Blick für Explosives

Uelzen: Karsten Bayer ist in der Kampfmittelbergung tätig und begleitet Bauarbeiten

Karsten Bayer ist in der Kampfmittelbergung tätig. In Uelzen begleitet er zurzeit die Kanalarbeiten an der Sternstraße.
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Karsten Bayer ist in der Kampfmittelbergung tätig. In Uelzen begleitet er zurzeit die Kanalarbeiten an der Sternstraße.

Uelzen – Mit scharfem Blick verfolgt Karsten Bayer die Kanalarbeiten an der Sternstraße. „Jede Schaufel mit Erde, die der Bagger aus der Grube holt, schaue ich mir genau an“, sagt der 45-Jährige. Karsten Bayer ist in der Kampfmittelbergung tätig.

Er begleitet Bauarbeiten auf Flächen, bei denen die Möglichkeit besteht, dass explosive Überreste aus dem Zweiten Weltkrieg noch in der Erde schlummern könnten. Der Bahnhof in Uelzen ist am Ende des Zweiten Weltkriegs Ziel von Bombern gewesen. Die Sternstraße liegt nicht weit entfernt.

Mit Hilfe von Daten des Landesamtes für Geoinformation kommt es zur Einschätzung, ob eine Begleitung durch ein Unternehmen für Kampfmittelbergung sinnvoll ist. Aktuell ist so Bayer nicht nur bei den Bauarbeiten an der Sternstraße, sondern immer wieder auch an der Kaiserstraße anzutreffen. Als im Sommer an der Alewinstraße Leitungen verlegt wurden und Kanalarbeiten erfolgten, war er auch dort im Einsatz.

Hund Max ist sein Begleiter

Karsten Bayer ist vor allem dort wichtig, wo nicht mit Hilfe von Technik nach Weltkriegsbomben gesucht werden kann. Sonden, die zum Einsatz kommen könnten, reagieren auf Metall im Erdreich. Gerade im Stadtgebiet, wo Kanäle und Leitungen im Erdreich verlaufen, würden so keine verlässlichen Ergebnisse zustande kommen. Also braucht es einen geschulten Blick.

Karsten Bayer ist von Hause aus Vermessungstechniker. Er hat als solcher für das Unternehmen zur Kampfmittelbergung, bei dem er jetzt arbeitet, Flächen ausgemessen. Durch Fort- und Weiterbildungen ist er selbst zu jemandem geworden, der nun nach Weltkriegsbomben Ausschau hält.

Bayer ist bei Tagesbaustellen dabei, ist aber auch für Großprojekte zuständig. Der Hundemischling Max ist sein Begleiter. An der Sternstraße liegt Max im Fahrzeug des 45-Jährigen und beobachtet das Geschehen von der Ferne aus. „In meinen Beruf ist man immer draußen. Das gefällt mir“, sagt Karsten Bayer. Es gibt aber auch noch die andere Seite seines Berufes – die gefährliche.

Er sei in seinem Beruf, so sagt der 45-Jährige, bei Sichtungen auch schon auf explosive Überbleibsel gestoßen – „das war aber nicht in Uelzen“. Auffällige Verfärbungen im Erdreich können ein Hinweis sein auf einen Blindgänger. Jeder verdächtige Gegenstand in der Erde werde von ihm bewertet – „man ist in der Kampfmittelbergung gut geschult, muss sich aber auch immer wieder fortbilden“.

Sichtung bis zur letzten Schaufel Erde

Funde beispielsweise in der Nachbarstadt Lüneburg bei Bauarbeiten zeigen: Auch mehr als 70 Jahre nach Kriegsende sind nicht detonierte Bomben noch ein Thema.

Karsten Bayer entschärft bei Entdeckung Bomben nicht selbst. Dafür ist in Niedersachsen der staatliche Kampfmittelräumdienst zuständig, der im Fall der Fälle gerufen wird. Er würde die Fundstelle aber soweit vorbereiten, dass der Räumdienst zur Tat schreiten könnte. Es ist zu hoffen, dass das in Uelzen nicht notwendig wird. Karsten Bayer jedenfalls wird die laufenden Bauarbeiten weiter begleiten. „Ich bleibe, bis die letzte Schaufel Erde herausgenommen wurde.“

VON NORMAN REUTER

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