„Die Enttäuschung ist groß“

Karten-Protest von Kita-Leitern aus dem Landkreis Uelzen

Jörg Hillmer hört gestern in Oldenstadt Kritik von Kita-Leitungen zum neuen Kindertagesstätten-Gesetz. Wichtige Punkte fehlen darin, bemängeln die Erzieher. Überreicht werden auch ein Plakat und Postkarten.
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Jörg Hillmer hört gestern in Oldenstadt Kritik von Kita-Leitungen zum neuen Kindertagesstätten-Gesetz. Wichtige Punkte fehlen darin, bemängeln die Erzieher. Überreicht werden auch ein Plakat und Postkarten.
  • Norman Reuter
    vonNorman Reuter
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Jörg Hillmer, Landtagsabgeordneter der CDU, hat schwer zu tragen. Das ist in diesem Fall keine Frage des Gewichts, sondern vielmehr dem Thema geschuldet: Er bekommt in Oldenstadt von Kita-Leiterinnen und -Leiter ein Plakat sowie Postkarten überreicht, mit denen Kritik am neuen Kita-Gesetz geübt wird. Nach Auffassung der Erzieher fehlen wesentliche Punkte für eine bessere Arbeit in den Kitas. 


Uelzen-Oldenstadt – Dieser Gesprächskreis hat es in sich: Die Leiterinnen und Leiter von acht Kindertagesstätten, die von der Kirche im Landkreis Uelzen betrieben werden, machen am Donnerstag, 11. März, in Oldenstadt aus ihren Herzen keine Mördergruben. Sie üben auf der Wiese vor der Kita im Beisein von Jörg Hillmer, der für die CDU im Landtag sitzt, deutliche Kritik am Entwurf der rot-schwarzen Koalition für das niedersächsische Kindertagesstättengesetz.

Den Erzieherinnen fehlt eine fest verankerte dritte Kraft für Kita-Gruppen. Auch bei der Stundenzahl für Dienstbesprechungen und für die Dokumentation der Entwicklung von Kindern sowie beim Thema Inklusion sei nachzubessern. „Die Enttäuschung ist groß“, sagt Sylvia Helms, Pädagogische Geschäftsführerin beim evangelisch-lutherischen Kindertagesstättenverband Uelzen.

Nach 28 Jahren wird das Kitagesetz überarbeitet. Vorgänger-Regierungen, so sagt Hillmer, hätten es zwar mal aus der Schublade gezogen, es aber auch dort wieder hingelegt – wissend, dass es sich um ein heißes Eisen handele. „Gut ist, dass das Gesetz jetzt angepackt wird“, so Hillmer. Allerdings sei der Entwurf, „unambitioniert“. Eine Revolution sei aber auch nicht zu erwarten, weil die Finanzierung im Blick zu behalten sei. Schritt für Schritt könne es vorangehen. Entscheidend sei für ihn deshalb zu wissen, welche Aspekte den Kitas besonders wichtig sind.

Die Leiterinnen und Leiter haben davon eine klare Vorstellung. Bei 25 Kindern in einer Gruppe müsse es mindestens drei fachlich kompetente Kräfte geben, fordern sie. „Sonst gehen wir an unsere Substanz“, sagt Anke Hinrichs von der Kita Himbergen. Und das bleibt nicht folgenlos. Heike Nahrhold von der Mitarbeiter-Vertretung spricht die Krankenzeiten an. „Das ist schon ein großer Punkt.“

Und wer soll sich unter solchen Bedingungen noch für den Beruf entscheiden? Ohne ein Umdenken beim Betreuungsschlüssel werde der schon jetzt bestehende Fachkräfte-Mangel nicht behoben werden können, erklären die Kita-Leitungen. „Der Beruf muss attraktiver werden“, sagt Marion Knauer (Kita Gerdau).

Dazu gehört auch nicht nur die dritte fachliche Kraft. Kita-Leitungen bekommen seit dem Gesetz von 1993 fünf Stunden pro Gruppe gewährt, um sich um Organisatorisches zu kümmern. Das soll auch im neuen Kita-Gesetz so bleiben. Aber längst seien die Anforderungen an die Leitungen gestiegen, sagt Iska Dörhöfer von der Kita „Weiße Taube“ in Uelzen. Es müsse auch die Anzahl der Mitarbeiter berücksichtigt werden, erklärt sie. Gleiches gelte auch bei den Zeiten, die für die Vor- und Nachbereitung, Dokumentation und Dienstbesprechungen eingeräumt werden. 7,5 Stunden werden für alle Mitarbeiter gemeinsam einer Gruppe gewährt. Aber es mache einen Unterschied, ob es sich um eine Halbtagsgruppe mit zwei Kräften oder eine Ganztagsgruppe mit vier oder fünf Kräften handele, wird gestern erklärt.

900 Kinder werden über den Kindertagesstättenverband der Kirche betreut, 200 Mitarbeiter zählt er. Damit die Erläuterungen nicht verhallen, bekommt Jörg Hillmer etwas mit auf den Weg: ein Plakat mit Abdrücken von Kinderhänden sowie Postkarten. Eltern und Erzieher konnten darauf auf einer Seite ihre Positionen festhalten, auf der anderen Seite steht: „Das neue Kindertagesstättengesetz? Zum Heulen!“

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