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Zank im Holdenstedter Wohngebiet: Jetzt muss neue Bleibe fürs Federvieh her

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Von: Lars Becker

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Klaus-Dieter Schmidt hofft, einen leeren Stall, eine alte Scheune oder ein kleines Grundstück zu finden, wo er weiter „Zwerg-Welsumer orangefarbig“ züchten kann.
Klaus-Dieter Schmidt hofft, einen leeren Stall, eine alte Scheune oder ein kleines Grundstück zu finden, wo er weiter „Zwerg-Welsumer orangefarbig“ züchten kann. © Lars Becker

Klaus-Dieter Schmidt ist Geflügelzüchter aus Leidenschaft. Er hält Hähne und Hennen der Rasse Zwerg-Welsumer. Jetzt wird ihm seitens der Stadt der Riegel vorgeschoben: Nachbarn haben sich über zu lautes Krähen und Gegacker beschwert. Die Tiere müssen weichen - aber wohin?

Uelzen-Holdenstedt – Bei Klaus-Dieter und Anke Schmidt stehen Tiere hoch im Kurs: Vier Dackel, zwei Labradore, rund 40 Wellensittiche, sechs Nymphensittiche, zwei Hähne und acht Hennen leben bei ihnen an der Holdenstedter Wiesenstraße. Früher gab‘s auch mal Kaninchen – und deutlich mehr Geflügel der Rasse „Zwerg-Welsumer orangefarbig“. Aber zumindest mit der Zucht der Hühner ist hier bald Schluss.

Gegen die Eheleute läuft bei der Hansestadt ein Verfahren, das „aufgrund einer Nachbarbeschwerde wegen Lärm- und Geruchsbelästigung ausgehend von der Geflügelhaltung eingeleitet worden“ sei, wie die Verwaltung mitteilt. Das Grundstück liege in einem „allgemeinen Wohngebiet“. Eine Hobbyzucht sei dort nicht zulässig. „Bei einem Ortstermin wurde zudem eine erhebliche Lärmbelästigung durch das Krähen der Hähne festgestellt“, so die Stadt weiter. Gestattet sei nur eine Kleintierhaltung, was nach der Rechtsprechung heiße, dass die Haltung eines Hahnes und einer geringen Anzahl von Hennen möglich sei.

Fünfmal Vereinsmeister, einmal Kreismeister

Klaus-Dieter Schmidt ist indes passionierter Geflügelzüchter. 2005 baute er in Holdenstedt das Haus, 2007 begann er mit der Haltung von einem Hahn und Hennen. In Spitzenzeiten hatte er dann 30 Hähne, die nach und nach aus den Eiern in der Brutmaschine geschlüpft waren: „Das ist die Natur, ich kann ja nicht hineinschauen.“

Er ist Mitglied im Geflügelzuchtverein Uelzen und Umgebung. Fünfmal wurde er Vereinsmeister, einmal Kreismeister. „Man muss eine gewisse Anzahl an Tieren haben, um auch ausstellen zu können. Es gibt da bestimmte Rasse-Standards“, erklärt der 64-Jährige.

Keine Spur von Geruchsbelästigung

Beim Besuch der AZ ist es auf dem Grundstück verblüffend ruhig. Die Hunde schlagen nur kurz an, als sie die fremde Stimme hören. Einer der Hähne kräht erst, als ihn Klaus-Dieter Schmidt fürs Foto schnappt. Die Sittiche sitzen schweigend in der Voliere – eine Geruchsbelästigung gibt es indes gar nicht.

„Ich habe immer alle Stallabfälle sofort weggefahren, auch als ich die Kaninchen hatte. Jeder will Eier und Hühnerfleisch essen, die Tiere müssen aber möglichst weit weg sein. Es ist leider heute so, dass kaum jemand die ländlichen Emissionen haben will. Ich habe noch nie dem Nachbarn gesagt, dass mich das ganztägige Knattern seiner Säge stört. Aber wenn ein Hahn kräht, wird gemeckert. Das ist schon ärgerlich“, betont der Rentner, der sich jetzt aber damit abgefunden hat, dass die Hähne und Hennen „ausziehen“ müssen.

Morgens und abends nach dem Rechten sehen

„Ich suche händeringend etwas anderes. In den Läden hier habe ich Zettel aufgehängt, war auch schon auf den Dörfern im Umkreis bis zehn Kilometer unterwegs. Eine alte Scheune oder ein alter Schweinestall wären optimal. Ich würde aber auch ein unbebautes Grundstück von rund 150 Quadratmeterm nehmen“, sagt Schmidt.

Mindestens morgens und abends würde er nach dem Rechten sehen und trotz des Aufwandes durchaus auch bis nach Wrestedt fahren. „Das ist eine Leidenschaft, es geht doch um die Hühner“, so Schmidt, dessen Ziel es war und ist, „irgendwann das ,Blaue Band von Hannover‘ zu gewinnen“ – die höchste Auszeichnung in Niedersachsen bei Geflügelausstellungen.

„2018 hätte es klappen können, aber damals musste ich schon einmal alles abschaffen“, sagt der 64-Jährige rückblickend auf die Zeit der Konflikte mit den Nachbarn und der Gespräche mit der Stadt in Sachen Tierhaltung, aber auch Grenzbebauung. Damit soll jetzt Schluss sein – es bleiben Hunde und Sittiche. Wer Klaus-Dieter Schmidt helfen will, erreicht ihn unter (0581) 9715606.

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