Uelzen: Naturverbände üben Kritik an Baumfällungen

Ärger um gefällte Erlen

Üben Kritik an der Fällung von 120 Bäumen: Aribert Bombeck von der Arbeitsgemeinschaft für Natur- und Umweltschutz im Kreis Uelzen (rechts) und Friedrich Kaune vom Nabu-Kreisverband.
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Üben Kritik an der Fällung von 120 Bäumen: Aribert Bombeck von der Arbeitsgemeinschaft für Natur- und Umweltschutz im Kreis Uelzen (rechts) und Friedrich Kaune vom Nabu-Kreisverband.
  • Norman Reuter
    vonNorman Reuter
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120 Bäume sind im Gewerbegebiet Breidenbeck in Uelzen gefällt worden. Ein Unternehmen will das geräumte Grundstück nutzen. Nun wird Kritik an den Fällungen laut. Der Nabu schickte einen Fragenkatalog an Uelzens Bürgermeister. 

Uelzen – An der Straße sind noch Baumstümpfe zu entdecken. Weiter hinten liegen Stämme aufeinander gestapelt. Im Gewerbegebiete Breidenbeck sind etwa 120 Bäume auf einem Grundstück gefällt worden, das die Stadt an ein Unternehmen veräußert hat. Dieser Betrieb will die Fläche nutzen. Im Vorgriff dazu ist es zu den Fällarbeiten gekommen, die Natur- und Umweltverbände auf den Plan rufen.

Die leicht rötliche Färbung des Holzes zeige, sagt Aribert Bombeck von der Arbeitsgemeinschaft für Natur- und Umweltschutz im Kreis Uelzen, dass es sich um Erlen gehandelt habe, die gefällt worden seien. „Die Erlen- und Haselblüte – sie dient Bienen im Frühjahr als Nahrung“, so Bombeck. Friedrich Kaune aus dem Vorstand des Nabu-Kreisverbandes sagt: „Bäume sind Luftauffrischer. Hier stand eine kleine grüne Lunge, die jetzt nicht mehr ist“.

Der Boden sei zudem feucht, sagt Bombeck. „Das war ein Sumpfwald.“ Ein solcher sei nach Bundesnaturschutzgesetz besonders geschützt. Es stelle sich also die Frage, auf welcher gesetzlichen Grundlage es zu einer Fällung kommen konnte. Der Nabu-Kreisverband hat dazu auch Uelzens Bürgermeister Jürgen Markwardt einen Fragenkatalog zugeschickt.

Über den Verkauf von Grundstücken berät die Stadtpolitik in nicht-öffentlicher Sitzung. So viel ist inzwischen aber bekannt geworden: Gewählte hatten Bauchschmerzen wegen Umweltschutzfragen im Zusammenhang mit dem Verkauf des besagten Grundstücks. Ein Fachausschuss gab zunächst keine Empfehlung ab, das Thema wurde zur Diskussion in die Fraktionen gegeben. Sowohl der zuständige Fachausschuss als auch der Verwaltungsausschuss haben aber letztlich dem Verkauf zugestimmt, erklärt die Stadtverwaltung auf Nachfrage.

Was die Fällungen betrifft, so seien diese möglich gewesen, weil es für das Grundstück einen seit fast 25 Jahren rechtskräftigen Bebauungsplan gebe, erklärt die Stadt. Eine Rolle spiele auch das niedersächsische Ausführungsgesetz zum Bundesnaturschutzgesetz, wonach Fällungen dann zulässig seien, wenn der Baumbestand erst entstand, nachdem der Bebauungsplan aufgestellt worden sei. Das sei hier gegeben. Nach Angaben der Stadt hatten die gefällten Bäume ein Alter zwischen 15 und 20 Jahre.

Für Aribert Bombeck und Friedrich Kaune stellt sich abgesehen vom Rechtlichen noch die Frage, ob dem Käufer nicht andernorts hätte eine Fläche angeboten werden können, um die Erlen im Sumpfwald zu erhalten. „An der B4 wird gerade ein sieben Hektar großes Gewerbegebiet geschaffen. War dort kein Platz?“, so Aribert Bombeck.

Der neue Eigentümer wollte sich auf eine Anfrage der AZ in dieser Woche nicht äußern.

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