Polizei kontrolliert, stationäre Aufnahmen in psychiatrischer Klinik, besorgte Suchtexperten

Uelzen: Leben mit der Kontaktsperre

Polizisten sind aktuell auf Streife, um zu kontrollieren, ob die Vorgaben zum Kontaktverbot eingehalten werden – hier ein Trupp in Bayern.
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Polizisten sind aktuell auf Streife, um zu kontrollieren, ob die Vorgaben zum Kontaktverbot eingehalten werden – hier ein Trupp in Bayern.

Uelzen/Landkreis – Es bleibt dabei – auch während der Osterfeiertage: Der Kontakt zwischen Menschen, die nicht zusammenleben, ist auf ein absolutes Minimum zu reduzieren.

Wie Polizeisprecher Kai Richter sagt, seien Uelzener Kräfte des Streifendienstes unterwegs, um zu prüfen, ob sich die Menschen daran halten.

Unterstützt würden die Streifengänge und -fahrten von der Bereitschaftspolizei aus Lüneburg. Aktiv würden die Polizisten, wie Richter schildert, auch nach Hinweisen aus der Bevölkerung. „Es gibt Anrufe“, so Richter.

Die Osterfeiertage stehen an. Der Sprecher erklärt, man wolle zu dieser Zeit noch präsenter sein. „Das Ostereiersuchen im eigenen Garten ist möglich“, sagt Richter. Aber von Treffen und vom Grillen mit Freunden sei abzusehen. Die Menschen sollten es sich aber so schön wie möglich machen, damit beispielsweise schwelende Konflikte in Familien nicht eskalieren.

Noch „ruhig“ im Frauenhaus

„Noch ist es sehr ruhig“, berichtet Britta Hönig vom Frauenhaus in Uelzen. „Aber wir vermuten, das ist die Ruhe vor dem Sturm.“ Um vor diesem gewappnet zu sein, habe das Frauenhaus einen Notfallplan in der Schublade. „Das größte Problem besteht darin, dass aktuell alle Plätze belegt sind“, so Hönig. Auch in Corona-Zeiten läuft die Beratung für von Gewalt betroffenen Frauen weiter. „Das läuft hauptsächlich telefonisch oder per Mail.“

Frauen, die Gewalt erleben, leiden besonders darunter, dass sie durch die Kontaktsperre keine Möglichkeit haben, ihrem Alltag zu entfliehen. „Mal rausgehen, einkaufen, die Kinder vom Kindergarten abholen – solche Dinge sind schwierig geworden.“

Entschleunigung hilft mitunter Suchtkranken

Fehlende Kontakte und Einsamkeit können in ein Suchtverhalten führen oder den Suchtdruck verstärken. Die Uelzener Fachstelle für Sucht betreut weiter Betroffene telefonisch (0581 97 18 95 20) wie auch mit dem gebotenen Abstand persönlich. Wie Christiane Steckelberg sagt, würde im Einzelfall je nach Vorgeschichte und Charakter entschieden, ob weiter direkte Gespräche stattfinden. Manchem Betroffenen helfe jetzt auch die Entschleunigung etwas, weil sie sich nicht genötigt fühlen, immer funktionieren zu müssen, so Steckelberg. Allerdings sehe sie schon das Risiko, dass in diesen Zeiten Menschen durch Ängste, finanzielle Sorgen und Einsamkeit ein Suchtverhalten entwickeln (siehe Seite 1).

Einsamkeit macht Menschen zu schaffen

Die psychiatrische Klinik in Uelzen nimmt zurzeit Menschen stationär auf, denen – wie die leitende Oberärztin Reinhild Schulze erklärt – die fehlenden Kontakte zu schaffen machen. Es seien Menschen, die massiv unter Einsamkeit leiden, so Schulze. Alter oder Bildungsstand spielten dabei weniger eine Rolle, so die erste Einschätzung. Es treffe Personen, deren Alltag sonst von sozialen Kontakten zu Familie und Freunden geprägt sei, so Schulze.

Ansteckungsrisiken und finanzielle Sorgen verschlimmerten auch die Situation für Menschen, die unter Angstzuständen leiden. „Das wird befeuert“, so die Psychiaterin. Die Klinik war zunächst von höheren Fallzahlen ausgegangen. Allerdings müsse die Entwicklung abgewartet werden, so Schulze.

VON NICOLE LÜTKE UND NORMAN REUTER

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