Einblicke in die Filmwelt

Uelzen: Hollywood-Produzent zu Gast bei der Sommerakademie

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Hollywood-Produzent Jan Harlan hat viele Jahre mit dem legendären Regisseur Stanley Kubrick zusammengearbeitet. Harlan gewährte nun Einblicke in die Filmwelt.

Uelzen – Das Produktionsteam war entsetzt. Die Filmemacher wussten, sie würden noch einmal Stunden im Schnittstudio zubringen müssen.

Aber Stanley Kubrick hatte als Regisseur die Entscheidung getroffen: Zu im Weltraum „tanzenden“ Raumschiffen in seinem Film „2001 – Odyssee im Weltraum“ sollte der Walzer „An der schönen blauen Donau“ von Johann Strauss zu hören sein. Ein Einfall, auf den man erst einmal kommen muss.

„Aber Kubrick war davon überzeugt“, wie Jan Harlan zu berichten weiß. Über viele Jahre arbeitete er als Produzent an der Seite des legendären Hollywood-Regisseurs. Als Gast bei der diesjährigen Sommerakademie erzählt Jan Harlan am Sonnabend in Oldenstadt ein wenig aus dem Nähkästchen.

Das Gespräch führte Hinrich Alpers.

Harlan ist heute 82 Jahre alt, arbeitet noch mit jungen Filmemachern zusammen, um ihnen aus seinem reichhaltigen Wissenschatz etwas mitzugeben. Und wenn es möglich ist, dann ist er Gast bei Gesprächsrunden. 2016 hat ihn so der Weg schon einmal zur Sommerakademie geführt, nun die Zugabe. Im Gespräch mit Sommerakademie-Initiator Hinrich Alpers geht es unter dem Titel „Ears wide open“ (die Ohren weit geöffnet) um Musik im Film und immer wieder um Kubrick.

Der Titel ist auch eine Anspielung auf dessen Werk „Eyes wide shut“ (Augen weit geschlossen) – eine Verfilmung von Arthur Schnitzlers „Traumnovelle“. Die Rechte dafür organisiert hat Jan Harlan – und zwar sehr lange vor dem eigentlichen Drehbeginn. Drei Anläufe habe Kubrick für den Film genommen, erst beim letzten sei es dann zum Drehstart gekommen. Jan Harlan sagt: „Kubrick wollte stolz auf seine Filme sein“.

Werke von ihm gelten heute als wahre Filmklassiker: darunter auch der Horrorfilm „Shining“ mit Jack Nicholson. Zum Filmstart sind bereits düstere Klänge zu hören, der Zuschauer bekommt gleich einen Eindruck von dem, was auf ihn zukommt. Die Musik ist eine Bearbeitung der sogenannten Totenmesse „dies irae“ – also bedient sich Kubrick wieder eines vorhandenen Werkes für einen seiner Filme. Gewöhnlich werden eigens Stücke für einen Film geschrieben, die dann „wie Soße über das Mahl geschüttet werden“, schildert Harlan, der nichts davon hält.

Bei der Gesprächsrunde werden immer wieder Beispiele gezeigt, dass Filmemacher auch andere Wege beschritten haben. Dass schon beim Drehen von Sequenzen an die Musik gedacht wurde, die dazu erklingen soll. Kurze Filmsequenzen werden am Sonnabend gezeigt und Hinrich Alpers setzt sich auch an den Flügel, um Stücke zu spielen, die Eingang in Filme gefunden haben.

VON NORMAN REUTER

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