Kreis möglichst zentral im Uelzener Raum liegen, groß genug sein und von einem großen Lkw angefahren werden können“, sagt Klinder und hofft, dass es im neuen Jahr zu einer Neueröffnung kommt. Der noch vorhandene Textilien-Überschuss wird einmalig kostenlos von der Brockensammlung Bethel abgeholt. Rollatoren, Gehhilfen oder auch Toilettenstühle gehen an den Uelzener Verein für deutsch-weißrussische Beziehungen für einen im Oktober geplanten Hilfstransport nach Kobrin.

Gomel liegt im Südosten des Landes, unweit von Russland und der Ukraine und 130 Kilometer vom Atomkraftwerk Tschernobyl entfernt. Bei der Explosion eines Reaktors wurde 1986 das Gebiet um Gomel am stärksten radioaktiv verstrahlt. VON ULRICH BLEUEL

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